"Bekenntnis zum Glauben ist sexy und gesund"

Reichelsheim–Dorn-Assenheim (kai). "Es ist ein Zeichen der Moderne, dass wir heute hier in dieser Kirche Gottesdienst feiern und an die Reformation denken", sagte Pfarrerin Amélie Sinapius.

Gemeinsam mit den Kirchenvorständen ihrer evangelischen Kirchengemeinden Reichelsheim mit Dorn-Assenheim und Heuchelheim hatte sie zu einem gemeinsamen Abendgottesdienst am Vorabend des Reformationsfests eingeladen – in die Dorn-Assenheimer katholische Kirche St. Maria Magdalena.

Mehr als 150 Gäste waren gekommen, um den Gottesdienst, den der Reichelsheimer Liederkranz mit zwei Beiträgen bereicherte, zu feiern und anschließend noch mehr als eine Stunde beim Imbiss zusammenzustehen.

Sinapius erinnerte daran, dass es Martin Luther vor 494 Jahren, als er seine 95 Thesen an die Kirche zu Wittenberg heftete, nicht darum gegangen sei, die Kirche zu spalten. Der Theologie-Professor habe seine Kritikpunkte an der Kirche mit Kollegen intern diskutieren wollen, die Kirchentür sei so zu verstehen gewesen wie ein schwarzes Brett.

Ganz im Gegensatz dazu stehe der Predigttext, der auffordere, nicht im Geheimen zu wirken, sondern öffentlich zu sein. Sinapius fragte, ob wir im Zweifel für den Glauben das Leben riskieren würden und antwortete selbst: "Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, wo der christliche Glauben vergleichsweise normal ist." Allerdings hätten die Christen eine Pflicht, öffentlich für ihren Glauben einzutreten. "Mit dabei ist immer die Angst, dass sich Menschen von einem abwenden, weil wir zu dem stehen, was wir denken." Sicher sei, Gott lasse die Menschen nicht fallen. Wäre sie Werbetexterin, würde sie sagen: "Sich zum Glauben zu bekennen, ist sexy. Andere mit seinen Überzeugungen platt zu reden, ist maximal nervig." Deshalb sei sich zu bekennen gesund. Es sei notwendig für die Menschen zu wissen, was ihnen wichtig ist, was ihnen Kraft gebe und sich darüber auch mit anderen austauschen zu können. "Glauben schafft Verbindung." Mit dem Lutherzitat: "Ich stehe hier und kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen", schloss Sinapius ihre Predigt.

Klar, dass sie mit diesen Worten und der Einladung zum Imbiss die Grundlage geschaffen hatte zu einer großen, herzlichen, ökumenischen Gesprächsrunde zwischen den Tischen der Bücherausstellung. "Vielen Dank, dass wir in ihren Räumen zu Gast sein dürfen", rief sie den Vertretern der katholischen Nachbargemeinde aus Dorn-Assenheim zu.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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