Sorge um Staatsfinanzen

Rente: Wegen Corona länger arbeiten - wichtige Wirtschaftsinstitute für höheres Einstiegsalter

  • Thomas Schmidtutz
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Die Corona-Pandemie kostet den Steuerzahler Milliarden. Gleichzeitig wird die Bevölkerung in Deutschland immer älter. Für die Rentenkasse wird das zur Zerreißprobe.

Berlin – Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben sich angesichts steigender Staatsschulden für ein höheres Rentenalter in Deutschland ausgesprochen. Die Corona*-Pandemie reiße ein tiefes Loch in den Staatshaushalt*. Gleichzeitig werde sich die Altersstruktur und die Bevölkerungsgröße wegen „sinkender Geburtenraten und einer steigenden Lebenserwartung“ stark verändern, heißt es in der am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsprognose.

Damit steige der Anteil der Rentner bis 2030 deutlich an, während die Erwerbsbevölkerung schrumpfe. Diese Entwicklung werde für die Rentenkassen eine große Herausforderung, machten die Experten deutlich.

„Die eleganteste Lösung wäre eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters“, sagte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle. Ein höheres Rentenalter könne die Staatsfinanzen stützen, ohne bei wichtigen Zukunftsinvestitionen auf die Bremse treten zu müssen. Außerdem könne auch eine stärkere Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt die Entwicklung stabilisieren.

Corona-Pandemie: Institute sehen Konjunktur vorsichtiger

Unterdessen sehen die Ökonomen die wirtschaftliche Entwicklung wegen der dritten Welle der Corona-Pandemie nicht mehr ganz so zuversichtlich wie noch im Herbst. Vor allem im Dienstleistungssektor bleibe die Lage nach Einschätzung der Experten noch bis zum Ende des Lockdowns schwierig. Eine Lockerung der Maßnahmen sei erst gegen Mitte des Jahres zu erwarten. Dann aber werde sich das wirtschaftliche Geschehen in vielen Bereichen rasch normalisieren. Bis Jahresende könne der Aufholprozess abgeschlossen sein.

Insgesamt gehen die Institute nun davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 3,7 Prozent zulegt. Noch im Herbst hatten sie mit 4,7 Prozent gerechnet. Erst Ende Januar hatte auch die Bundesregierung ihre eigene Prognose für 2021 von 4,4 auf 3,0 Prozent gesenkt. Am 27. April will sie die sogenannte Frühjahrsprojektion vorstellen, in die auch Prognosen der Institute einfließen soll.

Corona-Pandemie: Bundeswirtschaftsminister Altmaier hofft auf Rückenwind aus Impf-Kampagne

Trotz der dritten Welle der Corona-Pandemie gab sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zuversichtlich: „Wir können in diesem Jahr den Wirtschaftseinbruch nicht nur stoppen, sondern umkehren und im nächsten Jahr wieder alte Stärke erreichen.“ Trotz des langen und schweren Pandemieverlaufs sei die Wirtschaft in einer robusten Verfassung. Schon ab Mitte des zweiten Quartals werde der Erholungsprozess durch den fortschreitenden Impfprozess einen Schub bekommen.

Besonders die Industrie sei robust, sagte der Wirtschaftsminister. Das hänge damit zusammen, dass internationale Lieferketten in der zweiten Welle nicht zerbrochen seien. Die Industrie profitiert vor allem von der Nachfrage aus China und den USA, wo sich die Wirtschaft zuletzt besser entwickelte als in Europa.

Corona-Pandemie: Dienstleistungssektor am Boden

Der Dienstleistungssektor steht in Deutschland hingegen weitgehend still. Viele Bürger verzichteten gerade aufs Geldausgeben, auch um sich vor Infektionen zu schützen. Der erhoffte Aufschwung im zweiten Halbjahr dürfte nach Einschätzung der Institute vor allem stark vom Erfolg der Impfkampagne und damit verbundenen Lockerungen der Corona-Regeln abhängen.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst. (dpa/utz) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert

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