Kabarett: Witzige Einblicke ins Reichelsheimer Leben

Reichelsheim (kai). Die "Mittendrin"-Frauen sprühen vor Ideen. Viel zu lachen haben sie bei ihren Treffen, immerhin sind sie schon seit drei Jahrzehnten eine eingeschworene Truppe. Zu einer humorvollen Reise durch Reichelsheim lockte ihr Kabarett am Samstag mehr als 150 Gästen ins Bürgerhaus.

"Jetzt geht’s los", versprach das Schild, das die Autorin Ulla Wagner in die Höhe hielt. Abgehetzt erschien als erste Irene Fleischhauer. "Ich konnte nicht früher kommen, der Dieter wollte nicht von der Gasse gehen." Dieter ist ihr Mann, ehemaliger Grünen-Politiker, der es vor einer Weile in die WZ schaffte, weil er auf einem Gartenstuhl sitzend, mitten auf die Florstädter Straße, für die Verkehrsberuhigung dort protestierte. Ehe sie das erklären konnte, trudelten die weiteren Akteurinnen ein. Zuerst die perfekteste Kabarettistin der Truppe: Susanne Scheibe, die erklärte, warum Hund und Herrchen sich mit den Jahren immer ähnlicher werden. "Nur gut, dass mein Mann noch nicht auf allen vieren geht."

Mit großem Getöse fuhren die Frauen im selbstgebauten "Verein-o-Mobil" vor. Nur eine fehlte noch. "Wo ist Karin?" Sicherlich sei sie beim "BB". "Wer ist denn das schon wieder?", fragte Inge Simon. "Na, das ist doch der, der bei unserem Sonntagsmarkt die Ulla zur Gerda gemacht hat." Das sollte nicht die einzige Spitze gegen Bürgermeister Bischofsberger (BB) bleiben.

Wegen der Dorn-Assenheimer Kerb, die er eröffnete, erlebte er den Humor der Damen nicht, wie seinerzeit, als die "Ab in die Mitte"-Bewertungskommission Reichelsheim besuchte und begeistert vom Konzept der "RomanTisch"-Lesungsreihe war. "Er hatte einen wichtigeren Termin mit dem Betschel-Pflügel, dem ›BF" ", erklärten die Frauen. "BF" ist der Chef von den Wetterauer Grünen, der bald Erster Kreisbeigeordneter werden will. Er war dabei, als sich die Reichelsheimer Grünen in der Pizzeria neu gründeten. "Da war ja auch der ›BB" da", stellten die Frauen fest. Überhaupt sei die Gründung kurios gewesen. "Da konnte ja nichts schief gehen bei der roten Wahlurne und einem schwarzen Berater."

Für den Besuch des Bürgermeisters "Beim Grillo" hatten sie eine eigene Idee: Um die Arbeit in der Verwaltung mit Rathaus I und Rathaus II zu verbessern, sei Bischofsberger auf der Suche nach einem Rathaus III gewesen und fündig geworden: Zukünftig würde die Pizzeria zum Rathaus III – bei kostenlosen Getränken und Pizzabrot werde dort das Bürgerbüro eingerichtet.

Die augenzwinkernden Blicke der Kabarett-Frauen spickte Susanne Scheibe mit komödiantischen Einlagen. Locker, flockig erzählte sie vom Kauf von neuen Matratzen – der Hinweis vom Verkäufer auf ausgefallenen Sex überzeugte. Ernüchtert berichtete sie: "Montags ausgefallen, dienstags ausgefallen."

Brauchten die schauspielernden Frauen Zeit zum Verschnaufen, war Ursula Enke mit Liedern, einer Stepp-Einlage und einem Duett mit Elsbieta Stamm zur Stelle. Nach jeder der zwei Pausen zog Enke singend mit den "Mittendrin"-Frauen zur Bühne, einmal begleitet von Gerd Wagner auf einem selbstgebauten Instrument: einer Gießkanne. Die Männer der agilen Frauen spielten ihre Rolle perfekt, sie schleppten die Pfläumchenrutsche, mit der sich die Gruppe am Christkindl-Markt beteiligt, herbei und stellten sich als willenlose Gefährten der Damen dar. Die sangen dazu: "Seht mal, wer da rennt".

Witzige Begebenheiten, wie die Übernachtung einer nicht ganz unkomplizierten Dichterin vor einer Lesung bei Lauer und ein Sprachkurs erst in Türkisch mit dem ehemaligen Stadtrat Jakar Gözuglu, dann auf Wetterauer Platt mit Margit Schmiegel und Hans Schmidt bot das abendfüllende, zeitweise etwas langatmige Programm. Manchmal hätten sich die Gäste etwas mehr Tempo gewünscht. Vielleicht wollten die Frauen einfach zu viel aus ihrem Umfeld unterbringen: Der elfjährige Dominique Bohler sang als Troll ein Lied über Rübezahl (Foto oben). Bäuerin Traudel Marloff karrte Zuckerrüben heran und weigerte sich, ihren Stall als Seniorenresidenz ausbauen zu lassen. Hans Richard Hitz schwebte als Engel über die Bühne, so wie vor zehn Jahren, als die Frauen einen lebendigen Adventskalender organisierten. Nikolaus Hartmut Rühl führte sein Gespann ins Bürgerhaus, Pfarrerin Amélie Sinapius durfte mit den Frauen singen.

Trotzdem: ein Abend, der die Lachmuskeln strapazierte und einen humorvollen Blick auf die Heimat gab. Verständlich, dass von den Frauen, als sich der Vorhang nach viel Applaus schloss, nur noch das Knallen der Sektkorken zu hören war.

Weiter geht’s am Sonntag, 4. September. Dann gibt es ein Menü, das TV-Koch Mikel Pedrana und sein Team extra für die Reichelsheimer kreieren, dazu lesen die "Mittendrin"-Frauen aus "Mord zwischen Messer und Gabel". Das Speisen kostet 30 Euro, los geht es um 12.30 Uhr im Bürgerhaus Reichelsheim. Karten bei "neun zieht an", Telefon 0 60 35/33 59.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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