Tee mit Hollerblüten und Ingwer gegen Erkältung

Ortenberg (am). Die Frau ist gefragt. "Ab Februar ist jedes Wochenende etwas los", blickt Anja Seipel voraus und fügt schmunzelnd hinzu: "Mein Mann hat schon mal nachgefragt, wann er einen Termin bei mir bekommen könne." Stichwort für diese außerordentliche Nachfrage: Kräuter.

Zu diesem Thema hat die 44-Jährige einiges zu erzählen: Seminare, Workshops und Beratungen und natürlich ab Mai ihre monatlichen Führungen in Bad Salzhausen im Zusammenspiel mit der Kurverwaltung.

"Diese Führungen richte ich stets nach der Jahreszeit aus. Beispielsweise geht es um Kräuter für die Frühjahrkur, um die Bedeutung der Ernte am Johannistag oder im Herbst um Beeren und Früchte." Mit jenen Menschen, die mehr über Kräuter erfahren wollen, geht es dann durch den unteren Kurpark. "Wir laufen quer durch die Botanik, und ich zeige den Menschen die wilden Kräuter, die ich mir vorher schon mal angeschaut habe." Natürlich gibt sie bei diesen Frührungen auch das ein oder andere Schmankerl zum Besten. "Normalerweise aber", betont sie, "orientiere ich an der wissenschaftlichen Seite."

Immer größer werde das Interesse an Kräutern, hat Anja Seipel festgestellt. "Gerade wenn die Schulmedizin nicht mehr weißer weiß, erinnern sich viele Menschen der Wirkung von Kräutern." Eine andere Gruppe setze sich mit dem Thema "bewusste Ernährung" auseinander. "Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, wie viele Vitamine und Mineralien gerade Wildkräuter besitzen. Das ist voll im Trend."

Mit der Botanik hatte es Anja Seipel - geboren und noch heute wohnhaft im Ortenberger Stadtteil Lißberg - seit Kindesbeinen an. "Eigentlich wollte ich Biologie studieren, doch der Numerus clausus reichte damals nicht, ich musste auf die Warteliste." Also machte sie erst einmal eine Lehre zur Gärtnerin und Floristin ("mein Vater hätte mich lieber in einem Büro gesehen"), bis sie dann endlich in Frankfurt Agrarwissenschaften mit der Fachrichtung Umweltsicherung studieren konnte und mit Diplom abschloss.

Hernach nahm sie in Duisburg eine Stelle bei der Erwachsenenbildung an, schulte andere zum Gärtner und Floristen um. Doch bereits nach einem Jahr kehrte Anja Seipel nach Lißberg zurück - ihre Tochter kam zur Welt. Am Ende ihres Wissens- und Lerndurstes war sie jedoch nicht angelangt: Sie begann eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. "Kurz vor der Prüfung jedoch wurde ich krank."

Bereits während der Elternzeit hatte sie sich in Bayern zur zertifizierten Kräuterführerin ausbilden lassen. "In Bayern gibt es ein regelrechtes Netzwerk hierfür, das aktiv im Tourismus eingebunden ist." Daran schloss sie eine Ausbildung zur Heilpflanzenberaterin in Gießen an. Zusätzlich besuchte sie ein Seminar bei Eva Aschenbrenner in Kochl am See - sie ist so etwas wie eine Ikone der Kräuterszene. "Mit der Schulmedizin ging es bei meiner Krankheit nicht weiter. Doch ihre Tipps halfen mir."

Seit einem Jahr bietet Anja Seipel in Lißberg Heilpflanzenberatung an. Sie informiert dabei darüber, welche Pflanzen man bei bestimmten Beschwerden und Erkrankungen anwenden kann, auch über die Neben- und Wechselwirkungen. "Das vergessen ja viele, dass diese auch bei Pflanzen gegeben sein können." Für viele, räumt Anja Seipel ein, sei sie so etwas wie der letzte Strohhalm, gerade bei chronisch Kranken, wenn die Schulmedizin nicht mehr weiter wisse. "Natürlich ist für einige Menschen schlichtweg ein Gespräch hilfreich. Aber es geht mir letztlich immer um die Wirkstoffe der Pflanzen - weniger um die Mystik, die einige um Kräuter spinnen."

Daneben veranstaltet sie Workshops, bei dem die Teilnehmer schon mal Salben, Tinkturen und Duftsäckchen anfertigen, und die Seminare in ihrem Vogelsberger Kräuterhaus unweit des Hoherodskopfes.

Eine vielgefragte Frau also. So kommt sie nicht um Ratschläge für die kalte Jahreszeit herum, sowohl zur Prophylaxe wie für den Fall, dass eine Erkältung bereits an den Kräften zehrt: "Lindenblüten- und Holunderblütentee, Ingwertee, wenn man ihn verträgt, und schwarzen Johannisbeersaft." So einfach ist das.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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