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Der Landgasthof Grüner Baum hat geschlossen. Damit gibt es in Rosbach immer weniger Gaststätten.

Wieder eine weg

Rosbacher Traditionsgaststätte geschlossen

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Die Traditionsgaststätte Grüner Baum in Nieder-Rosbach ist geschlossen. Der Betreiber nennt gesundheitliche Gründe als Ursache. Damit ist die gastronomische Landschaft in Rosbach um einen weiteren Baustein geschrumpft.

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der Landgasthof Grüner Baum aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr öffnet" lautet die Ansage auf dem Anrufbeantworter der Traditionsgaststätte Grüner Baum im historischen Ortskern von Nieder-Rosbach. Über mehrere Generationen hinweg wurden auf dem einst bäuerlichen Anwesen Getränke ausgeschenkt, und zur Weihnachtszeit der über die Stadtgrenzen hinaus beliebte Gänsebraten zubereitet. 2007 übernahm Marco Wanke die noch immer in Familienbesitz befindliche Gaststätte.

Doch nun bleibt die Restaurantküche kalt, während es in der Gerüchteküche brodelt. Das Reklameschild eines Fertighausherstellers am hinteren Hoftor lässt vermuten, dass auf den einstigen Parkplätzen Wohnbauten entstehen könnten. Der Gastwirt war für eine Stellungnahme gegenüber der WZ nicht erreichbar, E-Mails kamen zurück.

Sieht man mal von den beiden Schnell-Restaurants und einigen Imbissbuden ab, lassen sich in Rosbach nur noch fünf Gasthäuser ausmachen. Zwei davon sind die beiden Bürgerhäuser in Rosbach und Rodheim, deren Wirte ihre Pacht an die Stadt bezahlen.

Bayernhauswirt: "Der Gastronomie werden zu viele Steine in den Weg gelegt."

"Grundsätzlich ist die Gastronomie ein Gewerbe, das in ganz Deutschland Existenzprobleme hat. Trotzdem geben wir in Rosbach nicht auf und nutzen jede Gelegenheit der Kontaktaufnahme mit möglichen Gastwirten", sagt Monika Jost vom Bereich Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung im Rosbacher Rathaus. Möglichkeiten für eine Unterstützung bei der Gastronomie-Ansiedlung im Stadtgebiet schätzt sie kritisch ein. Im Allgemeinen sei die Vorgehensweise so, dass sich interessierte Gastronomen selbstständig auf die Suche machen und sich nicht an Verbände wenden würden.

Bayernhauswirt Martin Liebscher in der Adolf-Reichwein-Halle.

Bayernhauswirt Martin Liebscher muss seit der Sanierung der Adolf-Reichwein-Halle vor einigen Jahren tiefer in die Tasche greifen. "Die Ausstattung der neuen Küche und das Mobiliar ging auf meine Kosten, außerdem wurde die Pacht erheblich angepasst", klagt er. Probleme bezüglich Fachpersonal, wie man sie im Fall des Grünen Baums vermutet, sieht er nur bedingt: "Ich habe seit zwölf Jahren eine zuverlässige Stamm-Mannschaft, damit steht und fällt alles." Dass die Bedienung im Restaurant aus verschiedenen Gründen immer mal wieder wechsele, sei normal. "Unser Kern-Team kann gut damit umgehen und hat keine Probleme, die Neuen einzuarbeiten", meint er.

Viel mehr Ärger bereitet ihm die Steuerbelastung: "Warum müssen wir Gastwirte 19 Prozent Steuern bezahlen, die Hotels aber nur sieben?" Das findet er ungerecht. "Der Gastronomie werden zu viele Steine in den Weg gelegt." Er glaubt, dass mit dem Wegsterben der Gasthäuser auch die städtische Kultur zu leiden hat. "Wenn eine Kerb nach der anderen verschwindet, weil kein Gastwirt mehr bereit oder in der Lage ist, den enormen Aufwand zu stemmen, dann ist da doch was faul."

Mehr Auflagen, weniger Personal

Ulrich Müller vom Rodheimer Dorfgemeinschaftshaus ist an vielen Punkten auf Liebschers Seite. Zwar hat sich sein Vertragsverhältnis zur Stadt nicht so gravierend verändert wie bei seinem Kollegen, doch auch für ihn ist es schwieriger geworden. "Seit der Eröffnung des Restaurants Grasgrün am Sportzentrum gehen viele Sportler nach dem Training gleich dorthin, anstatt wie früher bei mir einzukehren", sagt er.

Seine Kosten-Nutzen-Rechnung weise immer geringere Margen auf, der Zeitaufwand hingegen werde immer größer, die Hygiene-Auflagen immer mehr, das Fachpersonal weniger. "Die meiste Arbeit bleibt am Gastwirt hängen." Nachts müsse in der Großmarkthalle eingekauft und um Preise gefeilscht werden. "Wenn wir mehr bezahlen müssen, ist der Kunde in der Regel nicht bereit, sich daran zu beteiligen." Er könne es gut verstehen, wenn ein Wirt, den auch noch gesundheitliche Probleme plagen, das Handtuch werfe.

Im Rathaus weiß man, dass in Rosbach etwas geschehen muss. "Bei Neuansiedlungen sind sehr viele Genehmigungen einzuholen, zum Beispiel bezüglich der Parkplätze", sagt Monika Jost. Da stehe die Stadt mit Rat und Tat zur Seite, soweit sie Einfluss darauf hat. "Ältere Gasthäuser genießen in gewissem Rahmen Bestandsschutz, aber das ist von Fall zu Fall unterschiedlich." Aufgeben wolle man nicht, aber man wisse, dass Gastronomie nicht nur in Rosbach längst kein Zuckerschlecken mehr ist.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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