"Junge Riesen": Markante Bäume sollen vermehrt werden

Ober-Mörlen (hau). Mit einem gut besuchten Auftakt im Rittersaal des Schlosses startete das Projekt "Junge Riesen". Die Idee des Arbeitskreises Naturschutz (AKN) Langenhain-Ziegenberg, markante Baum-Riesen in der Wetterau durch Vermehrung für die Nachwelt zu erhalten, fiel auf fruchtbaren Boden. Der Plan ist, neben jeden "Riesen" einen Nachkommen zu pflanzen.

"Seit einem Jahr beschäftigt mich dieses Projekt, ich sehe unsere Heimat jetzt mit neuen Augen", berichtete zum Einstieg AKN-Vorsitzender Dr. Eric Meyer. Beispiele wie der Goethe-Erinnerungsbaum unterhalb des Ziegenberger Schlosses weckten nicht nur das Interesse am Baum selbst, sondern auch an den Geschehnissen jener Zeit, als der Dichterfürst dem damaligen Schlossherrn Wilhelm Christoph von Diede bei der Parkgestaltung zur Seite stand.

Dass derartige Baumriesen Ausdruck von Natur und Kultur sein könnten, unterstrich in seinem Referat auch Dr. Horst Koenies aus Kassel, der "Erfinder" der vor sechs Jahren in Nordhessen gestarteten Aktion "Junge Riesen". "Alte Bäume sind Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft", führte Koenies aus. Um sie für die nächsten Generationen zu erhalten, ihrer Magie einen Raum in der Kulturlandschaft zu sichern und die Natur vor Zersiedlung zu schützen, sei die Vermehrung ihres Erbgutes angeraten.

Dass die "Riesen" selbst nicht für Nachkommen sorgen, führte der Biologe und wissenschaftliche Mitarbeiter im Fachbereich Ökologie an der Uni Kassel darauf zurück, dass es im Wald zu dunkel sei, sich überdies ein Heer hungriger Waldtiere über die Früchte hermache oder im Feld mögliche Keimlinge untergepflügt würden. Die Vermehrung sei im Raum Kassel mit Hilfe einer Bioland-Baumschule über Samen und Stecklinge erfolgt. Bis die ersten Nachkommen ausgepflanzt werden konnten, habe es sechs Jahre gebraucht.

"Die Umsetzung in der Fläche war komplexer als gedacht", erzählte Koenies. Allerdings habe man von 430 Natur-Denkmälern auch je 50 Nachkommen produziert, um sie anschließend sowohl weit zu streuen als auch je einen Vertreter auf einer "Zeitinsel" von 24 Hektar zusammenzuführen. Inzwischen würden die "Jungen Riesen" vielerorts bei besonderen Anlässen wie Schulneubauten oder Jubiläen als besondere Attraktion gepflanzt. Mit der Aktion werde Geschichte nicht konserviert sondern weiterentwickelt. Überall werde Aufmerksamkeit erregt, Geschichtsbewusstsein geschärft und das Heimatgefühl gestärkt.

Auf einen derartigen Flächenbrand hofft man auch in Ober-Mörlen. In Kooperation mit der Naturschutzgruppe Ober-Mörlen hat der AKN Langenhain-Ziegenberg zahlreiche Solitärbäume ausgedeutet, wie Meyer und Robert Scheibel von der NSG anhand einer Lichtbilderschau ausführten.

Beispiele in Langenhain-Ziegenberg sind die Ulme am Hüttl-Teich, eine Kastanie an der nahe gelegenen Usabrücke, eine Blutbuche an der Usa neben der Tankstelle, eine 220 Jahre alte Colorado-Tanne unterhalb des Langenhainer Schlosses, das Hute-Eiche-Ensemble im Mühlenweg oder die Fünf Eichen im Pfahlgraben.

In Ober-Mörlen gehören dazu eine Winterlinde am Radweg nach Langenhain (2008 zum Naturdenkmal erklärt), die Dicke Buche am Buchenborn, ein großer Speierling und ein Birnbaum im Naturschutzgebiet, eine Stieleiche in der Fauerbach-Aue, die Nussbäume am Gelben Berg oder die Robinie an der Schlossmauer. Insgesamt gebe es an die 200 Baum-Denkmale in der Wetterau, die für das "Jahrhundertprojekt" in Betracht gezogen werden könnten.

Eine Arbeitsgruppe aus Experten und Interessierten wird derzeit eingerichtet. Infos gibt es bei den Naturschutzgruppen-Vorsitzenden Dr. Eric Meyer und Robert Scheibel.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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