"Die Besucherzahlen sind erbärmlich"

Rosbach-Rodheim v.d.H. (sky). Drei Monate, nämlich von Anfang Juni bis Ende August, ist das Rodheimer Freibad jedes Jahr geöffnet. Seit Sommeranfang beginnen die Tage für die Schwimmmeister Holger Schaum und Bernd Bock allerdings mit einem kritischen Blick zum Himmel: Nur selten ist dort ein wenig Blau zu erkennen, geschweige denn ein Sonnenstrahl zu sehen.

Auf den Bänken neben dem Eingang hüllt sich eine Gruppe junger Wasserratten in wärmende Bademäntel und wartet darauf, mit ihrer vierten Lektion im Ferienschwimmkurs beginnen zu können. Zwei Wochen lang werden die Fünf- bis Sechsjährigen bei Bernd, wie sie ihn alle rufen, schwimmen lernen. Diesmal hat der Kurs gegenüber den Vorjahren eine Besonderheit: Die Kinder und ihr Lehrer haben rund 1000 Quadratmeter Wasseroberfläche fast ganz für sich allein. Nur eine Dauerkartenbesitzerin gesellt sich für eine halbe Stunde zu ihnen ins Becken.

"So geht das schon die ganze Zeit", klagt Schwimmmeister Holger Schaum. "Die Besucherzahlen sind mehr als erbärmlich", ergänzt sein Kollege. Für Marga Kurzweg aus Nieder-Rosbach, die seit ihrem Eintritt ins Rentenalter täglich ins Schwimmbad geht und das Rodheimer Bad seit ihrer Kindheit kennt, hat der ausbleibende Besucheransturm durchaus positive Seiten. "Ich komme mir vor, als hätte ich hier meinen ganz privaten Swimmingpool", sagt sie. Kälte oder Regen können sie nicht davon abhalten, ins kühle Nass einzutauchen. "Man muss nur ganz schnell ins Wasser gehen, dann gewöhnt man sich schnell an die Temperatur.

" Die 20 Grad Wassertemperatur, die das Thermometer heute anzeigt, empfindet sie nicht als unangenehm. "Heute habe ich mich anschließend sogar noch auf eine Bank gelegt und ein wenig ausgeruht", berichtet sie.

Dagmar Mulder-Koppehl hat gerade ihre sechsjährige Tochter Rebecca am Beckenrand abgeliefert. Dem Durchhaltevermögen ihres Nachwuchses, auch bei kaltem Wetter ins Wasser zu gehen, zollt sie Respekt. "Am Montag war das Wasser knapp 18 Grad kalt, aber alle hatten richtig Spa?, erzählt sie. Sie würde sich freuen, wenn das Rodheimer Freibad nicht erst ab Juni seine Pforten öffnen würde. "Ich meine, man müsste sich den geänderten klimatischen Bedingungen anpassen." Sinnvoller seien Öffnungszeiten von April bis September. Schwimmmeister Schaum erklärt, warum das nicht so einfach zu bewerkstelligen ist: "Bis die neue Saison eröffnet darf, muss ein langwieriges Genehmigungsverfahren durchlaufen werden." Zahlreiche Wasserproben müssten entnommen und kontrolliert werden, außerdem werde der Rest des Jahres benötigt, um das knapp 60 Jahre alte Bad auf Vordermann halten zu können. Zudem sei die Aufrechterhaltung des Badebetriebs eine teure Angelegenheit.

Viel Arbeit trotz weniger Gäste

Dass seine Badegäste sich in diesem Sommer eher zurückhaltend geben, heißt für Schaum und seinen Kollegen keinesfalls, dass sie auch weniger Arbeit haben. Es fallen lediglich andere Dinge an. Wird das Wasser zum Beispiel weniger bewegt, können sich die Algen viel schneller an den Ecken am Boden ausbreiten. "Dann tauche ich mit einer Bürste ab und schrubbe alles wieder sauber", berichtet Schwimmmeister Schaum. Bei Starkregen seien es die Beckenränder, die zu säubern seien. "Dann sammeln sich die Verbrennungsrückstände aus der Luft als schwarze Linie an den Kanten." Ist das Wetter schön und das Bad gut besucht, setzen sich hingegen die Rückstände von Sonnenöl ab. Hinzu kommen Insekten, Blätter und auch mal Vogeldreck, die regelmäßig zu beseitigen sind.

"Wir gehen mehrmals täglich ins Wasser und kontrollieren es", sagt Schaum. Er hofft, dass der Wettergott doch noch ein Einsehen hat. Eine junge Mutter, die gerade ihre Tochter vom Schwimmkurs abholt, prophezeit: "Ich wette darauf, dass der Sommer genau dann kommt, wenn die Schulferien zu Ende sind."

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare