Hohe Haftstrafe statt hoher Rendite

  • VonJürgen W. Niehoff
    schließen

Für sieben Jahre und sechs Monate wird ein ehemaliger Banker aus Nidda wieder hinter schwedischen Gardinen verschwinden müssen. Das Gießener Landgericht sah es nach drei Verhandlungstagen als erwiesen an, dass er seine Familie und viele seiner Bekannten gewerbsmäßig um fast 800 000 Euro geprellt hat.

Für sieben Jahre und sechs Monate wird ein ehemaliger Banker aus Nidda wieder hinter schwedischen Gardinen verschwinden müssen. Das Gießener Landgericht sah es nach drei Verhandlungstagen als erwiesen an, dass er seine Familie und viele seiner Bekannten gewerbsmäßig um fast 800 000 Euro geprellt hat.

Der wegen Betrugs bereits einschlägig vorbestrafte 57-jährige Familienvater soll in 58 Fällen seinen Familienangehörigen sowie viele Freunden und engeren Bekannten große Gewinne im Investmentbereich versprochen haben. Renditen von 8 bis 12 Prozent mit sicheren Anlagen zu erlangen, so lautete sein Versprechen. Und er fand tatsächlich sehr viele Mitmenschen, die ihm ihr Vertrauen schenkten.

»Er hat über Jahre seine Mitmenschen dreist und unverfroren abgezockt«, urteilte Staatsanwalt Rouven Spieler in seinem Plädoyer über den Angeklagten und sprach von »diabolischer Brillanz«. Der von dem Niddaer angerichtete Schaden belief sich nach Aussage des Gerichts auf 778 242,80 Euro. Gelder, die viele seiner Opfer als Altersvorsorge vorgesehen hatten und deshalb möglichst risikofrei angelegt werden sollten.

Im Laufe des Prozesses hatte der Angeklagte behauptet, das erbeutete Geld für seinen Drogenkonsum und seine Spielsucht verwendet zu haben. Doch das nahmen ihm weder der Staatsanwalt noch das Gericht ab. Auch der psychiatrische Gutachter Dr. Hans Herrmann Höll hatte betont, dass er nach eingehender Untersuchung des Angeklagten keinerlei Zusammenhang zwischen dessen kriminellen Verhalten und seinem vermeintlichen Suchtverhalten erkennen könne. »Weder ihre Drogenabhängigkeit konnte nachgewiesen werden, noch dass sie das ganze Geld aufgebraucht haben«, betonte auch der Vorsitzende Richter Jost Holtzmann.

Das Gericht folgte dem Gutachter auch bei der Frage der Schuldfähigkeit. Der Verteidiger Kai Schmittert hatte zwar versucht, seinen Mandanten als psychisch labilen Menschen darzustellen, der schon in seiner Jugend die Welt emotionslos angegangen sei. »Er wollte immer mehr sein, als er tatsächlich war. So wurde aus einem Motorradunfall ein Hubschrauberabsturz und aus einer kleinen Übelkeit ein schwerer Schlaganfall«, so der Verteidiger.

Nach seiner ersten Gefängnisstrafe habe der Angeklagte ein neues Leben anzufangen versucht, sei dann aber von seiner Umwelt in die Rolle eines Vermögensberaters gedrängt worden. Die Bekannten seien deshalb zum Teil selbst schuld, dass sie ihm die viel zu hohen Zinsversprechungen abgenommen hätten. Anders als der Gutachter plädierte der Verteidiger auf Einweisung des Angeklagten in eine psychiatrische Anstalt, damit er sich einer gründlichen Therapie unterziehen könne.

Der Gutachter hatte dem Angeklagten hingegen jegliche Therapiefähigkeit abgesprochen, »weil ihm als Egozentriker die Einsicht fehlt, sein Leben von Grund auf zu ändern«. Dem schloss sich das Gericht an. »Bei Ihnen ist keine ehrliche Reue zu erkennen. Vielmehr machen Sie Ihr Umfeld noch für Ihr Abrutschen auf die schiefe Bahn verantwortlich«, urteilte der Richter. Eine Einschränkung der Schuldfähigkeit sah das Gericht auch deshalb nicht, weil, wie es der Staatsanwalt ausgedrückt hatte, der Banker über Jahre hinweg seinen Betrugsvorsatz zielstrebig umgesetzt habe.

Wegen eines Verfahrensfehlers wird der Angeklagte die Strafe von siebeneinhalb Jahren nicht ganz absitzen müssen: Ihm wurden drei Monate als Kompensation dafür gewährt, dass eines seiner Telefonate mit seinem Anwalt rechtswidrig abgehört wurde und er daraufhin in Berlin vor der Anwaltskanzlei verhaftet werden konnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare