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Unterkünfte für Geflüchtete: Auf dem Land regt sich Widerstand

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Von: Björn Leo

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Die Gemeinde Kefenrod hat dem Wetteraukreis vorgeschlagen, eine Flüchtlingsunterkunft auf dem Festplatz am Sportgelände in Bindsachsen zu errichten. In der Bevölkerung regt sich dagegen Widerstand. © Björn Leo

Ob der Wetteraukreis auf einem Festplatz im tiefsten Osten des Landkreises bald eine Unterkunft für Geflüchtete errichtet, steht noch nicht fest. Etwaige Pläne sorgen dennoch für Unruhe in der Bevölkerung.

Während der Wetteraukreis noch gar keine Entscheidung getroffen hat, wo und wann in diesem Winter in Kefenrod gefüchtete Menschen untergebracht werden sollen, glaubt es ein großer Teil der Bevölkerung schon zu wissen: 120 alleinreisende Männer aus unterschiedlichen Kriegsgebieten dieser Welt werden schon bald eine in Kürze entstehende Hallensiedlung auf dem Festplatz in Bindsachsen beziehen.

Gesetzliche Verpflichtung

Deutschland steht erneut vor einem Fluchtwinter. Die Auswirkungen der globalen Krisen und Kriege sind auch hierzulande spürbar. Längst aber ächzen Landkreise und Kommunen, sind ihre Aufnahmekapazitäten doch erschöpft. »Wir sind jedoch gesetzlich verpflichtet, die von Bund und Land zugewiesenen Menschen aufzunehmen und unterzubringen. Für den Wetteraukreis, seine Städte und Gemeinden gilt hierfür keine Ausnahme. Die Unterbringung dieser derart hohen Anzahl an Menschen bedeutet einen großen Kraftakt und erfordert ein Engagement auf allen Ebenen«, beschreibt Deliah Eckhardt, Sprecherin des Wetteraukreises, die aktuelle Lage.

Vor diesem Hintergrund hat der Kreis alle Kommunen gebeten, ihm Grundstücke oder Gebäude zu nennen, die für die Flüchtlingsunterbringung geeignet sein könnten. »Die Gemeinde Kefenrod hat daraufhin auf eigene Initiative den Festplatz in Bindsachsen gemeldet«, sagt Eckhardt. Das Areal sei einer von zahlreichen möglichen Standorten, die der Kreis derzeit aufgrund der massiv gestiegenen Zuweisungszahlen von Land und Bund für die Flüchtlingsunterbringung prüfe. »Eine erste Begutachtung hat ergeben, dass der Platz grundsätzlich für eine provisorische Unterbringung wie zum Beispiel eine Leichtbauhalle geeignet wäre. Ob und wann dort eine Unterkunft entstehen könnte, steht aktuell noch nicht fest.«

Bürgermeisterin Kirsten Frömel erklärt, dass der Festplatz in Bindsachsen gemeindeweit das einzige infrage kommende Gelände ist. »Es gibt zwar die kreiseigene Sporthalle in Kefenrod. Aber die wird nicht nur für den Schulsport, sondern auch von vielen Vereinen genutzt. Deshalb war die für uns tabu«. Der Landrat habe im Zuge einer Bürgermeisterdienstversammlung in der vergangenen Woche noch einmal unmissverständlich erklärt, dass die Gemeinden zeitnah liefern müssten. Im Übrigen habe sie von Landrat Jan Weckler persönlich die Information erhalten, dass der Kreis 120 alleinreisende Männer in Bindsachsen unterbringen wolle, sollten die Hallen am Sportplatz errichtet werden. Dass diese Mitteilung noch vor einer offiziellen Entscheidung im Dorf die Runde machte, sei bedauerlich. »Unnötige Stimmungsmache können wir in diesem Zusammenhang nun wirklich nicht gebrauchen«, betont Frömel.

Bürgermeisterin in der Kritik

Ganz ohne Frage ist jetzt Druck auf dem Kessel. Etwa 200 Menschen besuchten am Montag eine Ortsbeiratssitzung. Tenor: Eine Flüchtlingsunterkunft, in der 120 Männer leben, verkraftet das Dorf nicht. Dass die Bürgermeisterin nicht anwesend war, weil parallel der Gemeindevorstand tagte, kam nicht gut an. Teile der Bevölkerung unterstellten ihr, dass sie dem Kreis leichtfertig den Festplatz angeboten habe, wo doch so viele Argumente dagegen sprächen. Sie vertrete nicht die Interessen der Leute, Rücktrittsforderungen machten die Runde.

Stattdessen erhielt der Ortsbeirat den Auftrag, eine Eilvorlage für die Gemeindevertretung vorzubereiten, die dann in ihrer nächsten Sitzung am 8. Dezember (19 Uhr, Bürgerzentrum Holzwich) einen Beschluss fassen soll, der dem Wetteraukreis signalisiert: Auf dem Festplatz in Bindsachsen ist die Unterbringung von Geflüchteten nicht erwünscht.

Sollte die Politik tatsächlich so entscheiden, wäre der umstrittene Standort zwar vom Tisch - nicht aber die Aufgabe der Gemeinde Kefenrod, die kreisweit zu den Kommunen zählt, die ein Aufnahmedefizit von Flüchtlingen aufweisen. Sie muss dann dringend eine Alternative aufzeigen. Ansonsten ist es möglich, sagt Deliah Eckhardt, dass die kreiseigene Sporthalle an der Herzbergschule genutzt wird. »Wir sind aber an einer einvernehmlichen Lösung mit der Gemeinde interessiert.« Der Kreis müsse jedoch die Menschen unterbringen, die ihm von Land und Bund zugewiesen werden und hat auf die Zuweisungen am Ende keinerlei Einfluss.

Da könne auch für Kefenrod keine Ausnahme gemacht werden.

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