Drei Jahre Haft: 50 Mal gepanschte Drogen verkauft

Ober-Mörlen/Langgöns (lk). Rund 50 Mal hat Giuseppe W. (Name geändert, die Red.) Kokain verkauft. Einer seiner Kunden brach nach dem Konsum der Droge zusammen, lag mehrere Monate auf der Intensivstation. Diagnose: Multiorganversagen. Das Kokain war mit einem Wurmkur-Mittel für Tiere gestreckt. Bei der Durchsuchung der Wohnung des in Langgöns lebenden W. wurde außerdem Heroin gefunden. Nun muss der 39-Jährige für drei Jahre ins Gefängnis.

Das Friedberger Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange sprach ihn am Dienstag des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln, der Körperverletzung und des Besitzes von Heroin schuldig.

Giuseppe W. äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Er habe seine Aussage bereits gemacht, sagte er. Richter Bange verlas sie. Demnach wollte der Italiener weder mit Drogenverkäufen in einer Ober-Mörler Pizzeria noch in seiner Wohnung in Langgöns oder vor einer Cocktailbar in Wetzlar etwas zu tun haben. Dass die Polizei Heroin bei ihm gefunden hatte, erklärte er damit, dass er die Droge für seine abhängige Freundin aufbewahrt habe. "Damit ich ihr es geben kann, wenn sie was braucht", ergänzte der Mann, der bereits 2002 wegen Kokainbesitzes verurteilt worden war.

Zeuge lag wochenlang auf Intensivstation

Der Kunde, der das verunreinigte Kokain konsumiert hatte, bestätigte im Zeugenstand, dass er im Zeitraum zwischen Juni 2008 und Juni 2009 an verschiedenen Orten mindestens 50 Mal rund ein bis zwei Gramm beim Angeklagten gekauft habe. An seinem Geburtstag im Sommer 2009 habe er dann fünf bis sieben Gramm gekauft. Nachdem er die Drogen zu sich genommen hatte, sei ihm schlecht geworden.

Er sei in eine Bäckerei in Ober-Mörlen gegangen, dort habe man seinen Zustand gesehen und die Polizei alarmiert. "Ich lag wochenlang auf der Intensivstation, war wie tot", sagte der 35-Jährige. Er habe mehrere Monate im Rollstuhl sitzen müssen, sei heute zu 80 Prozent behindert. "Ich schlafe nicht mehr, kann keine Treppen laufen, und arbeiten kann ich vergessen", betonte der Italiener, dessen Familie einst der Arbeitgeber des Angeklagten war.

Ein Bad Nauheimer, der an besagtem Abend mit den beiden Männern zusammen war, ließ durch seinen Anwalt mitteilen, dass der 35-Jährige mehrere Lines Kokain gezogen habe und dann "verrückt" geworden sei.

Ein Polizeibeamter bestätigte im Zeugenstand, dass bei der Untersuchung des Kokains ein Mittel zur Streckung gefunden worden sei. Sein Kollege erklärte, dass man bei der Wohnungsdurchsuchung nicht nur eine kleine Menge Heroin, sondern auch eine Feinwaage gefunden habe.

Staatsanwältin Zahrt forderte eine dreijährige Freiheitsstrafe, Verteidigerin Julia Meyer plädierte für eine mildere Strafe. Es stehe Aussage gegen Aussage, der Verkauf des Kokains sei nur durch den 35-Jährigen bestätigt worden. Ihr Mandant habe gestanden, Heroin besessen zu haben und sei auch nur dafür zu verurteilen. Richter Bange und die Schöffen schlossen sich der Auffassung der Staatsanwaltschaft an. Guiseppe W. muss für drei Jahre hinter Gitter.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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