Diese Fotomontage soll den Wohnbachern verdeutlichen, welche Auswirkung die Windräder auf den Ort hätten. Norbert Bitzer und Winfried Gramatte haben sie auf die Vorderseite eines Flyers drucken lassen. 
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Diese Fotomontage soll den Wohnbachern verdeutlichen, welche Auswirkung die Windräder auf den Ort hätten. Norbert Bitzer und Winfried Gramatte haben sie auf die Vorderseite eines Flyers drucken lassen. (Repro: pv)

Gegner der Windräder in Wohnbach haben Einwände

Wölfersheim-Wohnbach (sda). Nein, Norbert Bitzer und Winfried Gramatte wollen nicht, dass vor Wohnbach Windräder stehen. Zumindest nicht so, wie sie von der Betreiberfirma NWind geplant sind. Deswegen haben sie einen Flyer mit zahlreichen Einwendungen formuliert. Welche darauf nicht erscheint, aber in Wohnbach Thema sei: die Spaltung der Gemeinde.

Vier Windräder in Wohnbach, am Rand des »Trichters«. Geht es nach der Firma NWind aus Hannover, wird es bald so sein. Nur: Geht es nach einigen Wohnbachern, soll das Regierungspräsidium Darmstadt den Bau verhindern. Um sich mit allen ihnen möglichen Mitteln gegen die Räder einzusetzen, haben sich rund zehn Wohnbacher zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen.

Norbert Bitzer und Winfried Gramatte sind zwei von ihnen. Sie leben in Wohnbach, haben einen Flyer mit Windrad-Montage-Foto angefertigt und sagen: »Wir sind gegen Windenergieanlagen an ungeeigneten Standorten.« Das Feld auf der Wohnbacher Seite der A 45 ist für Bitzer und Gramatte ein ungeeigneter Standort. Gründe dafür haben sie einige, aufgelistet sind diese auf dem Flyer, den sie im Ort verteilt haben. »Wohnbach unter den Windrädern« steht auf der Vorderseite. Und »Wollen wir das? Wenn nicht, dann bitte Einspruch bis 22.08.2016 (siehe Rückseite).«

Jene Rückseite ist als Einwendung verfasst. Diese hat den Zweck, beim Regierungspräsidium eingereicht zu werden und damit die Genehmigung für den Windradbau zu verhindern. Denn das Verfahren läuft nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Bis zu der Frist hat jeder Bürger die Möglichkeit, seine Einwände gegen den geplanten Bau der Firma NWind einzureichen. Diese müssen in dem Verfahren bearbeitet werden. Die Einwendungen reichen von Natur- über Kulturschutz, hier einige im Überblick:

Die Region sei windarm . Deswegen, heißt es auf dem Flyer, sei die Effektivität der geplanten Anlagen nicht gegeben. Bitzer belegt diese Aussage anhand des Ballonstartplatzes in der Nähe von Wohnbach: Zum Ballonfahren würden zum Starten und Landen »windstille Verhältnisse« benötigt. Zudem werde das Ballonunternehmen durch die Windräder in seiner Existenz bedroht. Auch zieht Bitzer ein Protokoll aus dem Jahr 2013 einer gemeinsamen Ausschusssitzung der Gemeinden Rockenberg und Wölfersheim zur Argumentation heran: Damals hieß es, die Ovag als auch die Mittelhessische Energiegenossenschaft schließen den Standort aus – unter anderem wegen zu geringer Windhöffigkeit.

Der Abstand sei zu gering – gemeint ist der Abstand zu den Wohnbacher Wohnhäusern, dem Aussiedlerhof und – extra aufgeführt – zum Kindergarten »Pusteblume« und dem geplanten Haus für intensivmedizinische Betreuung von Kindern. Der Mindestabstand zur Wohnbebauung muss ein Kilometer betragen (Ausnahme Aussiedlerhöfe). Dieser Abstand, in einem Fall seien es weniger als ein Kilometer, sei zu gering. Bitzer und Gramatte führen unter anderem Beeinträchtigungen durch Lärm und Schlagschatten auf. »Deswegen ist ein Mindestabstand vom zehnfachen Abstand der Windradhöhe erforderlich«, sagt Gramatte. Stünden die Windräder zwei Kilometer von dem Ort entfernt, könnten sich die zwei Wohnbacher damit arrangieren. Oder wenn sie nur 150 Meter hoch wären. »Aber 206,5 Meter – das erschlägt uns hier.« Durch den zu geringen Abstand werde zudem die Naherholung in der Gemeinde beeinträchtigt.

Der Blick auf die Burg Münzenberg als Kulturdenkmal werde »verschandelt«. Ein Kritikpunkt, der auch von Münzenberger Seite kommt. Dort hat sich die Bürgerinitiative »Gegenwind Wetterau« gegründet, die auf ihrer Homepage eine Fotomontage zeigt. Zu sehen ist dort die Münzenburg, rechts davon die Rotoren von vier Windrädern – jene, die in Wohnbach entstehen könnten. Kommentiert wird das Bild mit den Worten: »Das dürfen wir den Menschen, der Natur und der Burg Münzenberg nicht antun!«

Zu Erosionen und Schlammlawinen komme es häufig bei heftigem Regen. Schlamm von den Äckern fließe herunter in den Ort, Keller stünden unter Wasser. Durch die Windkraftanlagen und den dadurch erforderlichen Eingriff in den Boden sowie durch das von den Rotoren »abfließende Niederschlagswasser« käme es noch häufiger dazu.

Vogelschutz: Wie in dem Flyer aufgelistet und auch von der Münzenberger Naturschützerin Sabine Tinz betont, seien zahlreiche Arten durch die Windräder bedroht, unter anderem Rot- und Schwarzmilan, Weißstörche und Kraniche. Auch Fledermäuse seien gefährdet, wie die Zwergfledermaus oder der Große und Kleine Abendsegler.

Der Flyer schließt mit einer weißen Fläche, die Platz für Unterschriften bietet – damit jeder, der sich gegen die geplanten Anlagen ausspricht, seine Einwände an das Regierungspräsidium schicken kann.

Auch die Gemeinde ist gegen den Standort, u.a. weil die Windräder nicht auf gemeindeeigenen Flächen stünden. Bürgermeister Rouven Kötter kritisierte dazu, dass so nur einige wenige von den Anlagen profitierten, obwohl die Auswirkungen von vielen getragen werden müssten. Bitzer und Gramatte schließen sich dieser Kritik an. Denn stünden die Anlagen wie geplant auf vier Privatgrundstücken, »spaltet das die Gemeinde«.

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