Fluglärm reißt Limeshain aus dem Schlaf

Limeshain (rad). "Der Countdown läuft", freut sich die Frankfurt Airport AG, kurz: Fraport, auf ihrer Homepage. "Am 20. Januar 2009 hat der Bau der neuen Landebahn Nordwest begonnen". Damit sei "ein wichtiges Zeichen für die Zukunftsfähigkeit des Flughafens Frankfurt gesetzt" worden.

Durch die Inbetriebnahme der 2800 Meter langen Landebahn seien parallele Flugbewegungen möglich, und die Flugbewegungen pro Stunde könnten von derzeit 83 auf 126 gesteigert werden. Laut Prognosen sollen künftig knapp 90 Millionen Passagiere jährlich in "FRA" ankommen, abfliegen oder umsteigen. Die neue Landebahn Nordwest soll am 30. Oktober, mit dem Winterflugplan 2011/12, in Betrieb genommen werden." Für die Menschen unten am Boden hat sich bereits jetzt einiges getan. Geänderte Anflugrouten verursachen in Gemeinden wie Limeshain seit dem Frühjahr plötzlich Fluglärm. Und es macht sich, vor allem in den Nachbarkreisen und Städten, Widerstand bemerkbar.

"Besonders Limeshain ist aktuell von unerträglichem Fluglärm belastet", beschwerte sich eine Rommelhausener Bürgerin beim Hauptamt ihrer Gemeinde. "Es ist unglaublich, wie die Flugzeuge etwa 40 Kilometer vom Flughafen entfernt in dieser geringen Höhe und auf neuer Route – die Flieger machen je nach Wind- und Wetterlage über dem Büdinger Wald eine Kehre – nun die Bürger bis an den Rand ihrer Gesundheit unter Stress setzen", selbst nachts könne man das Fenster nicht öffnen. "Die hiesigen Pendler nehmen bewusst lange Anfahrten und Staus in Kauf – nicht aber für diese neue Wohn›qualität".

Es ist eine Frechheit, einen Luftraum, der früher unbelastet war, einfach so mit Dauer-Lärm zu bombardieren. Als wir 1995 hierher gezogen sind, gab es vor allem das Argument: Der Flughafen ist weit genug weg", machte sie ihrem Ärger Luft.

Die Antwort dürfte für die Beschwerdeführerin nicht befriedigend gewesen sein. "In der Gemeinde Limeshain gibt es keine Zuständigkeit für Fluglärm", antwortete der Hauptamtsmitarbeiter. "Wir können Ihnen zwei Stellen nennen, an die Sie sich wenden können." Es folgten die Adresse des Fluglärmschutzbeauftragten beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und die der Servicestelle Nachbarschaftsanfragen bei der Fraport AG.

Auch in den anderen Limeshainer Ortsteilen gibt es negative Erfahrungen. Eine Anwohnerin der Hainchener Ortsrandlage berichtete im Gespräch mit dieser Zeitung, dass sie bei Spaziergängen beobachte, wie Flugzeuge Flüssigkeitsnebel über dem Wald ablassen. Eine Himbacher Lehrerin erzählt, dass ihre Schüler großen Spaß daran hätten, die niedrigfliegenden Maschinen nach ihren Airlines zu klassifizieren, denn man könne die einzelnen Linien an ihren Signets vom Schulhof aus erkennen.

Landebahn wird in 60 Tagen eröffnet

Die Nachfrage beim Wetteraukreis zum Fluglärm in diesen Gemeinden ergab diese lapidare Auskunft: "Das Problem ist auch bei uns bekannt." Bei der letzten Bürgermeisterdienstversammlung sei es Thema gewesen. "Die Bürgermeister wollen sich mit dem Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe in Verbindung setzen, der sich sehr engagiert für die Verminderung von Fluglärm einsetzt." Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn wie auf der Countdown-Tafel der Fraport zu sehen ist, sind es nur noch 60 Tage bis zur Eröffnung der Landebahn.

Dabei sei das aktuell praktizierte Anflugverfahren nicht alternativlos, zog jetzt der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Tauber, der auch für die Wetterau zuständig ist, eine Bilanz. "Es gibt geräuschärmere Möglichkeiten, die ebenfalls durchführbar sind." Tauber agiert in erster Linie für seinen eigenen Wahlkreis, den Main-Kinzig-Kreis, die Aussagen sind aber auch für die betroffenen Lagen der Wetterau von Belang.

Wie er nach Rücksprache mit Experten in Fragen Flugsicherungsverfahren und Piloten in Erfahrung gebracht habe, sei das aktuell praktizierte Anflugverfahren mit niedrigen Flughöhen im Horizontalflug zwar für die Deutsche Flugsicherung (DFS) leicht zu kontrollieren und damit auch wenig personalintensiv. Dafür würden Lärmbelastungen der Bürger vor Ort in Kauf genommen. Es könne nicht sein, dass interne Problematiken der DFS, vor allem der Personalmangel, zu Lasten der Menschen gingen, ärgert sich Tauber.

"Volle Auslastung erst 2020 geplant"

Aus seiner Sicht gibt es zudem keine unmittelbare Notwendigkeit für das Anflugverfahren mit tiefen Flughöhen. Dafür liege eine Vollauslastung der neuen Landebahnen zu Grunde. Aktuell sei dieser Zustand bei weitem noch nicht eingetreten. "Ich frage mich, weshalb es dann nicht möglich ist, das frühere Verfahren mit den höheren Flughöhen beizubehalten", wundert sich Tauber. Ein von der DFS ins Feld geführtes Argument, man brauche Zeit, um sich auf die neuen Anflugbelastungen einzustellen, könne nicht gelten. "Fraport plant eine volle Auslastung erst im Jahr 2020. Es ist niemandem zu erklären, aus welchem Grund die Flugsicherung eine Vorlaufzeit von neun Jahren benötigt", betont der Abgeordnete.

Tauber wolle sich daher bei der DFS dafür stark machen, das ursprünglich angewandte Verfahren wieder in Kraft zu setzen.

Das Fluglärm-Beschwerdetelefon der Fraport AG hat die Rufnummer 0800/2345679. Unter www.fraport.de/content/fraport-ag/de/infoservice_fluglaerm.html/ sind weitere Informationen des Flughafenbetreibers abrufbar.

Ronald Kasten wehrt sich gegen Fluglärm in Bad Vilbel

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare