Tag der Milch: Ministerin im Stall

Ober-Mörlen (hau). Seit der Internationale Tag der Milch 1958 ins Leben gerufen wurde, wird am 1. Juni überall auf der Welt gezeigt, welche Bedeutung die Milch und ihre Produkte für die Ernährung haben. Vor diesem Hintergrund besuchten gestern Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich und Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, den Milchviehbetrieb der Familie König in Ober-Mörlen.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste von dem luftigen Boxenlaufstall, den Walter König mit seinen Söhnen Markus und Jürgen vor drei Jahren an die alten Stallungen angebaut hat. Bereits 1985 hatten die Königs ihren Aussiedlerhof (einer der Römerhöfe am Ortsrand gen Butzbach) umgebaut. Seither hatten 40 Milchkühe Platz in dem Laufstall, der heute noch als Fressbereich dient. Der neue Stall ist auf 100 Tiere ausgelegt, das Potenzial mit derzeit 80 Milchkühen und der Nachzucht also noch nicht ausgeschöpft.

Dass sich die Tiere in dem gut durchlüfteten, ruhigen Stall frei bewegen können und jederzeit Zugang zu Wasser und Futter haben, fördere ihr Wohlbefinden und damit auch die Milchleistung, erläuterte Landwirtschaftsmeister Markus König gestern. Binnen fünf Jahren habe man die durchschnittliche Jahresleistung pro Kuh von 8819 auf 9160 Kilo steigern können. "Dazu tragen natürlich auch Zuchterfolge bei", ergänzte Jürgen König.

Vorgesehen ist jetzt ein automatisches Melksystem. Derzeit werden die Kühe noch zweimal täglich zum Melkstand gebracht, je zehn Kühe können hier gleichzeitig gemolken werden. "Wenn ich das allein mache, bin ich zwei Stunden beschäftigte", erklärte Markus König.

Ausgelegt ist der 132-Hektar-Familienbetrieb mit Milchviehhaltung und Mastbullenzucht, mit Ackerbau, Grünland und Baumstücken auf drei Vollarbeitskräfte, eine 80-Stunden-Woche ist da normal. "Wir machen das, weil wir Freude an der Landwirtschaft haben." Natürlich müsse man kalkulieren und viel Eigenleistung auch in die Modernisierung einbringen.

Große Sorge bereitet den Königs indes die akute Futterknappheit, ausgelöst durch die Trockenheit der letzten Wochen. "Wir haben beim Ministerium schon eine frühere Auszahlung der Betriebsprämien beantragt", berichtete Bauernverbandspräsident Schneider. Auch wünsche man sich eine Vereinfachung des Antragsverfahrens. Die Relation zwischen Futter- und Milchpreisen habe sich nicht so entwickelt wie gewünscht. "Rund 4000 hessische Milchviehbetriebe erzeugen mit ihren 150 000 Kühen etwa eine Milliarde Kilo Milch pro Jahr, das ist eine beachtliche Leistung unserer Bauernfamilien", unterstrich Schneider.

Sie produzierten nicht nur ein gesundes, hochwertiges Lebensmittel, sondern pflegten gleichzeitig die hessische Kulturlandschaft.

Ministerin Puttrich unterstrich die Bedeutung der Gespräche vor Ort. Sie dankte der Familie König, lobte den hohen Standard im Verbraucher- und Tierschutz und hob die besondere Bedeutung der Milch als gesundes Lebensmittel hervor. Flächendeckend solle eine "Hessische Milch- und Käsestraße" entstehen, um regionale Produkte besser bekannt zu machen und zu vermarkten. Bei einem frischen Schluck Milch klang der Besuch zum Weltmilchtag aus.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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