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Sabine Lutha hat Krebs. Sie ist sich sicher: Wenn sie sich mit dem Coronavirus ansteckt, wird sie sterben. 

Angst vor Corona

Risikopatientin hat Angst vor dem Coronavirus - "Ich will noch nicht sterben"

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Eine Ansteckung mit dem Coronavirus kann besonders für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich sein. Menschen wie Sabine Lutha. Die Wöllstädterin hat Krebs. Eine Ansteckung wäre ihr Todesurteil.

Sabine Lutha hat Angst. Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. "Das wäre mein Todesurteil." Die Wöllstädterin hat Knochenmarkkrebs. Ein Medikament, das sie deshalb einnehmen muss, schwächt ihr Immunsystem zusätzlich. Außerdem hat sie eine Lungenkrankheit. Sabine Lutha gehört damit zur Risikogruppe.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer jüngsten Tochter wohnt die 60-Jährige in Wöllstadt. Doch der Kontakt beschränkt sich im Moment auf ein Minimum. "Ich habe wirklich Angst", sagt Sabine Lutha. Sie würde sich aktuell gerne abschotten, um sich so gut wie möglich zu schützen. Die Familie besitzt seit 30 Jahren ein Grundstück auf einem Campingplatz an der Krombachtalsperre im Westerwald. Dorthin würde Sabine Lutha gerne für die kommenden Wochen flüchten. Auch, um ihren Mann und ihre Tochter zu entlasten.

Sie habe sich alles genauestens überlegt: "Wir haben auf dem Grundstück einen Wasseranschluss und eine Toilette. Eine Bekannte aus dem Nachbardorf könnte für mich einkaufen gehen." Sie und ihr Mann hätten sich sogar schon auf den Weg zum Campingplatz gemacht. "Ich hatte alles dabei, um sechs oder acht Wochen dort zu verbringen", sagt sie. "Unser VW-Bus war voll mit Getränken, Puzzeln und Büchern."

Angst vor Coronavirus: Jeder Kontakt wird zum Risiko

Doch am Eingang habe man sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht bleiben dürfe. Der Campingplatz sei wegen den Verordnungen von Bund und Land für Besucher geschlossen. "Nur wer seinen ersten Wohnsitz dort hat, darf bleiben", sagt Lutha. Das habe man ihr in einem Schreiben mitgeteilt, das allerdings erst angekommen sei, nachdem sie sich auf den Weg gemacht hätten. "Mein Mann hat daraufhin bei der Gemeinde nachgefragt, aber wir haben keine Ausnahmegenehmigung bekommen." Ihre Idee platzte. "Das ärgert mich sehr."

Sabine Lutha würde die kommenden Wochen gerne auf ihrem Camping-Grundstück im Westerwald verbringen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Das wird ihr aber nicht erlaubt.

In einem wütenden Brief habe sie sich Luft gemacht. Doch an der Verordnung sei nichts zu ändern. "Ich kann nachvollziehen, dass man keine Urlauber auf dem Campingplatz haben will", sagt Lutha. "Aber ich hätte mir gewünscht, dass man in meinem Fall eine Ausnahme machen kann. Ich möchte nicht an dem Virus sterben."

Einen Plan B gebe es nicht. Ihr Mann habe ein paar Tage von zu Hause aus gearbeitet, müsse aber inzwischen wieder täglich nach Frankfurt fahren. Er arbeite in einer Firma mit 4000 Beschäftigten, in der es bereits Corona-Fälle gegeben habe. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns aus dem Weg zu gehen", sagt Sabine Lutha. "Wenn mein Mann nach Hause kommt, schließe ich mich in meinem Zimmer ein." Ihre jüngste Tochter sei vorübergehend ausgezogen. Sie selbst habe von ihrem Arbeitgeber die Möglichkeit bekommen, in Zukunft von zu Hause aus zu arbeiten.

Angst vor Coronavirus: Arzttermine fallen aus

Im Juni 2017 ist der Krebs entdeckt worden. Sabine Lutha hat zwei Stammzellentransplantationen hinter sich. Drei Jahre Lebenszeit sind ihr schon geschenkt worden, aber der Krebs ist unheilbar. Zurzeit befindet sie sich in der Erhaltungstherapie. Normalerweise muss sie alle vier Wochen zur Blutuntersuchung nach Frankfurt. Den nächsten Termin wird sie absagen. "Meine Medikamente reichen noch für knapp 60 Tage. So lange werde ich es ausreizen."

Sabine Lutha geht schon lange nicht mehr einkaufen. "Meine Enkelkinder habe ich seit über fünf Wochen nicht mehr gesehen. Ich bin zu Hause eingesperrt und selbst dann ist das Risiko noch groß." Wenn zum Beispiel der Postbote klingele und sie die Tür öffnen müsse. Vor der Haustür stünden Mundschutz und Desinfektionsmittel bereit.

"Falls mich der Coronavirus erwischt, brauchen die Ärzte die Beatmungsgeräte gar nicht erst anzustellen", sagt Sabine Lutha. "Das hätte keinen Sinn mehr." Das Schlimme sei, dass sie nicht wisse, wie lange die Situation noch anhalte. "Ich weiß, dass ich irgendwann an meiner Krankheit sterben muss, aber ich will jetzt noch nicht gehen."

Verordnung: Alle Campingplätze wegen Coronavirus geschlossen

Durch die Beschlüsse von Bund und Land sind Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken derzeit nicht erlaubt. Campingplätze müssen daher geschlossen werden. Betroffen davon ist auch der Campingpark am Gederner See. Urlaubscampern sei der Aufenthalt bis zum 19. April untersagt, Dauercamper dürften zur Zeit noch kommen, teilen die Betreiber mit. Sie würden aber jedem raten, zu Hause zu bleiben.

Mehr Information rund um das Coronavirus in der Wetterau finden Sie im aktuellen Corona-Ticker für die Wetterau. Hessen veröffentlicht zudem täglich die aktuellen Zahlen der Corona-Infizierten. Die aktuellen Zahlen für Deutschland finden Sie hier. Eine Übersicht über die Maßnahmen in Hessen sowie was sie dürfen und was nicht, gibt es hier.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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