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Wetterauer heiraten in Corona-Zeiten: Ihr langer Weg zu "Ja, ich will"

  • vonred Redaktion
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Eine Hochzeit ist auch ohne eine weltweite Pandemie nervenaufreibend. Marina und Uwe Wagner haben in Zeiten von Corona geheiratet - und einen wahren Hindernislauf hinter sich.

Entspannt sitzen Marina und Uwe Wagner im Esszimmer in ihrer Wohnung in Nieder-Wöllstadt. In den Regalen stapeln sich Gesellschaftsspiele. Bei solch einem haben sie sich kennengelernt. Das ist über elf Jahre her. Gerade sind sie von ihren Flitterwochen zurückgekommen - drei Wochen Föhr, die Lieblingsinsel des Paares.

Ihre Liebe zur Insel haben sie auch in ihren Eheringen verewigen lassen. Legt man diese übereinander, so sind die Umrisse der Nordseeinsel zu erkennen.

Doch bis zu ihrem Jawort war es ein steiniger Weg. Blumenschmuck und Torte waren bestellt, Fotografen engagiert, Flitterwochen gebucht und auch das Kleid bereits ausgesucht, ebenso wie die Location. Doch dann kam Corona.

Wetterauer heiraten in Corona-Zeiten: "Es war erst mal überhaupt nicht klar, ob wir überhaupt heiraten können"

"Es war erst mal überhaupt nicht klar, ob wir überhaupt heiraten können", erzählt Uwe Wagner. Er und Marina wollten am 14. Mai standesamtlich in Nieder-Wöllstadt heiraten. Die kirchliche Trauung sollte zwei Tage später in Petterweil stattfinden.

Mit dem Ausbruch der Corona-Krise waren diese Pläne nicht mehr sicher. "Wir haben ständig telefoniert und Nachrichten geschaut", erzählt das Paar. Doch die Regelungen sind immer nur im Zwei-Wochen-Rhythmus beschlossen worden. Wochenlang habe es keine klaren Aussagen gegeben.

Der Fokus sollte auf der kirchlichen Trauung liegen. Beide sind sehr gläubig, sie ist zudem Diakonin. Die gesamte Planung sei daher auf die kirchliche Hochzeit ausgerichtet gewesen.

Doch dieser Wunsch zerbricht: Schon früh sei vonseiten der evangelischen Kirche klar gewesen, dass Gottesdienste und Hochzeiten unter Corona nicht möglich sind. Auch die geplanten Flitterwochen - fünf Wochen in Kanada - können nicht stattfinden. "Wir hätten gerne etwas Außergewöhnliches als Hochzeitsreise gemacht", sagt die 35-Jährige. "Es wäre unsere erste gemeinsame Auslandsreise gewesen", ergänzt Uwe Wagner.

Dann die nächste Nachricht: Die Landesregierung beschließt, dass der Einzelhandel schließen muss. Das Team des Brautstudios habe die 35-Jährige angerufen, und "ich habe unter Tränen mein Brautkleid abgeholt", erzählt sie. Änderungen seien noch keine gemacht worden.

Wetterauer heiraten in Corona-Zeiten: "Wir haben damit gerechnet, zu zweit in Jeans und T-Shirt zu heiraten"

Für das Paar sei klar gewesen, dass sie trotz der Corona-Situation standesamtlich heiraten möchten. Regelmäßig telefonierten sie mit der Standesbeamtin. Diese habe sehr offen mit dem Paar geredet.

Vier Wochen vor der kirchlichen Hochzeit habe das Paar ihre Hochzeit bei Familie und Freunden abgesagt. "Wir haben es nicht mehr ausgehalten", sagt Marina Wagner. "Wir haben damit gerechnet, zu zweit in Jeans und T-Shirt zu heiraten." Ohne Gäste. Sie habe eine Woche lang geheult und nichts mehr für die Hochzeit getan. "Ich war einfach unendlich traurig."

Besonders schlimm seien für die junge Frau Aussagen gewesen, wie "Ihr seid ja nicht die Einzigen". Das wollte die 35-Jährige nicht hören. "In dem Moment war es mir egal, dass es noch anderen so geht." Es sei um ihre Hochzeit gegangen.

Doch dann ein Lichtblick: Nicht mal eine Woche vor der geplanten Hochzeit habe die Standesbeamtin angerufen. Das Paar dürfe aufgrund der neuen Regelungen neun Gäste mit ins Standesamt nehmen.

Wetterauer heiraten in Corona-Zeiten: Anruf lässt Hoffnung aufkommen

Mit diesem Anruf sei wieder Hoffnung gekeimt. "Wir mussten hart selektieren, wer rein durfte", erzählt der 39-Jährige. Gemeinsam legten sie nun den Fokus auf die standesamtliche Trauung. "Ich war froh, dass ich noch ein anderes Kleid hatte, das nach Hochzeit aussah", erzählt Marina Wagner. Es folgten zahlreiche Telefonate mit Fotografen und Floristen. Alle seien dem Paar entgegengekommen, Änderungen kein Problem gewesen.

Am 14. Mai war es dann endlich so weit: Marina und Uwe Wagner geb. Böttcher haben sich in Nieder-Wöllstadt das Jawort gegeben.

"Man hat überall Corona gesehen", erzählt der 39-Jährige. Im Standesamt saßen die Gäste auf Abstand und trugen Schutzmasken. Zwischen Brautpaar und Standesbeamtin habe eine Plexiglasscheibe gestanden. Sie haben aber keine Masken tragen müssen. Dadurch sei das Thema Corona während der eigentlichen Trauung nicht in den Köpfen des Paares präsent gewesen.

Das Paar sagt, dass sie besonders dankbar über die Hilfe der Trauzeugen und der Brautmutter seien. Diese hätten unter anderem eine kleine Feier im heimischen Hof unter Corona-Maßnahmen organisiert: Desinfektionsspender am Eingang und eine eigene Tisch-Bank-Garnitur für jede Familie.

Die für das Paar wichtige kirchliche Trauung möchten sie in zwei Jahren nachholen - ebenfalls am 14. Mai. Organisiert sei auch schon alles. Marina und Uwe Wagner finden, dass sie eine schöne Hochzeit hatten, trotz Corona.

Wetterauer heiraten in Corona-Zeiten: Drei Fragen an Kerstin Kaldasch von KK-Brautmoden

Wie sehr wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Brautmodengeschäft aus?

Es ist traurig. Corona hat uns ziemlich gestoppt, in allem, was wir uns für das Jahr 2020 vorgenommen hatten, aber wir geben nicht auf und machen das Beste daraus. Geplant war eine große Neueröffnungsfeier am 4. April mit einem zweiten Studio in Altenstadt. Diese ist verschoben. Auch sind die Bräute weggeblieben und Termine wurden abgesagt. Viele haben ihre Hochzeiten auf 2021 verschoben. Wenn überhaupt jemand kommt, dann nur sehr kurzfristig. Die Bräute kaufen im Moment eher schlichte Kleider für standesamtliche Hochzeiten, da diese Kleider auch kurzfristig verfügbar sind. Aufwendigere Kleider haben ein halbes Jahr Vorlauf.

Erholt sich Ihr Geschäft mit den Corona-Lockerungen langsam wieder?

Wir haben großes Glück, dass wir uns auf große Größen (Curvy Brides) spezialisiert haben. Die Bräute kommen auch von weiter weg zu uns. Am Wochenende kam zum Beispiel ein Brautpaar aus Eisenach, die bereits im September heiraten.

Haben Sie eine Alternative entwickelt, um die Corona-Krise zu überstehen?

Man muss sich auf jeden Fall etwas einfallen lassen in der jetzigen Zeit. Wir haben Business-Anzüge für Herren mit ins Sortiment aufgenommen. Damit haben wir etwas für jedermann. Für 289 Euro gibt es einen kompletten zweiteiligen Maßanzug.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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