Abo Wind: Windrädern "steht nichts mehr im Wege"

Friedberg/Wöllstadt (hed). Bei einem Ortstermin mit Behördenvertretern hat die Firma Abo Wind die Vorwürfe von Wöllstadts Bürgermeister Alfons Götz (CDU) als haltlos zurückgewiesen.

Die Gemeinde hatte den Windradbauer beschuldigt, die Erdarbeiten für die Zufahrt für die geplanten Windräder ohne Genehmigung und daher illegal ausgeführt zu haben. Daraufhin wurde gegen die Firma geklagt. Eine Entscheidung - auch bei der Klage gegen die RP-Genehmigung auf Sofortvollzug - steht noch aus.

"Den Arbeiten zur Errichtung des Windparks zwischen Bruchenbrücken und Wöllstadt steht nichts im Wege", heißt es nun in einer Pressemitteilung von Abo Wind. Bei einer Ortsbegehung mit Vertretern der Naturschutz- und Bodenschutzbehörden, des Kreisbauamts sowie der Emissionsschutzbehörde des RP und einem ökologischen Gutachter seien am Dienstag alle offenen Fragen geklärt worden.

Der Vorwurf, den Erdaushub ohne Genehmigung auf benachbarte Äcker aufgebracht zu haben, sei falsch. "Wir haben mit dem Aushub das Wegeniveau angeglichen", betonte Georg von Aretin, Leiter der Windkraftplanung bei Abo Wind. Damit werde den Landwirten die Bewirtschaftung erleichtert. Dafür habe man auch Verträge mit den Eigentümern der betreffenden Grundstücke geschlossen. "Sie haben sogar ausdrücklich gewünscht, dass die Neigung des Weges ausgeglichen wird." Auch das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt teilte gestern mit, ein Teil der Erde dürfe auf den Äckern bleiben. Das sei so mit der Bodenschutzbehörde des Wetteraukreises abgestimmt.

Erde wird in Steinbruch entsorgt

Es werde aber noch Nachbesserungen an den Stellen geben, wo die Erde zu hoch aufgetragen worden sei, räumt von Aretin ein. Der übrige Erdaushub (etwa 4500 Kubikmeter) werde fachgerecht in einen Steinbruch entsorgt. Dafür sei dem RP inzwischen ein Entsorgungskonzept vorgelegt worden, das bereits bewilligt sei, sagte der Abo-Wind-Sprecher. Das RP schreibt dagegen, das Konzept werde derzeit noch geprüft.

Mit den Arbeiten an den Böschungen - die nicht in der Genehmigung für die Errichtung der Wege enthalten sind - werde man so lange warten, bis sie das RP erlaube. Eine entsprechende Genehmigung sei formal notwendig, werde in der Verwaltungspraxis aber üblicherweise nicht gefordert. Dass die Anforderungen beim Projekt wegen der besonderen öffentlichen Aufmerksamkeit höher seien, als bei anderen, hätten die Planer unterschätzt, räumt der Sprecher ein. "Dass mit den Arbeiten an den Böschungen schon begonnen wurde, hat aber niemandem geschadet."

Wie der RP gestern weiter mitteilte, hat man der Firma mittlerweile die "naturschutzrechtliche Eingriffsgenehmigung" für die öffentlichen und neu anzulegenden Wege erteilt. Für darüber hinausgehende Änderungen sei eine erneute Genehmigung zu beantragen.

Firma will Platten verlegen

Da wie berichtet nicht alle Landwirte bereit waren, mit Abo Wind Sondernutzungsverträge abzuschließen, will sich die Windkraftfirma nun mit einer technisch und finanziell etwas aufwendigeren Lösung behelfen und Platten verlegen, um die Wege nicht verbreitern zu müssen. So vermeide man es, diese Grundstücke zu nutzen.

Beim Natur- und Denkmalschutz sei von Anfang an mit den Behörden zusammengearbeitet worden. Ein Spezialist für Hamsterpopulationen habe keine Tiere im Gebiet entdeckt.

Abo Wind, das eigenen Angaben zufolge mehr als 250 Windkraftanlagen in Deutschland, Frankreich und Irland errichtet hat, habe in der Wetterau "nicht weniger sorgfältig gearbeitet als bei anderen Projekten", betonte von Aretin. Dass Projektentwickler für erneuerbare Energien von Lokalpolitikern wie Schwerverbrecher behandelt würden, sei für das Unternehmen eine neue Erfahrung.

Man werde mit den Anlagen zum notwendigen Ausbau der Windkraft beitragen und (wie zwei unabhängige Gutachter bestätigt hätten) jährlich rund 12 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, was dem Verbrauch von 3000 Vier-Personen-Haushalten entspreche.

Die Vorwürfe von Götz seien unhaltbar und entbehrten jeder Grundlage, sagte Projektleiterin Verena Dahlhäuser nach dem Ortstermin. Die Reaktion des Bürgermeisters empfänden sie und ihre Kollegen als maß- und substanzlos. Dahlhäuser wertete den Angriff "als letzten verzweifelten und zum Scheitern verurteilten Versuch, das Projekt zu torpedieren".

Nachdem alle Argumente ausgetauscht seien, verlege sich Götz nun auf polemische Attacken. So schade er dem Ruf der Gemeinde, indem er den Windpark dämonisiere und die "vergleichsweise kleinen Beeinträchtigungen" dramatisiere.

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Quelle: Wetterauer Zeitung

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