1. Gießener Allgemeine
  2. Wetterau
  3. Niddatal

Emotionale Höhenflüge mit Modellfliegern in Kaichen

Erstellt:

Von: Jürgen W. Niehoff

Kommentare

sk_WZ_Schnupperfliegen_1_4c
Beim Schnuppertag des Modellbauvereins Kaichen stehen viele Vereinsmitglieder mit ihren Flugmodellen zum ersten Ausprobieren für Interessierte bereit. © Jürgen W. Niehoff

Holm- und Rippenbruch.« So lautet die Devise bei Modellbaufliegern. Trotzdem oder gerade deswegen geht vom Fliegen mit Modellbauflugzeugen eine große Faszination aus.

»Echte« Flugzeuge hatte der 1979 unter dem Namen Modellbaugruppe Kaichen e.V. gegründete Verein zwar auch bei seinem »Schnuppertag« am vergangenen Samstag nicht zu bieten, doch immerhin konnten sich Laien an diesem Tag Modellflugzeugen hautnah nähern und sie bei Interesse auch selbst steuern. »Natürlich nicht wirklich ganz alleine und auch nicht mit nur eigenen Händen, da steht schon ein erfahrener Fluglehrer mit einem Zweitsender daneben und überwacht solche Anfängerflüge vom Start bis zur Landung und kann oder muss auch oftmals eingreifen«, korrigiert Jonas Eschborn, der 1. Vorsitzende der Kaicher Modellfluggruppe. Nur so könne gefahrlos ausprobiert werden, ob Modellfliegen das richtige Hobby für einen ist.

Damit ein geordneter Flugbetrieb an so einem Schnuppertag garantiert ist, wurde die Zahl der am Modellbau-Interessierten schon im Vorhinein auf 15 Personen begrenzt.

Doch auch diese Zahl wurde nicht erreicht. »Das Problem ist die fehlende Beschilderung. Unseren Flugplatz findet ein Fremder einfach nicht«, weist Flugleiter Erik Felgner auf ein bisher immer noch ungelöstes Ärgernis hin. »Wir bekommen trotz mehrfacher Anfrage von der Gemeinde einfach keine Genehmigung zum Aufstellen von wenigstens zwei kleinen Hinweisschildern zum leichteren Auffinden unseres Clubgeländes mit dem Flugplatz«, ärgert sich der Vereinsvorsitzende. 100 Mitglieder zählt der Verein, davon etwa 65 Aktive. »Und es können sicherlich noch deutlich mehr werden, wenn der Zugang leichter wäre«, unterstreicht auch Felgner die Folgen bürokratischer Entscheidungen. Er ist sich sicher, dass sich sehr viel mehr Menschen für den Modellflug in ihrer Freizeit entscheiden würden, wenn sie Hilfe beim Wie und Wo erhalten würden. Denn die Vielfalt der Möglichkeiten übersteigt oftmals sogar den Überblick der »alten Hasen«.

Schließlich fliegt nicht jedes Fertigmodell so gut, wie es der bunte Karton verspricht. Hinzukommt, dass das Steuern eines Flugmodells trotz heutiger technischer Helfer eine komplexe Aufgabe bleibt, die erlernt werden muss. Der Selbstversuch hinterm Haus endet oft mit Bruch und Frust; nicht zuletzt mit einem mehr oder weniger hohen finanziellen Schaden. Deshalb der Tipp des Kaicher Flugleiters: »Suchen Sie einen Verein in Ihrer Nähe auf, am besten natürlich unsere Modellfluggruppe Kaichen, und lassen sich von erfahrenen Modellfliegern beraten und helfen.« Modell, Antrieb, Fernsteuerung, Zubehör und Werkzeug wollen sorgfältig und »zukunftssicher« ausgewählt werden. Und auch hier gilt der Spruch: Wer billig kauft, kauft zweimal. Weil aber Bruch immer mal wieder vorkommen kann, denn auch erfahrene Modellbauflieger können mit ihren Modellen gelegentlich in Böen geraten, die einen Absturz auslösen, hat der Verein einen eigenen Bastelraum in der ehemaligen Kaicher Schule angemietet. Dort können sich die Vereinsmitglieder treffen und an ihren Flugzeugen basteln.

Mit dem Schnuppertag wollte der Verein vor allem Jugendliche für das Hobby interessieren. »Denn die sind zurzeit bei uns etwas unterrepräsentiert«, zeigt sich der Vereinsvorsitzende Eschborn besorgt. Dabei ist der Modellflugzeugbau ein Hobby für jede Altersklasse und auch jede Gehaltsstufe. »Fertig montierte Modellflugzeuge gibt es schon unter 100 Euro. Nach oben hin ist keine Grenze.«

Eschborn wusste von einem Modell, das über 60 000 Euro gekostet haben soll. Ganz begeistert zeigten sich einige Vereinsmitglieder von dem Besuch einiger Modellbauer, die vor kurzem mit einem Eurofighter zu Besuch waren und auch Fallschirmspringen mit Miniaturfiguren vorgeführt haben. »Das war ein irrer Sound von dem Flieger«, war der kleine Markus auch Wochen danach noch beeindruckt. Auch solche Flüge sind auf dem kleinen Kaicher Flugplatz mit seinen rund 180 mal 110 Meter Größe möglich. Denn auf ihm können Flugmodelle mit einem Abfluggewicht bis zu 25 Kilogramm starten. Unabhängig von Wind und Wetter. Ein normales Modellflugzeug wiegt 1,5 bis drei Kilo. Eschborn und Felgner hoffen nun, dass der Schnuppertag noch weitere Interessierte neugierig gemacht hat.

_3aLOKFBN9-B_114819_4c
Der Vereinsvorsitzende Jonas Eschborn (l.) und Flugleiter Erik Felgner betanken ein Flugzeug. © Jürgen W. Niehoff

Auch interessant

Kommentare