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Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen.

Zweijähriges Mädchen auf Straße ausgesetzt

Nidda/Gießen (kan). Weil er das Kind seiner Lebensgefährtin auf der Straße hatte stehen lassen, ist ein 34-Jähriger aus Offenbach vor einem knappen Jahr zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Dagegen hatte er Berufung eingelegt, zog diese jedoch am Montag in der Verhandlung vor der Dritten Kleinen Strafkammer des Gießener Landgerichts zurück.

Richter Dr. Johannes Nink hatte sich "ein von Reue geprägtes Geständnis" gewünscht. Das hätte eventuell eine Strafminderung nach sich ziehen können. Doch der 34-Jährige blieb wie in erster Instanz dabei, dass er im März 2009 das damals zweieinhalbjährige Kind nach Nidda gebracht hatte, um es an seinen vermeintlichen Vater zu übergeben. Angeblich wegen eines Vaterschafttestes. Schon in der Verhandlung vor dem Amtsgericht entstand aber der Eindruck, dass das Paar die Zweijährige loswerden wollte.

Die Mutter des damals amtlichen Kindsvaters öffnete die Tür, wollte das kleine Mädchen aber nicht annehmen. Trotzdem ließ es der Angeklagte bei ihr. Als er gegangen sei, habe es noch bei der Frau gestanden, erzählte er dem Gericht. "Ich habe es bei ihr zurückgelassen und bin gegangen." Die Taschen mit Kleidung, Spielzeug und Windeln ließ er auf dem Hof stehen. "Das sieht aus wie eine endgültige Übergabe", bemerkte der Richter. Ein Nachbar fand die Zweijährige später alleine im Dunkeln vor dem Haus, bei kalten acht Grad und in der Nähe einer vielbefahrenen Straße.

Vor dem Amtsgericht waren auch die Großmutter, der Mann, dessen Vaterschaft inzwischen ausgeschlossen wurde, und die Mutter des Kindes angeklagt. Sie hatte während der Übergabe im Auto gewartet. Alle drei sind damals freigesprochen worden. "Sie hätten auch auf die Anklagebank gehört", sagte Nink.

Dass der 34-Jährige seine Berufung zurückzog, begrüßte der Richter. Während die anderen die Schuld von sich gewiesen hätten, habe "er es auf sich genommen. Das ist ehrenvoll." Damit bleibt es für ihn jetzt bei dem einem Jahr Bewährungsstrafe, die das Amtsgericht Nidda im August 2010 verhängt hatte. Das heute vier Jahre alte Mädchen lebt jetzt bei einer Pflegefamilie, wo es der Angeklagte und die Mutter regelmäßig besuchen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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