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Rockenberger entwickelt eine Toilette ohne Wasser

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Trockentoilette_TheoPaul_4c © pv

Laut Bundesumweltministerium spült jeder Deutsche täglich 40 Liter Trinkwasser die Toilette herunter. Bei zunehmender Trockenheit wird das zum Problem. Der Rockenberger Theo Pauly arbeitet an einer Alternative.

Theo Pauly ist studierter Diplom-Ingenieur für Holztechnik. Erst arbeitete der Rockenberger fünf Jahre beim Bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management, dann als Umweltbeauftragter in einem Holzbetrieb und ab 2002 schließlich als selbstständiger Umwelt- und Energieexperte. Etwa 20 Jahre lang beschäftigte sich Pauly mit der energetischen und ökologischen Sanierung von Bestandsgebäuden. Nun ist er seit letztem Jahr Rentner, »aber weiterhin an den Themen: Umwelt, Energie, Trockentoilette dran«, wie der 65-Jährige selber sagt.

Der wenige Regen und die Hitze der letzten Jahre bereiten dem Energieexperten Sorgen. Sollte der Grundwasserspiegel weiter sinken, drohten erhebliche Konsequenzen. Theo Pauly fragt sich: »Stehen demnächst Dixi-Klos vor unseren Häusern, weil das Wasser zum Klospülen nicht reicht?«

Klimasicher mit dem Trockenklo

Der 65-Jährige hat eine andere Idee. Noch als selbstständiger Umwelt- und Energieberater entwickelt er eine Toilette, die ganz ohne Wasser auskommt, aber genauso komfortabel und hygienisch sein soll wie ein herkömmliches WC. Bei ihm zu Hause steht der patentierte Prototyp, der schon bald in Betrieb gehen soll. Unter dem Klodeckel verbirgt sich ein zweiteiliges System. Der vordere Teil ist für das »kleine Geschäft«. Der Urin wird durch ein Plastikrohr in einen Tank außerhalb des Gebäudes weitergeleitet. Der Auffangbehälter könnte aber auch im Keller stehen, sagt Pauly. Die Entsorgung des »großen Geschäfts« gestaltet sich ein wenig schwieriger. Im hinteren Teil des Klos kommt zunächst eine Papiertüte in eine Halterung. Das Papier ist kompostierbar und wasserabweisend. Nach dem Toilettengang werden die Hygienetüten mit Inhalt dann über ein Abluftsystem ebenfalls in einen Tank nach unten gesaugt. Die Lüftung ist es auch, die einer Geruchsbildung zuvorkommen soll. Bei der Entsorgung sei ein System wie bei der Müllabfuhr denkbar. Die Tanks könnten regelmäßig durch eine Firma abgepumpt werden, sagt Theo Pauly. In nächster Zeit muss sich der 65-Jährige allerdings noch selbst um den Abtransport kümmern. In der Testphase wird der Urin durch eine Schweizer Firma zu Dünger aufbereitet, Die Fäkalien werden hingegen in einer Fabrik in Brandenburg kompostiert.

Für Entwickler Theo Pauly liegen die großen Vorteile der Trockentoilette in der hohen Wassereinsparung und in der nachhaltigen Aufbereitung. Derzeit entsteht in der Kanalisation ein Klärschlamm aus Wasser, Körperausscheidungen und weiteren organischen und mineralischen Stoffen. Aber auch Schwermetalle, Arzneimittelrückstände und Kunststoffreste sind zu finden. Ein großer Teil des Klärschlamms wird in Fabriken verfeuert, trotz eines Wasseranteils von um die 75 Prozent. »Niemand würde so nasses Holz verbrennen«, sagt Pauly. Getrennt könnten die Flüssig- und Feststoffe hingegen mit weniger Energieaufwand zu Dünger oder Brandschutzmittel verarbeitet werden. »Ökologie rechnet sich und ist gut für uns alle«, sagt der Vater von zwei Söhnen. Er orientiert sich an dem Sinnspruch: »Alle sagten: ›Das geht nicht!‹ Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.«

Er spült seit den 80ern mit Regenwasser

Und Theo Pauly hat bereits Erfahrung im Wechsel auf ein neues Toilettensystem. Bereits in den 80er Jahren stellt er die häusliche Toilettenspülung auf Regenwasser um. Seine Familie konnte über die Jahre so circa drei Millionen Liter Trinkwasser einsparen, sagt der Rockenberger. »Früher hat das Regenwasser für die Toilettenspülung plus Gartenbewässerung ausgereicht.« Seit einigen Jahren und vermehrten Trockenperioden muss Theo Pauly gelegentlich mit Trinkwasser nachhelfen. Kein Zustand für den Umweltexperten. Die Zukunft liegt für ihn in der Trockentoilette.

Die Ovag-Wasserampel

Die Oberhessischen Versorgungsbetriebe haben 2021 eine Wasserampel eingeführt. Die zunehmende Trockenheit und Hitze in den Kommunen hätten diesen Schritt notwendig gemacht. Die Wasserampel informiert über die aktuelle und die zeitnah zu erwartende Trinkwasserverfügbarkeit. Ist der Grundwasserspiegel zu niedrig, sollen dementsprechend schnell Gegenmaßnahmen erfolgen. »Seit Einführung der Ovag-Wasserampel steht diese auf ›gelb‹«, berichtet Franz Poltrum, Abteilungsleiter Wasser der Oberhessischen Versorgungsbetriebe, auf Nachfrage dieser Zeitung. In dieser Stufe wird an die Bürger appelliert, die Gartenbewässerung zu reduzieren und keine Fahrzeuge oder Außenbereiche zu putzen.

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