Reichelsheim: Bebauungsplan Ladestraße beschlossen

Reichelsheim (kai). Es ist vollbracht. Der Bebauungsplan für das Gelände Ladestraße/Bahnstraße wurde mit den Stimmen der SPD, CDU und FWG in der Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend in Blofeld beschlossen.

Die Grünen votierten dagegen. Vor der Abstimmung informierte Stadtplaner Christian Eichler über die Stellungnahmen von Behörden und Bürgern zum Plan. Die Aufgabe der Stadtverordneten sei, zu entscheiden, ob die Stellungnahmen aufgenommen werden oder nicht. Es gelte, öffentliche gegen private Interessen abzuwägen.

Relevant für den Bebauungsplan seien beispielsweise die Eingaben der Ovag, die vorschlug, den Verlauf der Kabeltrassen aufzunehmen, ebenso die Anregung des Kreisausschusses, der bat, Hinweise zu Altlasten und zur archäologischen Denkmalpflege aufzunehmen. Außerdem riet der Kreis, im Plan getroffene Festsetzungen zu den Öffnungszeiten des Einkaufsmarkts herauszunehmen.

Nicht relevant seien die Stellungnahmen der Grundstückseigentümer. Sie hätten sich weitgehend auf das Verfahren des Aufstellens des Plans bezogen. Tenor ihrer Eingaben: Ein Bebauungsplan sei nicht erwünscht. Sie hätten keinerlei Ideen eingebracht, wie das Areal entwickelt werden könne. "Mit dem Bebauungsplan geht es darum, eine städtebaulich geordnete Entwicklung voranzubringen und die Erscheinung des Ortsbilds an einer entscheidenden Stelle im Ortskern zu verbessern", erklärte Eichler.

Bewusst sei der Plan sehr offen gehalten, verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten vorgesehen. Wichtig sei, dass eine Verbesserung der Nahversorgung erreicht werde. Der Plan ermögliche eine geordnete innerörtliche Entwicklung, der Gesetzgeber schreibe vor, den Flächenverbrauch auf der grünen Wiese, auf fruchtbarem Ackerland einzudämmen, Ziel sei es, auf freies Gelände innerhalb der Stadtgrenzen zu bauen. Öffentliche Gründe sprächen für die Umsetzung des Bebauungsplans.

Zögen die Besitzer nicht mit, habe das lediglich zur Folge, dass der Teil des Bebauungsplans nicht realisiert werde. Im Plan seien die Grundstücke so zugeschnitten, dass sie zweckmäßig seien, dazu müssten die Besitzer die Flächen tauschen. Jetzt seien die Grundstücke zum Teil 6,5 Meter breit und 120 Meter lang. Wirtschaftlich wäre der Plan ein Vorteil für die Besitzer, argumentierte Eichler, "und städtebaulich sowieso".

Für die SPD-Fraktion signalisierte die stellvertretende Vorsitzende Dr. Wiltrud Risch-Laasch Zustimmung: "Was lange währt, wird endlich wahr, wir hoffen, dass es gut wird." Durch einen neuen Zuschnitt der Grundstücke sei es möglich, neben dem Lebensmittelmarkt Räume für Dienstleister und Wohnungen zu schaffen. "Der Bebauungsplan beinhaltet nicht die Umlegung der Grundstücke gegen den Willen der Eigentümer, wenn wir dies wollten, müssten wir einen Beschluss fassen, die SPD hofft weiter auf eine gütliche Einigung", erläuterte sie und ging auf die Länge des Verfahrens ein: "Das lag nicht an der Stadtverordnetenversammlung, die Stadt hat Kosten für ein Gelände übernommen, das ihr nicht gehört", erklärte sie. Einen Kritikpunkt hatte sie dennoch: "Dass die Baugenehmigung für den Markt schon erteilt ist, macht den heutigen Beschluss zur Farce."

Zustimmung gab’s von der CDU-Fraktion. "Jeder hat sich gewünscht, dass die marode Bebauung per Zauberstab verschwindet, viele Möglichkeiten wurden ausgelotet, was aus diesem Filetstück werden soll", sagte Fraktionschefin Karin Lauer. "Wir wünschen uns, dass dieser Bebauungsplan einen Aufschwung für Reichelsheim bedeutet." Sie hoffe auf ein Einlenken der Eigentümer. "Es muss eine Regelung geben, das ist das Beste für alle." Kritik am Bebauungsplan hagelte es von den Grünen. Schon lange vor dem jetzigen Plan habe es Visionen gegeben, erläuterte Fraktionssprecher Martin Welti. Er nannte ein Altenheim, bemängelte, dass die Stadt das Raiffeisengelände nicht gekauft hat. "Es wurde als Tiger gesprungen und nun landen wir als Bettvorleger im Nettomarkt", schimpfte er. "Wir tragen als Stadtverordnete Verantwortung, es geht um ein Gelände im Herzen unserer Stadt", sagte FWG-Fraktionschef Hans-Günter Scholz. Er hoffe, dass auch die Phase II des Plans realisiert werden könne, wenn die Eigentümer in fünf, zehn oder 15 Jahren dort bauen möchten, hätten sie Richtlinien, an die sie sich halten müssten. "Wir haben unsere Pflicht getan und haben jetzt den Bebauungsplan", gab sich Scholz zufrieden.

"In Reichelsheim tut sich jetzt was, gut, dass alle Fraktionen bis auf die Grünen der Entwicklung zustimmen", sagte Bürgermeister Bertin Bischofsberger. Zuversichtlich sei er, dass es mit den Grundstückseigentümern zu einer Einigung komme. Zwei der drei Besitzer hörten sich die Diskussion an. Sie hätten gern auf ihre Sicht der Dinge hingewiesen, was die Hessische Gemeindeordnung allerdings verbietet. "Wir können keine Ausnahme machen, sprechen Sie bitte anschließend mit dem Bürgermeister", riet Stadtverordnetenvorsteher Strebert.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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