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Tiefe Freundschaften entstehen

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Rosbach(sky). "Die Flüchtlingshilfe in Rosbach steht und fällt mit dem Ehrenamt", sagte Bürgermeister Steffen Maar kürzlich bei einem Grillnachmittag mit Flüchtlingen und deren Integrationshelfer auf dem Nieder-Rosbacher Teichgelände. Er freue sich, dass man sich im ganzen Stadtgebiet so geräuschlos, aber effektvoll um die neu Angekommenen kümmere. "Wir wissen, dass viel Freizeit und Engagement dahintersteckt und wollen unseren Dank durch diese Zusammenkunft zum Ausdruck bringen."

Am reichhaltigen Buffet, zubereitet von den Flüchtlingen und mit Köstlichkeiten aus fernen Ländern bestückt, durften sich an die 100 Gäste bedienen, etwa ein Drittel davon waren die Rosbacher Flüchtlingshelferinnen und Helfer. "Wir durften gar nicht mit anpacken, es wurde alles für uns gemacht", sagte Paulina Heiligenthal, die von Beginn an aktiv (nicht nur) an der Vermittlung von Deutschkenntnissen beteiligt war. Im Team um Erwin Tiegs, das teilweise an vier Vormittagen die Woche in den Räumen des Katholischen Pfarrzentrums St. Michael einen großen Kreis wissbegieriger Neuankömmlinge vom Analphabeten bis zum Kleinunternehmer an die deutsche Sprache und Kultur heranführte, war sie so etwas wie eine feste Größe.

Bedarf hat sich gewandelt

Tiefe Freundschaften sind entstanden, so dass es mittlerweile keinen Gruppenunterricht mehr gibt, sondern das Ziel der Integration auf privater Ebene erfolgreich weitergeführt werden kann. "Ich habe durch die Flüchtlinge in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung erfahren", ist sich Heiligenthal mit den anderen Gleichgesinnten einig.

"Der Bedarf an Unterstützung hat sich gewandelt", sagt auch Sabine Gabriel vom Helferteam. Sie bekam - stellvertretend für alle anderen Ehrenamtlichen - von Bürgermeister Maar ein Dankeschön in Form von Blumen. Mit im Boot sind auch Monika Hofmann, die sich um das regelmäßig stattfindende Internationale Café kümmert, sowie Karl-Heinz Dachs und seine Ehefrau, die sich von Anfang an als Flüchtlingspaten zur Verfügung gestellt hatten. Demnächst wird es weitere Zusammenkünfte wie den "Kulturentreff", gemeinsame Spielrunden oder Kochabende geben, an denen man in der Wasserburg landestypische Gerichte aus den Herkunftsländern der neuen Mitbürger zubereiten wird.

Die 15-jährige Behnaz kam vor vier Jahren mit ihren Eltern und der älteren Schwester von Afghanistan nach Deutschland und besucht nun die achte Schulklasse mit dem Ziel, das Abitur zu machen und zu studieren. Der Vater ist Journalist, die Mutter Erzieherin. Behnaz ist begeistert von der Gastfreundlichkeit der Rosbacher. "Herr Dachs kam auf uns zu und bot gleich seine Hilfe bei Behörden- oder Arztbesuchen an", sagt sie. Dass man hier in Freiheit und Sicherheit leben kann, dass auch Frauen ihre Rechte haben und sich kleiden dürfen, wie es ihnen gefällt, ist für sie neu. "Und die Hilfsbereitschaft hat uns alle sehr beeindruckt."

Doch wie bei vielen Ehrenämtern, ist auch hier die Schar der Helferinnen und Helfer übersichtlich. "Für uns ist jedes Zeitfenster und jede Unterstützung in den aufgezählten Bereichen denkbar. Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Mitmachen ist bei uns wirklich einfach. Sprechen Sie uns einfach an", appelliert Gabriel deshalb.

Wer Interesse hat, kann sich unter der E-Mail fluechtlingshilfe@rosbach-hessen.de melden oder Kontakt mit Hannah Dvorak von der städtischen Flüchtlingsbetreuung aufnehmen, Tel. 0 60 03/82 24 32.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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