Pfleiderer-Werk ab sofort geschlossen

Nidda (chh). Der Pfleiderer-Konzern hat seine Ankündigung in die Tat umgesetzt: Nachdem das Unternehmen im November mitgeteilt hatte, das MDF-Werk (mitteldichte Faserplatten) in Nidda bis Ende Juni schließen zu wollen, sind die Tore ab Donnerstag geschlossen.

Der Betriebsrat kritisiert die Vorgehensweise der Geschäftsführung, der Konzern verhandelt derzeit mit Kaufinteressenten.

"In einer Pressemitteilung des Unternehmens wird der Eindruck erweckt, dass Verhandlungen mit den Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsvertretern bereits geführt worden sein. Das ist aber nicht der Fall", ärgert sich der Betriebsratsvorsitzende Albrecht Fahlteich. Bisher habe es keine Gespräche über Interessensausgleiche oder Sozialpläne gegeben. Und das, obwohl die Schließung seit über sieben Monate feststehe. "Wir sind sehr verärgert und enttäuscht", sagte Fahlteich, der gestern bei der Gesamtbetriebsratssitzung in Neumarkt (Oberpfalz) war.

Am Montag war den zuletzt noch 140 Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung mitgeteilt worden, dass das Werk am Donnerstag geschlossen wird. "Wir haben Fragen zu unserer Zukunft gestellt, die wurden jedoch nicht beantwortet", erklärt der Betriebsratsvorsitzende, der darin eine "absolute Missachtung unserer Interessen" sieht.

Ohnehin könne er die Entscheidung, das Werk in Nidda zu schließen, nicht nachvollziehen. "Die Produktion soll im brandenburgischen Baruth fortgesetzt werden. Dafür will der Konzern vier Millionen Euro in den neuen Standort investieren. Man schließt kein Werk, bevor man in das andere investiert hat."

In den nächsten Wochen habe die Aushandlung von Interessensausgleichen und Sozialplänen Priorität. "Unsere Aufgabe ist jetzt, das Beste für die Belegschaft rauszuholen. Die Mitarbeiter haben teilweise 30, 40 Jahre die Knochen für Pfleiderer (und vorher Hornitex, Anm. d. Red.) hingehalten." Auch in die Verhandlung mit potenziellen Investoren müsse der Betriebsrat eingebunden werden. Laut Pressemittelung führt der Pfleiderer-Konzern derzeit Gespräche mit Kaufinteressenten. "Es sind wohl zwei stark interessierte Investoren dabei. Einen Abschluss gibt es aber noch nicht", erklärte Fahlteich. Es sei wichtig, dass möglichst viele Mitarbeiter übernommen werden.

So sieht es auch Bürgermeister Hans-Peter Seum: "Ich habe die Hoffnung, dass ein Käufer gefunden wird, der viele Arbeiter übernimmt." Nach dem angekündigten Aus für das Niddaer Amtsgericht sei die Schließung des Pfleiderer-Werks ein weiterer "herber Schlag" für die Stadt.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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