Prof. Alexander Demandt spricht bei FDP-Kolleg über Charismatiker

Rosbach v. d. H. (pm). "Vorsicht vor Charismatikern" war Thema des jüngsten FDP-Kollegs mit dem renommierten Althistoriker Prof. Alexander Demandt, der über 30 Jahre an der Freien Universität Berlin lehrte und häufig als Experte die ZDF-Dokumentationsserie "History" begleitet.

Unter der Leitung von Moderator Dr. Jörg Hille wurden besondere Fähigkeiten charismatischer Führer beschrieben und zugleich deren außerordentliche Karrieren, aber auch deren häufig tragische Niedergänge dargestellt. Zahlreiche Beispiele charismatischer Persönlichkeiten konnte Demandt mit den mehr als 60 Gästen lebhaft diskutieren.

Nach Demandts Definition bedeutet das griechische Wort "Charisma" in seiner ursprünglichen Bedeutung Anmut, Vergnügen oder auch Verwunderung. Die moderne Verwendung beziehe sich eher auf Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Militär oder Religion. "Historisch betrachtet kamen zunächst fast ausschließlich Männer als Beispiele für Charismatiker in Betracht. Die heilige Johanna bildete eine der Ausnahmen, aber nur, weil sie als Heerführerin eine typische Männerrolle verkörperte." Auch die heilige Elisabeth sei charismatisch gewesen, ihre Rolle jedoch von ihrem Beichtvater regelrecht "inszeniert" worden, und somit auch eher Ergebnis männlicher Bemühungen.

Hille merkte an, dass Max Weber bereits 1919 auf die Gefahren, die mit charismatischen Persönlichkeiten verbunden seien, hingewiesen habe. "Charismatiker waren in der Lage, große Menschenmassen in eine gehorchende Gefolgschaft zu verwandeln. So waren in der Geschichte Soldaten oft gerne bereit, für die von ihnen verehrten Herren in den Tod zu ziehen."

Demandt konnte mit vielen Beispielen aus der Geschichte aufzeigen, wie große Charismatiker wirkten. "Perikles galt als glaubwürdig, sodass er auch unpopuläre Dinge aussprechen und durchsetzen konnte, während Augustus zunächst noch vom Ruf Caesars lebte, dessen Adoptivsohn er war." Gemeinsam hätten Charismatiker, dass sie sich meist in Krisenzeiten bemerkbar machten, wenn das Volk "einen Retter" herbeisehne. In diesen Situationen hätten sie ihre machtvollen Rollen einnehmen können. Wer sich dagegen als Charismatiker etabliert habe, stehe in der Gefahr, zu "veralltäglichen". Daher hätten viele Charismatiker sich "religiös ummantelt". Daraus lässt sich laut Demandt letztlich die Anerkennung von Charismatikern auch aus dem Bedürfnis nach Führung in der Bevölkerung ableiten. Außerdem würden zahlreiche Beispiele belegen, dass Charismatiker auf die Inszenierung ihrer Rolle angewiesen seien, um Botschaften zu transportieren.

So habe bereits Caesar horrende Summen ausgegeben, um sich dem Volk zu präsentieren ("Brot und Spiele").

In der anschließenden Diskussion wurden weitere Beispiele aus Wirtschaft und Religion sowie allen Ebenen der Politik (bis hin zur Kommunalpolitik) beleuchtet. Dabei wurde auch die Rolle der Medien erörtert. Seien früher die Führer noch auf Mundpropaganda angewiesen, so hätten sie in der jüngeren Vergangenheit dank der Massenmedien viele Möglichkeiten, das Volk zu erreichen. Demandt machte den Gästen an Beispielen deutlich, dass der Ruhm von Charismatikern in der Geschichte auch stets einem sich selbst abnutzenden Prozess ausgesetzt sei. "Sind die Erwartungen an den Charismatiker aufgrund oft schwieriger Umstände sehr hoch, so konnte diese enorme Erwartung jedoch meist nicht auf Dauer erfüllt werden." Mit diesem Nichterfüllen der Erwartungen sei dann oft auch das Ansehen der Person gesunken - und viele Karrieren der Charismatiker hätten letztlich ein tragisches Ende gehabt.

Den ansprechenden musikalischen Rahmen gestaltete Kristina Schaum mit ihren beziehungsreichen Liedern zu den Grenadieren Napoleons, über Heinrich den Vogler sowie Gesangsstücken von Bach und Mozart, wie immer von Hausherr Volker Hoffmann am Flügel begleitet. Freuen konnte sich das FDP-Kolleg über Spenden der Gäste in Höhe von 240 Euro für ein Waisenhaus im westafrikanischen Burkina Faso.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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