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Tierheimleiterin Sylke Weith hofft, dass die Vermittlung bald wieder anläuft und dann auch ältere Tiere wie Hütehündin Emma ein neues Zuhause finden.

Tierschutz

Wetterauer Tierheim geschlossen: Zum Schutz von Mensch und Tier

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Seit zwei Wochen ist das Tierheim in Dorn-Assenheim geschlossen. Doch die Hunde und Katzen müssen weiter versorgt werden. Dafür haben die Mitarbeiter ihre Schichten umgestellt.

Beim Telefonat mit Tierheimleiterin Sylke Weith ist zwischendurch ein Hundebellen zu hören. Für die Tiere, die im Elisabethenhof in Dorn-Assenheim untergebracht sind, geht das Leben auch in Corona-Zeiten wie gewohnt weiter. Für die Menschen, die sich um sie kümmern, nicht.

Das Tierheim ist seit zwei Wochen geschlossen. "Das betrifft alle Tierheime, die der ›Bund gegen Missbrauch‹ in ganz Deutschland betreibt", sagt Weith. Die reguläre Vermittlung, zu der auch feste Öffnungszeiten gehören, sind eingestellt worden. Nur noch ganz vereinzelt werden Termine ausgemacht. "Wenn wir sicher sind, dass es zwischen Mensch und Tier passt."

Der Katzenraum ist leer: Dort kommt normalerweise der Kontakt zu interessierten Haltern zustande.

Die Tierheimleiterin will die Gefahr, sich den Virus ins Haus zu holen, so gering wie möglich halten. Zwölf Hunde, 38 Katzen und 25 Kleintiere - Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse - leben derzeit im Elisabethenhof. Und deren Versorgung muss auch in Krisenzeiten gewährleistet sein.

Wetterauer Tierheim geschlossen: Zwei Teams ohne direkten Kontakt

Aus diesem Grund arbeiten Weith und ihre Kollegen nun in zwei Teams, die keinerlei direkten Kontakt miteinander haben: Eins ist montags bis mittwochs dran, das andere donnerstags bis samstags; sonntags wird im Wechsel gearbeitet. "Falls in einem Team jemand erkrankt oder in Quarantäne muss, ist das andere Team noch da", erklärt Weith.

Acht Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, kümmern sich um die Tiere. Hilfe bekommen sie von Gassigängern: Das sind Ehrenamtliche, die sich im Tierheim engagieren. Auch hier lässt Weith Vorsicht walten: "In jedem Team sind zwei feste Gassigänger, also immer dieselben." Bei der Auswahl habe sie darauf geachtet, dass keine Risikopatienten dabei sind und keine Menschen, die Kontakt zu diesen haben. "Normalerweise ist unter den Gassigängern auch eine Frau, die im Seniorenheim arbeitet. Ihr habe ich abgesagt. Die Gefahr ist zu groß."

Die anfallende Arbeit sei auch mit der neuen Aufteilung in Teams gut zu schaffen. Die Vermittlung falle ja weg, wofür das Tierheim an vier Nachmittagen unter der Woche und außerdem samstags geöffnet war. Weith: "In diese Zeiten legen wir nun zum Beispiel die Reinigungsarbeiten."

Wetterauer Tierheim geschlossen: "Wir sind derzeit zum Glück nicht voll belegt"

Ganz abgebrochen ist der Kontakt zur Außenwelt aber nicht: Die Mitarbeiter bieten Tierfreunden weiterhin telefonische Beratung an. "Dabei können wir denen, die noch nie ein Tier gehalten haben, Tipps zur Vorbereitung geben, beziehungsweise klären, ob es überhaupt passen würde."

Darüber hinaus nehmen sie immer noch Notfälle an, allerdings nur nach vorheriger Terminabsprache. Momentan merke man keinen zahlenmäßigen Unterschied zu sonst. "Hier auf dem Land ist es einfacher: Viele haben einen Garten. Ein größeres Problem wird es in den Städten, vor allem den Großstädten sein."

Dass es bald zu eng im Tierheim werden könnte, glaubt Weith auch aus einem anderen Grund nicht: "Wir sind derzeit zum Glück nicht voll belegt." Im Schnitt beherbergt das Tierheim 20 bis 25 Hunde, 60 bis 80 Katzen und 40 bis 50 Kleintiere.

Obwohl es weniger Tiere sind als sonst: Für sie tut es Weith und ihren Mitarbeitern leid, dass sie derzeit nicht vermittelt werden können. "Wir haben viele, die es nötig haben." Im Vorjahr haben die Elisabethenhof-Mitarbeiter für 78 Hunde, 190 Katzen und 81 Kleintiere ein neues Zuhause gefunden. Dieses Jahr werden es vermutlich weniger sein.

Auch wenn das Tierheim derzeit geschlossen ist: Futterspenden werden nach telefonischer Vereinbarung gerne angenommen; Sachspenden wie Leinen oder Hundekörbchen allerdings nicht. Außerdem stehen Futterboxen in manchen Märkten, zum Beispiel bei Fressnapf in Friedberg.

Wetterauer Tierheim geschlossen: Sie suchen ein neues Zuhause

Sobald im Elisabethenhof wieder Tiere vermittelt werden, stehen Erna, Felix und Emma ganz oben auf der Dringlichkeitsliste, Tel. 0 60 35/96 11-0.

Erna - "Oma Erna" ist eine liebenswerte, verschmuste, etwa 14 Jahre alte Katze. Sie ist aufgrund einer Netzhautablösung wegen Bluthochdruck plötzlich erblindet und kann vermutlich noch leicht hell und dunkel unterscheiden; damit kommt sie aber gut zurecht. Derzeit wird Erna mit blutdrucksenkenden Medikamenten eingestellt, die sie gut nimmt. Sie hat bisher nur draußen gelebt, was nun nicht mehr möglich ist. Ein gesicherter Balkon wäre schön.

Felix - Der zehnjährige Schäferhund-Collie-Mix-Rüde mag es laut Vorbesitzer nicht, wenn er alleine bleiben muss. Felix ist sozialverträglich, mag Menschen, kommt mit wohlerzogenen Kindern aus und fährt gut mit im Auto. Weil er mehrfach unverschuldet sein Zuhause verloren hat, braucht er ein Heim, in dem er ankommen darf und sich auf seine Menschen verlassen kann. Felix ist lernwillig und sucht nach Menschen, die ihn anleiten. Der Rüde hat, trotz seines Alters, viel Kraft und Ausdauer; es sollte an der Leinenführigkeit gearbeitet werden.

Emma - Für die zehnjährige Hütehündin werden erfahrene Halter gesucht, die Emma ihrer Rasse entsprechend auslasten. Trotz ihres Alters ist sie sehr agil und möchte beschäftigt werden. Sie hat einen recht guten Grundgehorsam mit "Luft nach oben". Emma verträgt sich nicht mit anderen Hunden und zieht sehr bei Hundebegegnungen. Ihre neue Familie sollte in ländlicher Umgebung wohnen und ein Haus mit Garten haben. Ältere Kinder ab etwa zehn Jahren wären sicher kein Problem.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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