Singberg: 110 Gymnasiasten sollen Oberstufe bekommen

Wölfersheim (en). Der Gymnasialzweig läuft so gut wie erwartet, nun denken Politiker und Schulleitung schon wieder einen Schritt weiter: Wenn der erste Jahrgang 2015 an die Tür der Oberstufe klopft, sollte die sich auch in Wölfersheim öffnen. Das Gemeindeparlament befürwortete ohne Gegenstimme die Erweiterung.

Die SPD hatte den Antrag eingebracht, den Gabriele von Bechtolsheim ausführlich begründete. 90 Absolventen des Gymnasialzweigs verließen ab 2015 jährlich die Singbergschule, wenn es bis dahin keine Oberstufe gebe, hinzu kämen rund 20 Schüler aus dem Realschulzweig. Das wiederhole sich 2016, im Jahr darauf könnten es sogar einige mehr sein.

Ihnen wolle man die Chance geben, ortsnah das Abitur anzugehen und nicht etwa auf die sowieso überfüllte "Burg" in Friedberg wechseln zu müssen. Man schade keiner Konkurrenzschule, der Platz sei vorhanden und die Gemeinde werde noch erheblich attraktiver für junge Familien.

Burkhard Käs (FWG) redete in der Debatte der Dezentralisierung das Wort, die Möglichkeit zum Abitur vor der Haustür könne mehr Abschlüsse zur Folge haben. Auch für Volker Sachs (NPD) sind die räumlichen und pädagogischen Voraussetzungen für die Oberstufe gegeben, als "gute Wölfersheimer" könne man nicht dagegen sein. Und Hermann Ulrich Pfeuffer (CDU) sah die Schule ebenfalls auf einem guten Weg, die Forderung nach der Oberstufe sei die logische Folge aus der qualitativ hochwertigen Arbeit, die hier geleistet werde.

Für die absolute Einstimmigkeit fehlte damit nur noch das Votum der Grünen. Deren Sprecher Michael Rückl sah die Oberstufe ebenfalls als "wünschenswert für Wölfersheim", aber dass das jenseits der Gemeindegrenzen auch so positiv gesehen werde, sei unwahrscheinlich. Schließlich stehe ein Schülerrückgang von 22 Prozent in den nächsten Jahren ins Haus, zuviel Schulraum werde vorhanden sein, Schulschließungen stünden an. Und auch am Singberg könnten sich die Schüler aus Dorheim und Bauernheim wegen der Beförderungskosten schnell wieder anders orientieren, auch das neue G9-Angebot in Butzbach könne die Schülerströme verändern. "Wenn jeder nur seinen Kirchturm sieht, wird’s schwierig im Kreis", warnte Rückl und appellierte zumindest an die Kreistagsmitglieder in Parlament und Gemeindevorstand, ihre Verantwortung für die ganze Wetterau im Hinterkopf zu behalten. Für die Grünen kündigte Rückl Stimmenthaltung an.

Bürgermeister Rouven Kötter und Fraktionschef Karl Ernst Pulkert (beide SPD) pflichteten ihm sogar bei: Das Wölfersheimer Begehren könne bei rückläufigen Schülerzahlen für Konflikte sorgen. Doch seien die Wölfersheimer geradezu in der Pflicht, "an ihren Kirchturm zu denken", meinte Kötter. Der anstehende Umbruch in der Schullandschaft werde Sieger und Verlierer haben – und angesichts der idealen Bedingungen am Singberg wolle man zu den Siegern gehören.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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