In diesem Haus in Heuchelheim verletzte ein 28-Jähriger seine junge Ehefrau lebensgefährlich. Am Dienstag wurde vor Gericht das Verfahren gegen den Angeklagten eröffnet. ARCHIVFOTO: CON
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In diesem Haus in Heuchelheim verletzte ein 28-Jähriger seine junge Ehefrau lebensgefährlich. Am Dienstag wurde vor Gericht das Verfahren gegen den Angeklagten eröffnet. ARCHIVFOTO: CON

Prozessauftakt

Nach Bluttat in Heuchelheim: Tatverdächtiger ist schuldunfähig

  • Reinhard Südhoff
    vonReinhard Südhoff
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Ein Mann schlägt seine Ehefrau und sticht mit einem Messer auf sie ein. Die lebensgefährlich Verletzte kann flüchten, eine Notoperation rettet ihr das Leben. Seit Dienstag steht der Angeklagte vor Gericht.

Die Aufregung im Norden Heuchelheims war damals immens. Am 17. März verletzte ein junger Familienvater seine Ehefrau lebensbedrohlich, er verschanzte sich anschließend mit drei Kindern in der Wohnung. Ein Spezialeinsatzkommando rückte an, rund sieben Stunden nach der Tat gab der Mann auf. Jetzt steht der 28 Jahre alte Asylbewerber aus Syrien vor Gericht.

Die 5. Große Strafkammer am Gießener Landgericht unter Vorsitz von Richterin Regine Enders-Kunze hat das Sicherungsverfahren eröffnet. Zum Prozessauftakt am gestrigen Dienstag verlas aber lediglich Staatsanwalt Klaus Bender die Anklageschrift, zu Einlassungen des Angeklagten oder zu Zeugenbefragungen kam es noch nicht.

Der Verdächtige gilt als schuldunfähig. Ihm wird vorgeworfen, in der Rodheimer Straße in Heuchelheim am 17. März gegen 16 Uhr "im Zustand paranoider Schizophrenie" zunächst ohne Grund seine 24-jährige Frau geschlagen zu haben. Er drückte sie in einen Schrank und würgte sie, außerdem biss der Angeklagte seiner Ehefrau in die Nase, schilderte der Staatsanwalt. Als er ein Messer holte, gelang es dem Opfer, bis zur Wohnungstür zu laufen. Dort stach der Angeklagte auf sie ein, fügte ihr eine etwa fünf Zentimeter lange Schnittverletzung im Unterbauch zu. Er nahm hierbei "ihren Tod billigend in Kauf", heißt es in der Anklageschrift, unter anderem wurde eine Arterie durchtrennt.

Als es der Frau gelang, die Wohnungstür zu öffnen, stach der Mann ihr noch in den Rücken, die etwa zwei Zentimeter lange Schnittverletzung reichte bis auf den Wirbel. Nur eine Notoperation habe der 24-Jährigen das Leben gerettet.

Ein psychiatrischer Sachverständiger habe bescheinigt, dass der Angeklagte die Tat aus einem psychiatrischen Verfolgungsdenken heraus begangen habe. Deshalb komme eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung in Betracht.

In einer solchen ist der Angeklagte zurzeit bereits untergebracht. Er habe "im Zustand der Schuldunfähigkeit versucht, seine Frau zu töten, ohne Mörder zu sein", führte der Staatsanwalt aus.

Weil der Sachverständige zum Prozessauftakt verhindert war, folgen die Befragungen des Angeklagten, des Opfers und von Zeugen erst beim Fortsetzungstermin in der kommenden Woche.

Kinder körperlich unversehrt

Nachdem das schwerverletzte Opfer blutend in einen nahegelegenen Dönerimbiss flüchten konnte, wurden Polizei und Rettungskräfte alarmiert. Da der mutmaßliche Täter sich mit drei kleinen Kindern im Alter von einem, drei und fünf Jahren in der Wohnung aufhielt, wurde von der Gießener Polizei ein Spezialeinsatzkommando aus Frankfurt hinzugezogen und der Bereich um das Wohnhaus weiträumig abgesperrt. Die Beamten versuchten über Stunden, den Mann zur Aufgabe zu bewegen. Erst um kurz vor 23 Uhr gab er auf, die Kinder blieben körperlich unversehrt.

Der Angeklagte wurde dem Haftrichter am Gießener Amtsgericht vorgeführt, dieser ordnete die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Jetzt muss er sich vor der Strafkammer am Landgericht verantworten.

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