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Viel Applaus für Konstantin Wecker

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Musiker und Poet: Zwischen seinen Lieder trägt der Liedermacher Konstantin Wecker seine Verse vor. © Jürgen W. Niehoff

Die Kulturinitiative Karben lag richtig, als sie den Musiker, Rebell und Poeten Konstantin Wecker nach Karben einluden. Sein Auftritt am Freitagabend war seit langem ausverkauft und der Liedermacher begeisterte sein Publikum.

G eplant war das Konzert mit dem schon fast 75-jährigen Liedermacher Konstantin Wecker vor zwei Jahren. Anlass waren das 30-jährige Bestehen von der Kulturinitiative Karben (kik) und der fünfzigjährige Geburtstag der Stadt Karben. Schnell waren die Eintrittskarten nahezu vergriffen.

Freude nach langer Pause

Doch dann machte die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung der Veranstalter. Dreimal musste das Konzert in den nächsten zwei Jahren verschoben werden. Am Freitag war es dann aber endlich so weit. Über 500 Fans drängten sich lange vor Konzertbeginn in den großen Saal des Bürgerzentrums und empfingen den Künstler vorab mit großen Applaus.

Und er begann sofort sein Programm »Solo zu zweit«. »Poesie und Musik können vielleicht die Welt nicht verändern, aber sie können denen Mut machen, die sie verändern wollen.« Dies versuchte Wecker in seinen Liedern und Moderationen immer wieder deutlich zu machen. Und seine Freude an dem Auftritt nach der zweijährigen Pause - »nach 50 Jahren mit durchschnittlich 100 Bühnenauftritt Jahr für Jahr war diese Zwangspause wie eine Strafe«, verrät Wecker gleich zu Beginn - war deutlich zu spüren. Mit seiner teils feinfühligen Poesie, teils provokanten Liedtexten bezog er immer wieder Stellung auch zu aktuellen Tagesereignissen, wie dem Krieg in der Ukraine. Dabei wurde er sogar beispielsweise mit seinem Lied der »Rüstungs-Tango« sehr direkt und griff deutsche Rüstungskonzerne als Kriegsgewinnler an, weil sie den Krieg nach seiner Meinung nur wegen der Profitvermehrung begonnen hätten.

»Was ist nur mit den Menschen los? Vor 100 Jahren hat Europa im Ersten Weltkrieg schon einmal einen so verkehrenden Krieg erlebt und offensichtlich nichts daraus gelernt. Auch jetzt scheint sich die Vernunft wieder in Gewalt zu wälzen und lässt das Gehirn dabei absterben«, vergleicht Wecker die Gegenwart mit der Zukunft. Sein Lösungsvorschlag: Ersetzt einfach Hass durch Zärtlichkeit und findet wieder zueinander.

Für eine Welt ohne Waffen

Der Münchner Künstler setzt sich bei seinem abendlichen Streifzug durch sein umfangreiches Schaffen zwar überwiegend für eine Welt ohne Waffen und Grenzen ein, allerdings gewährt er zwischendurch dann auch wieder einen Einblick in seinen persönlichen Werdegang, seine Familie und seine Freunde. Er gesteht dabei auch Fehler ein, beispielsweise seine Drogenabhängigkeit, als er auf der Bühne gar nicht mehr wusste, was er macht, und Freunde ihm später eingestanden hätten, dass die nur noch aus Mitleid zu seinen Konzerten gekommen seien.

Richtig aufgewacht aus diesem Alptraum sei er aber erst durch die Geburt seines ersten Kindes. Da sei er allerdings bereits 50 Jahre alt gewesen. Doch hat auch diese Lebensphase seiner Popularität offensichtlich nichts anhaben können. Denn seine Konzerte sind weiterhin ausverkauft.

An dem Abend in Karben waren zwar überwiegende ältere Jahrgänge, ab 50 Jahren aufwärts etwa, vertreten, doch auch Jüngere scheinen noch gefallen an Wecker zu finden. Beispielsweise die 30-jährige Annika. Sie ist zwar in Begleitung ihrer Mutter gekommen, doch gesteht sie ohne großes Nachdenken: «Ich wäre auch ohne sie zu dem Konzert heute Abend gekommen. Denn ich habe die Karten schon vor zwei Jahren gekauft, weil Weckers Texte eigentlich zeitlos sind.« Und auch Margit Gaida (55) gesteht, ein Fan Weckers zu sein: »Er erinnert mich mit seinem kämpferisch-humanen Denken an mein aufmüpfiges Verhalten in meiner Jugend«.

Die Erinnerungen müssen bei vielen an diesem Abend hochgekommen sein, den zum Abschied erhielten Wecker und sein Bühnenpartner und Pianist Jo Barnikel stehenden und lang anhalten Applaus. Drei Zugaben erwirkten sie so und das schien auch Wecker zu gefallen, denn er verabschiedete sich mit einem italienischen Gutenacht-Lied in Originalsprache.

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