Wider das Vergessen
Wöllstadt (udo). In Wöllstadt arbeiten die Gemeindevertreter an einer »Gedenktafel wider das Vergessen«. Dafür wird nun ein Arbeitskreis gebildet, beschlossen die Gemeindevertreter in der jüngsten Sitzung. Sie folgten damit einem gemeinsamen Antrag des Gemeindevorstands, des Vorsitzenden der Gemeindevertretung und der drei Fraktionen.
Der Arbeitskreis soll die Gemeindevertreter bei der Verbesserung der Wahrnehmung der Gedenktafel in der Bahnhofstraße am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge beraten und einen Gestaltungsvorschlag für eine Gedenktafel gegen das Vergessen erstellen. Ziel ist es, die Nazi-Verbrechen in Erinnerung zu rufen. Nach Alternativen für den Standort der Gedenktafel in der Bahnhofstraße soll gesucht werden.
In Nieder-Wöllstadt bestand seit dem 16. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Im Jahr 1938 zerstörte das NS-Regime durch Verfolgung, Verhaftung und Deportation das jüdische Leben in Nieder-Wöllstadt. Während der Pogrome im Jahr 1938 wurde die jüdische Synagoge zerstört und der jüdische Friedhof geschändet. Im Gedenken daran gibt es seit 1981 eine Hinweistafel am ehemaligen Standort der Synagoge in der Bahnhofstraße und eine Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof.
Für besseren Umgangston
Die Gemeindevertretung stimmte außerdem der Unterzeichnung des »Hessischen Plädoyers für ein solidarisches Zusammenleben« zu. Das Plädoyer will ein Zeichen setzen für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft, die Vielfalt als Reichtum begreift, und gegen Diskriminierung und Hetze. Die Erstunterzeichner wollen mit der Erklärung ein Zeichen für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft, die Unterschiede und Vielfalt als Reichtum begreift, setzen.
Kernsätze der Erklärung lauten: »Wir treten für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft ein und wollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf der Grundlage von Menschenwürde, Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit fördern. Wir treten jeder Form von Demokratiefeindlichkeit, Hass, Hetze, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Erniedrigung entgegen.«
Der Vorsteher der Gemeindevertretung, Jürgen Pfannkuchen (parteilos), begrüßte das Engagement für die Erklärung und bedauerte, dass der Respekt vor den Kommunalpolitikern abgenommen habe und der Umgangston leide. Es gelte, Zeichen gegen die Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Helge Hinkelmann (SPD) wies auf die Anfeindung von Hilfskräften hin.