"Wahnsinnsfahrt": Raser ist Führerschein los

Wölfersheim/Friedberg (lk). Er hatte ein Blaulicht auf sein Auto montiert und war damit über die A 5, die A 45 und durch Reiskirchen gerast. Via Lichthupe drängte der 21-jährige Fahrer aus Wölfersheim andere Autofahrer an die Seite. Erst in Lindenstruth endete die rasante Fahrt. Nun saß der junge Mann auf der Anklagebank.

Richterin Franzke am Friedberger Amtsgericht verurteilte den jungen Blaulicht-Fahrer am Montag zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 45 Euro. Zudem ist der Wölfersheimer seinen Führerschein für acht Monate los.

Ende Januar war der Jüngling mit seinem VW gegen 20 Uhr auf der B 49 von der Autobahn bei Reiskirchen in Richtung Grünberg gerast. Auf dem Dach seines Wagens hatte er ein Magnet-Blaulicht installiert. An der Anschlussstelle der A 5 nahm er einem anderen Autofahrer die Vorfahrt, in Reiskirchen fuhr er über eine rote Ampel. Innerorts war er mit 70, außerhalb der Ortschaft mit 150 Stundenkilometern unterwegs. Andere Verkehrsteilnehmer drängte er mit Hupe und Lichthupe von der Fahrbahn, das berichtete ein 31-jähriger Polizist gestern dem Gericht.

Der Gesetzeshüter, der von dem "Möchtegern-Kojak" auf der Anschlussstelle zur B 49 ausgebremst worden war, hatte die Verfolgung des Wölfersheimers aufgenommen. Von seinem Privatwagen aus gab er das Kennzeichen des Rasers an die Zentrale durch, die bestätigte, dass es sich bei dem VW des 21-Jährigen nicht um ein Zivilfahrzeug der Polizei handelte. Erst am Friedhof in Lindenstruth endete die Fahrt.

Der Angeklagte, der bereits sechs Punkte in Flensburg hat, bestätigte die Vorwürfe der Anklageschrift weitgehend. Das Blaulicht habe er während der Fußball-Weltmeisterschaft öfter benutzt. Die Frage der Richterin, was ihn zu der Wahnsinnsfahrt bewegt habe, beantwortete der junge Mann mit: "Dummheit".

Kolja Riemenschneider von der Jugendgerichtshilfe sprach sich für die Anwendung von allgemeinem Strafrecht aus. Der Wölfersheimer sei zwar zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender gewesen, lebe allerdings verselbstständigt, habe eine ausgereifte Persönlichkeit und die Tat trage keine jugendtypischen Züge.

Er brauche den Führerschein für seinen Job, teilte der Angeklagte dem Gericht mit. "Dass das Auswirkungen auf Ihre Fahrerlaubnis hat, hätte Ihnen klar sein müssen, bevor Sie wie ein Sheriff über die Straßen rasen", antwortete die Richterin.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Referendar Paul Helduser, forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 45 Euro. Zudem sollte dem nicht vorbestraften Wölfersheimer für ein Jahr der Führerschein entzogen werden.

Richterin Franzke verurteilte den jungen Mann, der ohne Verteidiger gekommen war, schließlich zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 45 Euro. Zusätzlich wird dem 21-Jährigen die Fahrerlaubnis für acht Monate entzogen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare