Disko-Serie

Wild, wilder, Macabre

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Wildschweinkopf auf dem Schädel, Macabre-Flip in der Hand, frische Blumen auf den Tischen. Wer in den 1970ern ins Macabre nach Assenheim kam, wusste: Was zu erleben gibt's hier immer.

Wenn man ans Macabre denkt, kommt man einem Menschen nicht vorbei: Peter Susemihl. Er war nicht nur derjenige, der das Macabre in den 1970er Jahren eröffnet hat, sondern auch der, der es geprägt hat. Thomas Wächter, der damals als DJ im Macabre Platten auflegte, sagt, ein perfektes Beispiel für Susemihls Art war der Abend, an dem die "Troggs" nach Assenheim kamen: "Jeder kannte die Band, alleine wegen ›Love is all around‹, deshalb war die Hölle los. Jetzt waren die an dem Abend aber so grottenschlecht, dass die Stimmung fast gekippt wäre." Susemihl habe das blitzchnell erkannt und die Intiative ergriffen: "Ohne groß darüber nachzudenken hat er einfach mal einen spontanen Striptease eingelegt. Plötzlich haben wieder alle getanzt und gefeiert."

"Leute sauft, ich brauch’ Geld"

Besonders für seinen Humor sei die Legende bekannt gewesen. So hätte es ihm nie jemand krumm genommen wenn er Sprüche riss wie: "Leute sauft, ich brauch’ Geld." Oder: "Was seid ihr wieder alle so hässlich."

Groß war das Macabre in der Wirtsgasse 12 nicht, insgesamt vielleicht 160 bis 180 Quadratmeter. Aber dafür todschick: So hing zum Beispiel ein prunkvolles "Macabre"-Wappen über der Theke. Auch der ehemalige DJ Werner Ackermann erinnert sich gut daran: "Alles war total stylisch: Da standen Skulpturen, in den Toiletten war alles aus Marmor." Susemihl und seine Angestellten – Siggi, Sandy, Gisela, Stephan und Traudel – hätten immer viel Liebe in die Einrichtung gesteckt, weiß auch Wächter: "Jeden Freitag wurden auf alle Tische Vasen mit frischen Blumen gestellt."

Eintritt von 50 Pfennig

Die Gäste kamen aus der gesamten Region nach Assenheim, sagt Wächter: "Das Macabre war hier konkurrenzlos." Für einen Eintritt von 50 Pfennig war man dabei. So kam der Hessische Rundfunk in Suhsemils Reich, um ein Hörspiel zum Thema "Disco" aufzuzeichnen, und auf dem Höhepunkt der Disco-Welle kam sogar die "Bunte" nach Assenheim. "Da kamen Redakteure und haben die Gäste zur Disco-Welle interviewt. Anschließend gab es einen riesigen Bericht in der Bunten", erinnert sich Thomas Wächter.

Jedes Jahr veröffentlichte Peter Suseemihl ein Jahrbuch des Macabre-Clubs, Motto:: "Top-Tips und Klimbim". Mit einer Auflage von etwa 2500 Stück kündigte er Veranstaltungen an wie das Macabre Bierfest – "kostenloses Bier von 10 bis 22 Uhr" – oder den Lumpenball an Rosenmontag: "Freier Eintritt, Kostenlose Ausgabe von P. Susemihl’s Rennfahrer-Suppe", und statt Sperrstunde bis "derallerletztegegangenist".

Brüste, Klimbim, Transvestiten

Prüde durfte man nicht sein – weder an einem Abend im Macabre, noch beim Durchblättern der Jahrbücher. Frauen mit nackten Brüsten, "Petersfrivoles ABC", Transvestiten – all das war "Macabre".

Beim Jahreswechsel 1976/1977 war es mit der Unbeschwertheit vorbei: Bei der Silvesterparty im Macabre kam es zu einem Zwischenfall. So berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 3. Januar 1977: "Jahreswende 1976/77, 0.10 Uhr. Das Stimmungsbarometer im Assenheimer ›Macabre-Club‹ ist auf den Höhepunkt geklettert." Dann: "Plötzlich ein ohrenbetäubender Knall - eine riesige Explosion - ein wildes Durcheinander." Durch eine gewaltige Explosion, ausgelöst durch ein Feuerwerksgeschoss, das in eine offene Blechdose mit etwa 80 Pyroknallern fiel, wurde der Vorraum zum Innenhof fast völlig zerstört, 29 Personen wurden verletzt: "Die Discothek selbst ist völlig verqualmt, Hilfeschreie gellen von allen Seiten, blutende Menschen laufen in Panik davon, andere wälzen sich auf dem Boden."

Tödlicher Tauchunfall

DJ Thomas Wächter erfuhr durch einen Beitrag in der Tagesschau von der Tragödie. Schlimm sei das gewesen, aber: "Das Macabre hat sich zum Glück gut erholt." Noch einige Jahre wurde wild gefeiert, zu Bonnie Pointer, Barry White und Bruce Springsteen, mit Afro-Frisur, Schlaghosen und Lederjacken. Vielleicht wäre es noch viele Jahre so weiter gegangen, wenn es nicht zu einem tragischen Unfall gekommen wäre. "Peter kam bei einem Tauchunfall im Oktober 1987 ums Leben", sagt Wächter. Das Tauchen sei immer sein zweites großes Hobby gewesen. Und weil das Macabre ohne ihn kein Macabre gewesen wäre, war es mit seinem Tod zu Ende mit der wilden Zeit.

(Fotos: Gerd Laiacker/Werner Ackermann)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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