Holzfällen wie einst die alten Römer

Limeshain (sax). Bei der Rekonstruktion des Limeswachturms sollen möglichst viele Erfahrungen über den Aufwand gewonnen werden, den die Errichtung der Grenzbefestigung der Römer verursacht hat. Deshalb werden - im Unterschied zu früheren Nachbauten - nicht nur Aussehen und Materialien möglichst nah am historischen Vorbild gehalten.

"Die Säge hat viele Zähne, die müssen alle ausgenutzt werden", rät Wolfgang Busch vom Forstamt Nidda den Helfern, die im Limeshainer Wald mit der Schrotsäge eine Eiche fällen. Doch nicht nur das Werkzeug, das die Motorsäge ersetzt, wirkt wie ein Ausflug in die Geschichte. Auch bei den Bautechniken versuchen der Kreisarchäologe Jörg Lindenthal und der Geschichts- und Kulturverein Limeshain Techniken zu nutzen, die bereits die Römer beherrschten.

Zudem ist die Kleidung der Männer, die die Säge durch den Baum ziehen, der Römerzeit entlehnt.

"In gut 20 Minuten liegt so ein Baum", stellt Lindenthal fest. Deutlich schneller hätten die Förster mit der Motorsäge die etwa 50 Jahre alte und 40 Zentimeter dicke Eiche gefällt. "Ein Fuß, fünf unciae", meldet Ernst Grabsch vom Geschichtsverein, der die Dicke des Baums nach den römischen Einheiten misst. "Es ist sehr lehrreich", freut er sich über die ungewohnte Erfahrung. "Man kann immer noch lernen im hohen Alter."

Rund 100 Zuschauer sind in den Wald gekommen, um das Fällen des Baums und seine Verarbeitung zum Balken zu erleben. Doch bevor der Stamm eckig wird, muss er erst an den Bauplatz gebracht werden. Auch hier ist die Geschichte Vorbild. Volker Schmelz aus Grebenhain hat sich bereit erklärt, mit seiner 14-jährigen Kaltblutstute Penny den Baum aus dem Wald zu holen.

Das etwa 800 Kilogramm schwere Rückepferd hat mit dem Stamm wenig Mühe. Bis zu einer Tonne schwere Stämme könne ein Pferd ziehen, erklärt Schmelz dem Publikum.

Das Fällen und Verarbeiten der Eiche im Limeshainer Wald ist laut Busch zugleich die Auftaktveranstaltung für das Internationale Jahr der Wälder beim Forstamt Nidda. Eine Reihe von Veranstaltungen solle die Nutzung des Waldes durch den Menschen zeigen. "Wir zeigen anhand der Historie, dass die Nutzung früher wesentlich stärker war", erklärt Busch. So sei die Glasherstellung in Glashütten zusammengebrochen, nachdem der Wald in der Umgebung abgeholzt war.

Auch beim anschließenden Zurichten ist handwerkliches Können gefragt. Zimmermann Jürgen Knöss zeichnet sorgfältig den nutzbaren Bereich des Stammes an, damit der Balken möglichst dick, aber auch haltbar bleibt. "Es ist wichtig, dass wir das Kernholz rausholen", zeigt er auf deutlich dunkler gefärbtes Holz im Inneren des Stammes.

Den an der Schnittfläche angerissenen Querschnitt überträgt er anschließend mit Schlagschnüren auf die Länge des Stamms. In zahlreichen kraftraubenden Arbeitsschritten wird der Balken aus dem dicken Stamm ausgearbeitet. Dabei werden Werkzeuge eingesetzt, die sich seit der Antike nicht verändert haben, erklärt Lindenthal. Die Zurichtbeile hätten die gleiche Form wie Funde aus der Saalburg.

Die Belohnung für das harte Tagwerk schmort schon seit dem Morgen in einer großen Pfanne. Der Geschichts- und Kulturverein hat Wildschweinbraten vorbereitet, den er im Fladenbrot serviert. Dazu gibt es Mulsum und heißen Würz-wein nach römischem Rezept. Wem das zu viel Geschichte ist, der bekommt aber auch eine Bockwurst oder Bier.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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