140-Tage-Tour von Sevilla nach Berlin

Niddatal-Ilbenstadt (udo). Die Erfahrungen, die Extremwanderer Folke Ludewig auf seinem Weg von Sevilla nach Berlin in der Wetterau machte, waren zunächst nicht sehr erfreulich. Schließlich hatte er sich verlaufen.

Der 54-Jährige war am 7. Februar in Spanien gestartet. Nach 5000 Kilometern durch Europa will er pünktlich zur Eröffnung der Frauenfußball-WM in der Hauptstadt eintreffen.

In Lich brach Ludewig am frühen Morgen auf, erwarb noch Erdbeeren, Zartbitterschokolade und mehrere Joghurtpackungen, und zog dann los. Auf seinem Weg nach Weckesheim, der ihn bei Florstadt auf den Niddaradweg bringen sollte, geriet er ins Abseits. Plötzlich stand der Wanderer nämlich in der Nähe von Melbach auf der B 455 - und dort war der Verkehr grauenhaft. Der gebürtige Hannoversch-Mündener machte aber das Beste aus der Sache und zog weiter gen Friedberg. Aber auch hier ging fast alles schief, denn statt an den neuen Windrädern vorbei nach Wöllstadt zu ziehen, fand sich Ludewig unversehens zwischen Autos auf der B 275 bei Fauerbach wieder, dann auf der stark frequentierten Straße nach Bruchenbrücken und schließlich hinterm Ilbenstädter Chausseehaus sogar auf der B 45.

Beim vereinbarten Termin am Freitagnachmittag an der Niddabrücke bei Ilbenstadt ist Folke Ludewig mit seinem Karren und der orangeroten Schutzkleidung schon von Weitem deutlich zu erkennen. An der neuen Radgwegunterführung sucht er sich eine windgeschützte Stelle, freut sich darüber, dass er endlich eine ruhigere Gegend erreicht hat, und verzehrt Erdbeeren mit Schokolade.

Bis zum Abend will er noch bis Gronau die Nidda entlang und die Nidder aufwärts nach Niederdorfelden ziehen, wo er in früheren Jahren in der Landwirtschaft gearbeitet habe. Über die Hohe Straße seien dann der Mainradweg sowie die Fränkische und die Sächsische Saale einfach zu erreichen. In Niederdorfelden will Ludewig einen Ruhetag einlegen, da er bislang jeden Tag unterwegs gewesen sei. Von allen hessischen Orten habe ihm bis jetzt Marburg am besten gefallen, wo er einen dreiviertel Tag pausierte.

Folke Ludewig war am 7. Februar in Sevilla aufgebrochen, um im Winter noch im warmen Spanien on tour sein zu können. Stationen waren Südspanien, Portugal, Nordspanien, Galizien, die Pyrenäen, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Papenburg, das Weser-Ems-Gebiet und der Edersee. Die Reise findet mit freundlicher Unterstützung des DFB statt. Da Ludewig, der in Bad Sooden Allendorf lebt, pünktlich zum WM-Eröffnungsspiel am 26. Juni in Berlin sein will, hat er "Pufferzeit" eingebaut und ist einige Umwege gelaufen. Denn er konnte ja nicht wissen, dass er - von Nordspanien und Portugal abgesehen - so großes Glück mit dem Wetter haben würde.

Auf Bauernhöfen oder im Freien übernachtet

Dass der Extremsportler auf den Tag genau einen Monat vor dem Zieleinlauf Ilbenstadt streifen würde, war daher kein besonders kluger Schachzug, sondern reiner Zufall. Bis zur Weser marschierte der Athlet stramm durch, seither lasse er sich mehr Zeit, sagt er. Der Freiberufler, der im Dienstleistungsgewerbe tätig ist, hat bereits fünf große Märsche mit zusammen 18 000 Kilometern absolviert. Der neue Walk soll weitere 5000 Kilometer bringen. Ludewig hat bislang hauptsächlich auf Bauernhöfen übernachtet, auch im Freien oder in Fabriken.

Seine Erfahrungen, wenn er nach unkonventionellen Herbergen fragte, waren meistens positiv. Das Leben des 54-Jährigen steht nach dessen Worten unter dem einleuchtenden Motto: "Sport, Freizeit, Abenteuer." In Ilbenstadt hat Ludewig den größten Teil des 109. Tour-Tages hinter sich. Bis Niederdorfelden sind es nur noch 16 Kilometer. Alles in allem soll die Wanderung 140 Tage dauern. Ludewig hat gerade den 17. Fotofilm mit jeweils 36 Aufnahmen angebrochen, und es fällt ihm leicht, die vielen Erfahrungen der Reise zu sortieren und zuzuordnen, zumal er ein Tagebuch verfasst.

In Frankreich sei sein Trip wegen des dortigen Interesses am Fußballsport auf große Resonanz gestoßen, berichtet er. Auf der Iberischen Halbinsel reichten seine "paar Brocken Spanisch für das Wichtigste".

Beim Betrachten der Verkehrsmassen auf der Niddabrücke ist Ludewig froh, dass er "seit zwei Jahren nicht mehr mit dem Auto unterwegs ist".

Quelle: Wetterauer Zeitung

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