Im Juni hat sich die im Mai begonnene Erholung fortgesetzt - die Exporte stiegen kräftig. Foto: Axel Heimken/dpa
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Im Juni hat sich die im Mai begonnene Erholung fortgesetzt - die Exporte stiegen kräftig. Foto: Axel Heimken/dpa

Juni-Zahlen machen Hoffnung

Export kämpft sich aus dem Corona-Tal

Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Absturz in der Corona-Krise auf Erholungskurs. Export und Industrieproduktion ziehen im Juni an. Das Vorkrisenniveau ist allerdings noch entfernt.

Wiesbaden (dpa) - Trotz einer Erholung im Juni ist der deutsche Export noch nicht über den Berg. Im ersten Halbjahr riss die Corona-Krise tiefe Löcher in die Exportbilanz.

Der Wert der Warenausfuhren brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13,4 Prozent auf 576,8 Milliarden Euro ein, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Hoffnung macht ein deutlicher Anstieg der Exporte im Juni gegenüber dem Vormonat um 14,9 Prozent, auch wenn das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht ist.

"Fast 90 Milliarden Euro fehlen den Exporteuren nach dem heftigen Einbruch bislang alleine im ersten Halbjahr in der Kasse", sagte Ines Kitzing, erste Vizepräsidentin des Außenhandelsverbandes BGA. "Nur mühsam kämpfen sich die Unternehmen zurück aus diesem tiefen Tal". Zwar machten steigende Auftragseingänge und das sich stabilisierende China-Geschäft Hoffnung, "jedoch steht die in weiten Teilen der Welt weiter grassierende Pandemie einer schnellen Erholung im Weg", sagte Kitzing.

Das anziehende Auslandsgeschäft schob Ökonomen zufolge auch die Industrieproduktion an, die im Juni um 8,9 Prozent gegenüber dem Vormonat zulegte. Auch die Bestellungen in der Industrie waren zuletzt gestiegen.

Die Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie hatten der deutschen Wirtschaft im März und April stark zugesetzt. Seit Mai geht es wieder aufwärts. Dass die Krise immer noch schwer wiegt, zeigt allerdings der Jahresvergleich: Gegenüber Juni 2019 verringerten sich die Ausfuhren um 9,4 Prozent auf 96,1 Milliarden Euro. Die Importe sanken um 10,0 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro.

Je nach Handelspartner war die Entwicklung im Juni sehr unterschiedlich. Die Ausfuhren in die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) verringerten sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,0 Prozent auf 51,2 Milliarden Euro. Die EU ist die wichtigste Absatzregion für Waren "Made in Germany". Die Exporte in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen USA brachen um 20,7 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro ein. Ein Plus von 15,4 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro gab es dagegen im Handel mit China.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hatte als erstes Land die Auswirkungen der Pandemie zu spüren bekommen. Es gibt heute kaum noch neue Infektionen, so dass sich das Leben und die Wirtschaftstätigkeiten in China wieder normalisieren. China selbst exportierte im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat 7,2 Prozent mehr, wie die Pekinger Zollverwaltung berichtete. Leicht schwächer fielen dagegen die Importe aus, die um 1,4 Prozent schrumpften. Seit Januar gerechnet muss China noch immer ein Minus beim Außenhandel von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen.

"Die Stabilisierung des chinesischen Außenhandels setzt wichtige Impulse für eine Erholung des Welthandels. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen", sagte Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Dennoch sei die Weltwirtschaft nach dem Corona-Einbruch im ersten Halbjahr noch lange nicht über den Berg. 

Nils Jannsen, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet damit, dass die weitere Erholung nach dem konjunkturellen Zwischenspurt in den Sommermonaten "wohl deutlich mühseliger" wird. Aus seiner Sicht wird das Exportgeschäft die "Achillesferse der Erholung bleiben". Viele wichtige Abnehmerländer seien durch die Pandemie wirtschaftlich noch stärker betroffen als Deutschland.

Hinzu kommen die weltweiten Reisebeschränkungen wegen der Pandemie, die der deutschen Wirtschaft zu schaffen machen. "Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sind Geschäftsreisen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Folgen der Reiseeinschränkungen sind daher erheblich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, der Deutschen Presse-Agentur.

Aufgrund der vielen Grenzschließungen und Quarantänemaßnahmen könnten Unternehmen häufig ihre Manager, Techniker oder Vertriebsmitarbeiter nicht zu ihren Kunden oder Lieferanten in andere Länder schicken. "Für Geschäftsanbahnungen sowie Montagen oder Reparaturen von Maschinen ist der persönliche Kontakt vor Ort häufig aber unerlässlich", sagte Wansleben. Innerhalb der Europäischen Union sind die Reisebeschränkungen zwar weitgehend aufgehoben worden. Für wichtige Handelspartner wie die USA oder China bestehen sie aber weiterhin.

Für das Gesamtjahr rechneten der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zuletzt mit einem Rückgang der Ausfuhren um 15 Prozent. Neben dem Privatkonsum zählt der Export zu den Stützen der deutschen Konjunktur.

© dpa-infocom, dpa:200807-99-75844/4

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