Pilze und Fledermäuse bekommen die Rübe voll

Niddatal-Assenheim (udo). Um zu zeigen, dass Naturschützer fröhlich, lustig und närrisch sein können, hatte die NABU-Umweltwerkstatt zu ihrem "Ersten nachhaltigen Umwelt-Kabarett" ins Alten Rathaus eingeladen.

Der Vorsitzende Frank Uwe Pfuhl begrüßte die Gäste mit Seitenhieben auf Guttenberg. Zitate versprach er ausdrücklich als solche zu kennzeichnen, auf dass es zu keinen Verdächtigungen, Rücktritten und Verhaftungen käme. Von Ghostwritern könne bei dem grundanständigen und völlig soliden Verein ohne freiherrlichen Hintergrund ohnehin keine Rede sein.

Die Programme der ortsansässigen Parteien für die Kommunalwahl gäben mangels Masse umweltpolitisch für die kabarettistische Reproduktion nichts her. Also setzte sich die Natur- und Kulturführerin Dr. Doris Jensch mit Anrufen bei der Umweltwerkstatt auseinander. Diese kreisten um Pilzbefälle bei Kakteen und Kindergeburtstage in Naturschutzgebieten.

Jörg Hirzmann schritt als "Karl aus Wölfersheim" ein und bat - treuherzig ein Hobby im Greisenalter suchend - um eine Fledermaus als ansprechbares Haustier. Als Quartier hatte er den Fernsehraum vorgesehen. Ein Exkurs über die jeweils individuellen Wege zum Naturschutz schloss sich an. Eindringlich wurde die "Nütz- und Niedlichkeit" der Zwergfledermaus gepriesen. Die behäbige "Wasser-Bat" konnte dabei von der fluktuierenden "Fluss-Bat" und diese wiederum von der aus Volksliedern bekannten "Feld-Bat" unterschieden werden.

Gewässerökologe Gottfried Lehr sang in heimischer Mundart von Dramen des Alltags, die sich zuerst nach der Explosion des Fernsehgeräts samt der sich unweigerlich einstellenden Orientierungslosigkeit eingestellt hätten. In einer satirische Nachrichtenschau erfuhr man, dass für Störche eine Migrations- und Familienbeauftragte eingerichtet werden soll. Wenig wohlklingende Fachbegriffe sollen durch adrettere ersetzt werden. Hundedreck sei künftig als Kulturerbe aufzufassen. Schön wäre das Leben ganz ohne Hundehinterlassenschaften, so sein Fazit.

Die Pause läutete Lehr mit seinem Lied über Minderheiten ein. Ein beherzter Dialog zwischen Iris Maurer und Doris Jensch entspann sich über Führungen und Rettungsaktionen. Berichtet wurde von einem Ornithologen, der eine Gleichgesinnte für Erlebnisse im Duft blühender Wiesen sucht. Naturnähe und Toleranz im ländlichen Raum eröffneten die erfreulichsten Perspektiven. Sogar Aussichten auf anheimelnde Regenwurmzuchtgemeinschaften bahnten sich an.

Eine Begegnung im Wald zeigte, dass sich Pilznamen gut beim Beschimpfen einsetzen lassen.

In einer Ballade verabschiedete sich Lehr vom Eisbären mit Scholle, denen es zu warm werde. Der Abgang der nordamerikanischen Streitkräfte beeinträchtige in verwickelter weise den Naturschutz in der Wetterau. Seitenblicke widmeten sich dem Begriff der Klimaneutralität in der Werbung für Produkte und Dienstleistungen.

Zum Teil recht dreist seien die Ausreden von Passanten, die unautorisiert angetroffen würden. Auch der Fleiß und die Einsatzbereitschaft von Bienen wurden als absolut vorbildlich herausgehoben.

Am Ende waren die zahlreichen Gäste froh, gekommen zu sein und applaudierten kräftig. Ob sich an ihrer Lebenseinstellung noch viel ändern wird, bleibt dahingestellt. (Fots: udo)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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