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Aus dem Auto heraus haben zwei Frauen am 7. Mai 2019 den Überfall auf die Tankstelle in Nieder-Wöllstadt verfolgt und die Polizei gerufen. Nun ist klar: Die beiden Räuber, die auf frischer Tat ertappt worden sind, müssen ins Gefängnis. (Archivfoto: pe)

19 und 24 Jahre alt

Nach Überfall auf Shell-Tankstelle: Haftstrafen für Räuber

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Ihre Drogenabhängigkeit ist ihnen zum Verhängnis geworden: Drei beziehungsweise zweieinhalb Jahre Haft lautet das Urteil für die beiden ertappten Tankstellenräuber.

Am 7. Mai betraten die 19 und 24 Jahre alten Angeklagten gegen 21.50 Uhr den Kassenraum der Shell-Tankstelle in Nieder-Wöllstadt. Vermummt, mit einer Spielzeugpistole und einem Messer bewaffnet, verlangten sie von der Kassiererin die Herausgabe von Geld und Zigaretten. Dabei hielt einer ihr die Pistole an den Kopf. "Ich träume heute noch davon und habe abends immer noch Angst, wenn ich alleine an der Tankstelle arbeiten muss", berichtete das Opfer vor dem Amtsgericht Friedberg. Einer der beiden sei recht aggressiv und bestimmend aufgetreten, während der andere eher zurückhaltend gewesen sei. Wer von den Angeklagte, die ihre Tat auch vor Gericht sofort einräumten, der Aggressive und wer der Zurückhaltende gewesen sei, könne sie im Nachhinein nicht mehr sagen.

Das hätte Staatsanwalt Mike Hahn aber gern gewusst, denn für ihn ging es bei der Strafzumessung genau um diesen Unterschied. Für den "Bösen" wollte er den Regelfall eines Raubüberfalls annehmen und eine längere Haftstrafe fordern. Beim vermeintlich "Guten" hingegen hätte er einen minderschweren Fall angenommen und auf eine geringere Strafe plädiert. Weil vor Gericht aber beide Angeklagten von sich behaupteten, der "nettere" Räuber gewesen zu sein, forderte der Staatsanwalt schließlich für beide die Verurteilungen nach dem Regelsatz des Paragraphen 250 Strafgesetzbuch.

Die Beweislage war erdrückend, da der Überfall von den Überwachungskameras in der Tankstelle aufgenommen worden war. Die Männer wurden außerdem auf frischer Tat ertappt: Zwei Frauen hatten den Überfall von der Straße aus - sie saßen im Auto - beobachtet und die Polizei gerufen.

Der psychiatrische Sachverständige Prof. Phillip Grant trug vor Gericht das Ergebnis seiner Untersuchung des jüngeren Angeklagten vor. Dieser war trotz seiner 19 Jahre offensichtlich der Anstifter zu dem Überfall und wahrscheinlich auch der "Böse" von beiden. Laut Sachverständigem hatte er eine schwere Jugend in Afghanistan gehabt und war 2015 im Zuge der Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen. Aus Langeweile und Frust sei er zu Drogen gekommen und habe, um sie finanzieren zu können, erst mit Diebstählen angefangen und sei später zu Überfällen übergegangen. Die Abhängigkeit sei inzwischen soweit, dass er dauernd Stimme höre und meine, Gottes Sohn zu sein. Der Sachverständige schlug vor, dem 19-Jährigen eine Entziehungskur aufzuerlegen und ihn anschließend eine Berufsausbildung machen zu lassen, ihn aber auf keinen Fall dem normalen Strafvollzug zu übergeben. "Dann nämlich wäre er verloren", vermutete der Sachverständige.

Der 24-Jährige, ein Flüchtling aus Pakistan, räumte ein, dass auch er Drogen genommen habe, allerdings nur gelegentlich, und an dem Überfall hätte er sich am liebsten gar nicht beteiligt. Er habe das nur getan, um dem anderen Angeklagten einen Gefallen zu tun, teilte er dem Gericht in seinem Schlusswort mit. Er entschuldige sich ausdrücklich bei der Tankstellenangestellten.

Opfer immer noch traumatisiert

Da die beiden bei dem Überfall auf die Nieder-Wöllstädter Tankstelle eine Pistole und ein Messer bei sich führten, lagen die Tatbestandsmerkmale eines schweren Raubes vor. Einen minderschweren Fall, den die Verteidiger für ihre Mandanten forderten und der zu einem milderen Strafrahmen geführt hätte, verneinte Staatsanwalt Hahn ebenso wie anschließend das Gericht. Das Opfer sei auch ein halbes Jahr nach der Tat noch traumatisiert, und deshalb müsse der Regelfall angenommen werden.

Der Staatsanwalt forderte für den älteren Angeklagten drei Haft und für den jüngeren zwei Jahre und sechs Monate in Verbindung mit einer Entziehungskur und zumindest den Anfang einer Berufsausbildung. Dem folgte das Gericht und ermahnte beide jungen Männer, endlich den richtigen Weg einzuschlagen, wenn sie dauerhaft eine zweite Chance haben wollten.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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