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Bevor ein Kunde Medikamente aus dem Automaten ziehen kann, muss er per Video Kontakt mit einem Apotheker aufnehmen.

Unerwünschte Nebenwirkungen?

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Enttäuschte Gesichter im nordbadischen Hüffenhardt, zufriedene bei den Apothekern - der erste Medikamenten- automat von Docmorris bleibt verboten. Das entschied ein Oberlandesgericht. Geht der Fall in die höchste Instanz?

Gemessen am Wirbel, den er verursacht, ist der Apparat recht unauffällig: In den umgebauten Räumen einer früheren Apotheke ist neben einem Bezahlterminal und einem Bildschirmtisch hinter Glas nur ein Stück Förderband zu sehen. Von dort fällt das gewünschte Medikament nach unten in den Ausgabeschacht. Theoretisch zumindest. Der Docmorris-Apothekenautomat im 2000-Seelen-Ort Hüffenhardt (Neckar-Odenwald-Kreis) spuckt derzeit nichts aus. Der Betrieb des bundesweit ersten Automaten dieser Art bleibt verboten. Das entschied am Mittwoch das Oberlandesgericht Karlsruhe.

Seit vier Jahren gibt es keine Apotheke mehr in dem Ort gut 20 Kilometer nordwestlich von Heilbronn. Wer Kopfschmerztabletten oder Blutdruckmittel braucht, muss fast sechs Kilometer weit fahren. "Die nächste Apotheke ist in Haßmersheim", sagt Hüffenhardts Bürgermeister Walter Neff (SPD). Er findet es deshalb gut, dass die europaweit tätige Versandapotheke aus den Niederlanden in der nordbadischen Gemeinde eine "Videoberatung mit Arzneimittelabgabe" eingerichtet hat. Das angeschlossene Lager bietet Platz für mehr als 8000 Schachteln.

Am 19. April 2017 konnten Kunden von dort aus erstmals per Video Kontakt mit einem Apotheker im niederländischen Heerlen aufnehmen und Medikamente aus dem Automaten erhalten. Doch zwei Tage später war wieder Schluss: Das Regierungspräsidium Karlsruhe stoppte das Projekt.

Vom 26. April an gab es aus dem Automaten noch einige Wochen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dann setzte das Landgericht Mosbach dem im Juni 2017 ein Ende: Es sah einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Das sah das OLG genauso: Verschreibungspflichtige Medikamente dürften nur von Apotheken an Verbraucher abgegeben werden. Es folgte nicht dem Argument von Docmorris, wonach es sich um erlaubten Versandhandel handele. Wenn Arzneimittel zunächst ohne konkrete Bestellung in Hüffenhardt gelagert und dann auf Kundenwunsch abgegeben werden, sei dies kein Versand an den Endverbraucher.

Damit waren Klagen des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, von zwei Apothekern aus der Umgebung und eines Kölner Apothekers erfolgreich, der eine Online-Apotheke betreibt. Eine Niederlage im Fall Hüffenhardt verbuchte Docmorris auch schon vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe: Das bestätigte Anfang April das Betriebsverbot des Regierungspräsidiums.

Für Apotheker ist es ein Präzedenzfall. Sie kritisieren schon länger, dass Versandhändler in immer neue Felder vordringen wollen. Aus ihrer Sicht will sich Docmorris "Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Arzneimittelsicherheit" verschaffen. Sie warnen vor gesundheitlichen Schäden wegen fehlender Überwachung.

Ob der Rechtsstreit weitergeht, hängt von Docmorris ab. Das OLG hat zwar die Revision nicht zugelassen. Über eine Nichtzulassungsbeschwerde kann der Fall aber immer noch zum Bundesgerichtshof kommen. Die Niederländer wollen nun aber erst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und dann über weitere Schritte entscheiden, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

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