Neue Naturräume dank Flutrinnen und Rinderhaltung

Niddatal-Ilbenstadt (udo). Zu einer Exkursion durch die Auenlandschaft unterhalb von Ilbenstadt hatte der Geschichtsverein eingeladen. Als Referent konnte Frederik Werner gewonnen werden, dessen Familie nunmehr in der vierten Generation Ländereien an dem mit 117 Metern über dem Meeresspiegel niedrigsten Punkt Niddatals bewirtschaftet.

Werner hatte vor zwei Jahren an der Geschwister-Scholl-Schule eine hervorragend bewertete Hausarbeit zu den Renaturierungsmaßnahmen auf den Niederwiesen vorgelegt. Seine Ko-Referenten bei der Expedition waren seine früheren Lehrer dort, Thomas Lummitsch und Dieter Schäfer, die zugleich dem Geschichtsverein vorstehen, sowie Reinhard Schwarz.

Werner nannte zwei Kernelemente des Renaturierungsprojekts, das vor fünf Jahren von dem Gewässerökologen Gottfried Lehr aus Bad Vilbel in Angriff genommen worden war: Erstens die Wiederherstellung von Wiesenflächen aus zuvor umgebrochenem Ackerland, um auf ein Areal von 68 Hektar zu kommen. Und zweitens die Flutung des Geländes bei Nidda-Hochwasser durch ein System von Rinnen. Hinzu tritt laut Werner die naturnahe Rinderhaltung durch Sommerweide und Heumahd zur Winterhaltung. Dies halte die Landschaft offen. Getragen worden seien alle Rückbaumaßnahmen durch die Eigner der Flächen, das Land Hessen und die Stadt Niddatal. Deren Stadtrat Herbert Porth nahm an der Führung teil.

Wie Werner sagte, arbeite seine Familie bei der Galloway-Rinderhaltung sehr eng mit den Naturschutz-Stellen zusammen. Ihnen würden strenge Auflagen gemacht, Kunstdünger sowie Pestizide seien verboten und die Termine für den Weidetrieb und die Heumahd würden genau festgelegt. Ihre Vornamen erhielten die Rinder übrigens von Frederiks Mutter Annette Werner aus Kalbach, die ein umfangreiches Register angelegt habe, um Verwechslungen zu vermeiden.

Den Exkursionsteilnehmern wurde klar, dass die Auenlandschaft neben der Rinderbewirtschaftung durch eine Vielfalt an Lebensräumen geprägt wird, die auch durch die Landwirtschaft zu schützen sind. So werden drei Flachwasserteiche mit einem Rauminhalt von insgesamt 5000 Kubikmetern sowie acht Flutmulden mit einem Inhalt von gegen 1000 Kubikmetern wesentlich über ein Flutrinnensystem von der Nidda gespeist.

Alle vier Referenten machten deutlich, dass Kleingehölze, Solitärbäume und Altgrasstreifen das Angebot für eine vielfältige Tierwelt von Vögeln, Amphibien, Fischen und Faltern bereicherten. Während Frederiks Großvater die Expeditionsteilnehmer zu den Galloways führte, flogen Kiebitze durch die warme Sommerluft. In der Nähe betreute das Storchenpaar in seinem Nest zwei Jungtiere.

Die Besucher erfuhren, dass im Vorjahr hier 14 Kiebitzpaare gezählt wurden. Bereits fast ausgestorbene Feuchtgebietbewohner hätten im vergangenen Jahr zwischen Schilf und Binsen ihre Nester gebaut, so die Bekassine, die Wasserralle, das Tüpfelsumpfhuhn und die Rohrweihe. Da dieser Greifvogel am Boden brüte, sei für ihn zum Schutz vor Füchsen und anderen Nesträubern eine kleine künstliche Insel geschaffen worden.

Die Wanderer sahen Graugänse, die hier im Vorjahr nur im Durchzug anzutreffen waren. Weniger erfreulich erschien ihnen die Begegnung mit Nilgänsen und dem nordamerikanischen Nerz Mink. Nilgänse fallen durch ihr aggressives Verhalten auf und verdrängen kleinere Vögel von der Brut. Nordamerikanische Nerze bejagen alles vom Fisch bis zur erwachsenen Stockente.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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