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Bauland hat sich nach der Prognos-Studie teils drastisch verteuert. Von 2011 bis 2017 verdoppelten sich demnach die Preise in deutschen Großstädten.

Kosten für Bauland verdoppelt

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Weniger Quadratmeter, mehr Miete - Wohnungssuchende haben es seit Jahren schwer. Kann eine Neuauflage des sozialen Wohnungsbaus helfen?

Um die Mietanstiege in vielen Städten einzudämmen, fordern Immobilien- und Mietervertreter den großangelegten Bau neuer Sozialwohnungen. "Mindestens sechs Milliarden Euro sind für den sozialen Wohnungsbau pro Jahr dringend notwendig", teilte der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bau, Robert Feiger mit. 80 000 neue Sozialwohnungen pro Jahr seien nötig, dreimal so viele wie zuletzt, ergab eine Studie im Auftrag der Gewerkschaft, mehrerer Bau- und Wohnungsverbände und des Deutschen Mieterbunds.

Aus der Politik kam Zustimmung, aber auch Skepsis. Die Grünen verlangten eine Verdoppelung der Mittel. Sozialwohnungen seien kein Allheilmittel, warnte dagegen die FDP. Bauen müsse billiger werden. Der Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz warnte unterdessen davor, Wohnungen an der falschen Stelle zu errichten. Neben höheren Bau- und Kaufpreisen bestimmt laut der Studie auch eine wachsende Nachfrage nach kleineren Wohnungen den Markt. 2017 waren neue Wohnungen nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt noch 105 Quadratmeter groß, ein Zehntel weniger als 2011.

Immobilienblase auf dem Land droht

Das liegt daran, dass die Haushalte kleiner werden, aber auch an steigenden Mieten. Mieter in Städten müssen einen großen Teil ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. In 138 der rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte seien die Wohnungsmärkte angespannt, ergab die Untersuchung des privaten Forschungsinstituts Prognos. Die Verbände kritisierten, es werde zu wenig und zu teuer gebaut. Um den Mietanstieg zu bremsen, müsse außerdem dichter gebaut werden.

Feiger vertrat die Auffassung, dass wegen der gestiegenen Mieten zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Großstädter theoretisch Anspruch auf eine Sozialwohnung habe. Es gebe aber immer weniger Sozialwohnungen, "weil sie ja nur für 20 oder 30 Jahre der Bindung unterliegen", sagte Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes.

Zuständig für neue Sozialwohnungen sind seit 2007 die Länder. Als Kompensation erhalten sie Geld vom Bund, das sie mit eigenen Mitteln aufstocken müssen. "Mit der bisherigen Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr vom Bund ist der enorme Schwund, den es bei den Sozialmietwohnungen gibt, nicht aufzuhalten", warnte Feiger. Neben dem sozialen Wohnungsbau seien "bezahlbare Wohnungen die zweite Groko-Baustelle beim Wohnen", sagte er. Dafür seien mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr notwendig, vor allem zugunsten von Durchschnittsverdienern in den Metropolregionen. Auch Bauland hat sich nach der Prognos-Studie teils drastisch verteuert. Von 2011 bis 2017 verdoppelten sich demnach die Preise in den großen deutschen Städten - auch das treibe die Mieten, sagte Studienautor Tobias Koch von Prognos.

Wegen der hohen Mieten zögen immer mehr Menschen ins Umland, sagte der Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz. Attraktive Städte wie Hamburg, Berlin, Leipzig, Düsseldorf und Köln wüchsen aber weiter, auch wenn der Zuzug zuletzt abgenommen habe. "Die Städte kommen mit dem Wohnungsbau nicht hinterher." Und wenn Landgemeinden, die eigentlich kein Wachstum erwarten können, Neubaugebiete auswiesen, drohten dort Immobilienblasen mit der Gefahr von Leerstand in der nächsten Generation.

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