Fluglärm: Im 30-Sekunden-Takt geht’s zur Sache

Limeshain (rad). "Eigentlich ist die eierlegende Wollmilchsau doch schon erfunden, aber weil ein paar Leute sich die Taschen voll machen wollen, haben andere darunter zu leiden", brachte es ein Zuhörer auf den Punkt. In Rommelhausen trafen sich jetzt engagierte Bürger, um das weitere Vorgehen in der Fluglärmproblematik zu beraten.

Im Mittelpunkt des Abends standen die Erkenntnisse von Wolfgang Hartmann, der in der Gemeinde Niedermittlau lebt und dort seit längerer Zeit mit den Auswirkungen der Flugroutenänderung auf die Dörfer im Kinzigtal zu kämpfen hat. Sein Anwesen weist, wie er in seiner Dokumentation zeigt, inzwischen krebserregende Kohlenwasserstoffe und Benzo-Verbindungen durch Flugzeug-Abgase an Hausfassaden und im Boden auf. "Obst aus meinem eigenen Garten – das verkneife ich mir", klagte Hartmann.

Darüber hinaus sei Lärm die Hauptbelastung. Im 30-Sekunden-Takt gehe es zuweilen über den Dächern lautstark zur Sache. "Bei Ostwetterlage ist die Region um Mainz und Wiesbaden betroffen", erklärte Hartmann, der sich im Verein der Interessengemeinschaft Fluglärm Hanau–Kinzigtal engagiert. Bei Westwind fliegen die Maschinen über die heimische Region, "und das ist in 80 Prozent der Fälle so". Der wirtschaftliche Schaden für Gewerbetreibende sei immens. Der Kurort Bad Orb beispielsweise, der ohnehin finanziell zu kämpfen hatte, leide durch die Lärmbelastung, weil immer wieder Gäste vorzeitig ihre Koffer packten und abreisten.

Hartmann spricht von "vorsätzlicher Körperverletzung" und führt den Artikel 2 des Grundgesetzes mit der Garantie der körperlichen Unversehrtheit ins Feld. Inzwischen sei er der Überzeugung, dass "weniger diskutiert werden werden soll, aber um so mehr Strafanzeigen" gegen die verantwortlichen Stellen gestellt werden müssten. "Es passiert nichts, wenn man nicht massivere Hebel einsetzt", sagte er. Vorerst riet Hartmann allen Betroffenen, sich beim Deutschen Fluglärmdienst (im Internet unter www.dfld.de) zu informieren. Hier können sich Ehrenamtliche auch für private Messstationen eintragen, die ein flächendeckendes Netz von Daten zur Argumentation der Fluglärmgegner ermöglicht.

Die Lösung des Problems könnte in der Einführung des kontinuierlichen Gleit-Sinkflugs, kurz CDA für "continouus descent approach", liegen. Dabei wären die Flugzeuge über der Region noch in einer solchen Höhe, dass die Bevölkerung außer durch die Kondenzstreifen nichts von den Maschinen bemerken würden. Hörbar werden sie bei diesem Verfahren erst ab etwa fünf Kilometer um den Flughafen herum.

Wie Hartmann mit Filmbeiträgen in Limeshain belegte, sprechen für die Verantwortlichen fluglogistische Aspekte gegen dieses bevölkerungsschonende Verfahren, die aber von einem Flugkapitän unter dem Verweis auf die erfolgreiche Anwendung in London-Heathrow entkräftet werden.

Und, so Hartmann weiter, die Anzahl der Flugbewegungen, die von der Fraport angestrebt werden, sollen von momentan 480 000 auf 700 000 ab der Eröffnung der neuen Flugbahn bis zum Jahr 2020 auf bis zu 900 000 gesteigert werden. Es gelte jetzt, die Kommunalpolitiker wachzurütteln, die Öffentlichkeit zu informieren und sich eventuell der Initiativen im Nachbarkreis anzuschließen, war aus dem Kreis der Zuhörer zu vernehmen.

Nach einer intensiven Diskussion beschlossen die Anwesenden, einen größeren Informationsabend am 23. September in der Limeshalle zu veranstalten, bei dem Wolfgang Hartmann seine Thesen einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen kann. Wie Heiko Ruppert von den Grünen im Gespräch mit der WZ erläuterte, wolle er sich in den nächsten Tagen an alle Fraktionen in der Gemeindevertretung wenden, denn das Fluglärmproblem sei schließlich ein überparteiliches Phänomen.

Auch habe er Telefonate mit der Main-Kinzig-CDU geführt, um in Erfahrung zu bringen, ob sich die Limeshainer an der sogenannten Rodenbacher Erklärung, in der sich Fluglärmgegner im Rhein-Main-Gebiet zusammengeschlossen haben, beteiligen können. Bis zur Eröffnung der neuen Startbahn am Frankfurter Flughafen bleiben indessen noch knapp 60 Tage. (Foto: rad)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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