Schaf "Jakob" ist jetzt um vier Kilo leichter

Rosbach v. d. H. (sky). Wo sich manch einer bei dem eher herbstlichen Wetter einen warmen Pullover herbeisehnt, freuten sich die beiden Schafe "Jakob" und "Mette" darüber, jetzt ihre kuschelige, rund vier Kilo schwere Wolle los zu werden. Ort des Geschehens war - wie schon in den vergangenen acht Jahren - der Platz vor der Adolf-Reichwein-Halle.

Nur wenige Minuten dauerte es, bis die beiden Schafe ihr zehn Zentimeter dickes Haarkleid los waren.

Heiner Schmolke, ehemals Deutscher und Europameister im Schafscheren, sandte einen prüfenden Blick in Richtung Himmel und vergewisserte sich, dass ihm der Wettergott gnädig gesonnen war. "Bei Regen wäre dieses Ereignis ins Wasser gefallen, denn nasse Schafe kann man nicht scheren", erklärte er. In Minutenschnelle gelang es ihm, aus den - bis dahin eher etwas kugelig aussehenden - Vierbeinern zwei ranke und schlanke Gestalten zu zaubern, die sich anschließend gelassen für einen Fototermin zur Verfügung stellten. "Meine beste Schurzeit pro Schaf liegt bei 41 Sekunden", hatte Schmolke im Vorfeld verlauten lassen.

Diesmal nahm Heiner Schmolke sich absichtlich etwas mehr Zeit, damit die meist jüngeren Zuschauer das Spektakel in voller Länge genießen konnten. "Unser Schur-Fix ist mittlerweile zu einer festen Institution auf dem Bauernmarkt geworden", meinte Marktmeister Norbert Schön, der zusammen mit seiner Ehefrau Christina für "Jakob" und "Mette" Sorge trägt. Im Sommer halten sie das wollige Paar auf einer Wiese in der Nähe ihres Bauernhofs, im Winter finden die beiden Schafe Unterschlupf in den Stallungen, wo sie neben Schweinen, Hasen, Hühnern und Rindern angenehme Temperaturen vorfinden.

"Manche Leute haben uns gefragt, ob "Jakob" und "Mette" nicht frieren, wenn sie so plötzlich ihrer Wolle entledigt werden", erzählte der Schafhalter. Er konnte beruhigen: "Die Tiere gewöhnen sich recht schnell an die neue Situation und benötigen während der kühlen Nächte nicht einmal die Hütte auf ihrer Wiese". Nur ganz selten würde das wetterfeste Pärchen das schützende Dach aufsuchen. "Meistens schlafen die beiden unter freiem Himmel."

Ein Jahr wird es dauern, bis "Jakob" und "Mette" sich nach diesem Kurzhaarschnitt erneut unter das Schermesser von Heiner Schmolke begeben. Etwa zehn Zentimeter dick wird ihr Haarkleid dann wieder sein und genügend Material für zwei edle Herrenanzüge liefern können. "Die Wolle wird nun gewaschen, getrocknet und gekämmt", verriet Norbert Schön. Anschließend wird sie zum Spinnen oder Filzen weitergereicht.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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