Wenn der Postbote klingelt, kann das der Beginn einer Betrugsmasche sein. Ungewollte Pakete und dafür verlangtes Geld sind Polizei und Verbraucherschutz bekannt. Verbraucherschützer Kai-Oliver Kruske stellt klar: "Wer ein Paket bekommt, das er nicht bestellt hat, muss es nicht bezahlen. Er darf es sogar behalten." FOTO: ARCHIV

UNGEWOLLTE PAKETE

Betrugsmasche mit nicht bestelltem Paket in Rosbach?

Die meisten freuen sich über Pakete. Aber was, wenn die Großmutter einem sagt, dass sie das Paket gar nicht bestellt hat? Hat sie es nur vergessen? Oder handelt es sich um eine Betrugsmasche?

Die Enkeltochter hat die WZ kontaktiert, weil sie vermutet, dass man ihre 81-jährige Großmutter aus Rosbach betrügen will. Ihre Oma habe ein Paket mit einer Musik-CD bekommen, die sie nicht bestellt habe. In dem Paket befinde sich eine Zahlungsaufforderung und eine mit den Daten der Großmutter ausgefüllte Überweisung.

Die Rosbacherin bestreitet, dass sie etwas bestellt hat und wird von ihrer Enkeltochter unterstützt: "Meine Oma hat das nicht bestellt." Sie findet es merkwürdig, dass die alte Frau eine Musik-CD bestellt haben soll: "Sie hat seit ihrer Schwerhörigkeit vor zwei Jahren nichts mehr bestellt, da sie die Musik eh nicht mehr hört."

Polizei rät, sich nicht unter Druck setzen zu lassen

Der vermeintliche Betrüger ist ein Musik-Versandhandel, der ältere Menschen als Zielgruppe hat. Er vertreibt seine Produkte über einen eigenen, thematisch passenden Fernsehsender, eine Webseite und Versandkataloge. Vor ihrer Schwerhörigkeit habe die 81-Jährige dort auch bestellt. Das sei aber Jahre her, sagt die Enkelin.

Solche Fälle seien der Polizei nicht unbekannt, erzählt die Pressesprecherin der Polizeidirektion Wetterau, Sylvia Frech. "Es kam in der Vergangenheit immer wieder zu Anfragen der Bürger, wie mit unerwünschten Paketsendungen umgegangen werden soll. Vereinzelt wurden auch Anzeigen erstattet." Die Polizei rate, sich nicht durch Zahlungsaufforderungen unter Druck setzen zu lassen.

Aus Angst zahlen viele die Rechnung

Auch die Verbraucherzentrale Hessen kennt solche Fälle, sagt Kai-Oliver Kruske, Referent für Verbraucherrecht. Der Name des fraglichen Versandhandels sage ihm allerdings nichts. Für die Angehörigen, aber auch für die Betroffenen selbst sei die Situation immer schwierig. Es herrsche oft Unsicherheit, ob das Paket nicht doch bestellt wurde. "Deswegen richten sich die Betrüger an Ältere. Weil man hofft, dass sich die Person nicht erinnern kann." Die Betroffenen würden dann oft Angst bekommen und zahlen. Wenn jemand sicher sei, das Paket nicht bestellt zu haben, rät der Verbraucherschützer, einfach nichts zu tun. "Wenn man nichts bestellt hat, entbehren die Rechnungen jeglicher Grundlage." Man dürfe das Paket dann sogar behalten. Wenn man unsicher sei, könne man vom Versandhandel einen Nachweis verlangen, dass die Bestellung gemacht worden sei. "Er muss nachweisen, dass ein Vertrag geschlossen wurde."

Aber diesen Weg solle man nur einschlagen, wenn man wirklich nicht sicher sei. Denn einem Betrüger gebe man am besten so wenige Informationen wie möglich über sich. Bereits eine Reaktion auf das Paket könne zu weiteren Betrugsversuchen führen.

Bizarrer roter Zettel im Briefkasten

Die Enkelin der Großmutter kann sich nicht vorstellen, wie ihre Oma das Paket bestellt haben soll: "Sie hat kein Fax, kein Internet und ruft seit ihrer Schwerhörigkeit nirgendwo mehr an, weil sie Angst hat, nicht verstanden zu werden." Besonders bizarr ist ein roter Zettel, den die Oma aufgehoben hat. Der sei ihr 2018 zusammen mit einem Versandkatalog des Musikhandels zugesandt worden. Mit dem Zettel werden Kunden unter Druck gesetzt, etwas zu bestellen und die Löschung des Kundenkontos angedroht. Seit diesem Katalog aus 2018 habe die Oma, soweit ihre Enkeltochter wisse, nichts mehr von der Firma gehört. Bis jetzt.

Der Versandhandel verweigert der WZ, unter Hinweis auf die Datenschutzbestimmungen, Informationen zum Fall der alten Dame. Sie empfehlen Kunden, vom Widerrufsrecht Gebrauch zu machen, wenn sie eine Bestellung nicht wollen.

Das haben auch die Enkelin und ihre Oma in diesem Fall getan. Für die Enkeltochter ist das aber Teil der Betrugsmasche. Sie geht davon aus, dass viele Ältere "die Widerrufsbestimmungen gar nicht verstehen oder in der Lage sind, diese fristgerecht durchzuführen und einfach die Rechnung bezahlen".

Kontakt zur Verbraucherzentrale

Wenn man selbst verunsichert ist und nicht weiß, was man in einem konkreten Fall machen soll, kann man sich von der Verbraucherzentrale Hessen beraten lassen. Die bietet ihren Service sowohl über das Telefon, wie auch über das Internet an.

Telefon: 09 00 / 1 97 20 10 (Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr; Kosten: 1,75 Euro pro Minute).

Internet: https://www.verbraucherzentrale-hessen.de

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