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Turteltauben sind nur etwa halb so groß wie die in Deutschland typischen "Stadttauben". Die Turteltaube ist heute einer der am stärksten gefährdeten Agrarvogelarten. 

Biologe erklärt

Valentinstag: Turteln wie die Tauben - Symbolträchtige und gefährdete Art

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Frisch Verliebte turteln. Auf Hochzeiten, zumindest auf pompösen, steigt ein Schwarm Tauben in die Luft. Warum die Turteltaube, Vogel des Jahres, in Gefahr ist, erklärt der Biologe Prof. Roland Prinzinger aus Karben.

Mit Tauben ist es so eine Sache: Einerseits sind sie Symbol für Liebe und Frieden. Andererseits werden sie auch als "Ratten der Lüfte" bezeichnet. Mit den Ursprüngen solcher Symbole und Ansichten hat sich der in Karben lebende Biologe Prof. Roland Prinzinger auseinandergesetzt. Vögel sind ohnehin sein Gebiet - sowohl unter den biologischen Aspekten als auch ihre Kulturgeschichte. An der Goethe-Uni in Frankfurt hatte er einen Biologie-Lehrstuhl inne. Zudem hat er zusammen mit einem Kollegen ein Lehrbuch über Ornithologie geschrieben. Im Gespräch erzählt Prinzinger, was es mit dem Vogel des Jahres, der Turteltaube, auf sich hat.

Prof. Roland Prinzinger

Warum wir turteln:Tauben sind friedliebende Tiere. "Man muss Straßentauben schon lange beobachten, bis man sieht, dass sich mal welche streiten", sagt Prinzinger. Meistens sieht man eher das Gegenteil: "Tauben schmusen miteinander", sagt der Biologe: "Sie können eine Stunde auf einem Ast sitzen und sich gegenseitig putzen. Ich kenne keine andere heimische Vogelart, die das macht."

Verliebte Menschen machen das allerdings schon. Sie putzen sich zwar nicht unbedingt. Ihre Köpfe stecken sie aber gerne und lang zusammen…Wie die Turteltauben.

Was war zuerst?Haben Verliebte zuerst geturtelt oder hieß der Vogel zuerst Turteltaube? Der Name des Vogels war zuerst da, erklärt Prinzinger. Das Turteln als Begriff für verliebtes Verhalten ist vom Taubennamen abgeleitet worden. Der wiederum hat seinen Ursprung in dem Laut der Vögel: Das lateinische "turtur" klingt in etwa wie das Gurren der Turteltaube.

Unterwegs:Die Turteltaube ist der einzige Zugvogel unter den in Mitteleuropa heimischen Taubenarten. Wie Prinzinger erzählt, fliegen sie im Herbst davon und kommen im Frühjahr wieder. Es gibt drei Zugrouten: über Gibraltar, über Italien und über den Bosporus. Die 700 Kilometer über die Sahara nehmen sie nonstop, um dann in Mittelafrika zu überwintern.

Wo die Taube turtelt:Die Brutbiotope der Turteltauben sind meistens in offenen Landschaften, Parks oder Wäldern. Sie haben pro Saison einen Partner, mit dem sie ihren Nachwuchs zeugen.

"Kindererziehung":Anders als alle anderen Vogelarten "säugen" Tauben ihre Jungen auf gewisse Weise, sagt Prinzinger. Das Taubenjunge steckt seinen Schnabel in den Hals von Mutter oder Vater, wo sogenannte Kropfmilch entsteht. Diese wird von den Elterntauben später nach und nach mit Körnern gemischt. Ausgewachsene Turteltauben ernähren sich von Getreidekörnern, Wildgräsern und Samen. Sie fressen auch Beeren und Pilze, gelegentlich Insekten oder Spinnen.

Gefährdete Art:Seit 1980 sind fast 90 Prozent der Turteltaubenbestände verloren gegangen. Das hat zwei Hauptgründe, sagt Prinzinger: zum einen die Bejagung, zum anderen die Biotopveränderung in Deutschland - das Fehlen von Nahrung und Brutplätzen zum Beispiel.

Taubenjagd:Gerade zur Zugzeit sind die Tauben zu Tausenden unterwegs und damit ein einfaches Ziel für Schützen, sagt Prinzinger. Etwa in Frankreich und Italien, wo die Turteltauben beim Flug in den Süden durchfliegen, kommen Tauben gerne auf den Teller. Zwar gebe es Begrenzungen für die Jagd, sagt Prinzinger, "aber wer kontrolliert das schon"?

Im Mittelalter, erzählt der Biologe, war Taubenschießen ein beliebter Sport. Damals wurden die Tauben extra freigelassen, damit Jäger auf sie schießen können - zumal es eine Herausforderung ist, fliegende Ziele zu treffen. Aus diesem "Sport" heraus entstand später das noch heute bei einigen beliebte Tontaubenschießen: fliegende Ziele, aber keine lebendigen.

Taubenzucht:Die Taube ist ein beliebter Zuchtvogel. Das, sagt Prinzinger, liegt vor allem daran, dass die Tauben sehr standorttreu sind (weswegen sie sich auch noch heute gut für Brieftaubenwettbewerbe eignen. Selbst aus 1000 Kilometern Entfernung finden sie wieder ihren Schlag. Zudem sind sie einfach zu züchten und zu halten. Und: Sie haben meistens keine Angst. "Man kann sie in die Hand nehmen, ohne dass sie, wie viele andere Vögel, panisch werden." Tauben sind eben sehr friedfertig.

Friedenssymbol:Das Symbol des Weltfriedenskongresses von 1949 in Paris hat Pablo Picasso entworfen: eine weiße Taube. Am Abend des Kongresses wurde Picassos Tochter geboren. Ihr Name: Paloma - spanisch für Taube. Picassos Taube ist noch immer weltweites Symbol der Friedensbewegung.

Christliche Religion:Die Taube taucht auf Gemälden oft als Symbol für den Heiligen Geist auf. Zudem gibt es die Geschichte mit der Arche Noah und der Taube: Um zu erfahren, ob Land in der Nähe ist, ließ Noah eine Taube fliegen. Als sie mit einem Ölzweig im Schnabel zurückkam, wusste Noah, dass Land in der Nähe ist.

Altertum:Laut griechischer Sagen ist der Gott Zeus von zwei Tauben ernährt worden. Bei den Germanen galt die Taube als Totenvogel: Wer durch den Tod in eine andere Welt überging, so die Legende, wurde dabei von einer Taube begleitet.

Mittelalter:Taubenfleisch, ihr Blut und ihr Kot wurden zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Die Taube, erzählte man sich zudem, schützte vor Zauberei.

Ratten der Lüfte?Weltweit gibt es zwischen 200 und 300 Taubenarten, sagt Prinzinger. Und an manchen Orten sind besonders viele Tauben. zum Beispiel in Innenstädten. "In der Stadt hat die Taube so gut wie keine Feinde" - dadurch können sich die Vögel ungestört vermehren - und erscheinen vielen als lästig, vor allem wenn sie an einem lauen Sommerabend um die Restauranttische hüpfen, um Krümel zu finden.

Ein anderer Grund, warum Tauben oft kein besonders gutes Image haben, ist, dass sie einen Ruf als Krankheitsüberträger haben. Zu Unrecht jedoch. Ja, es gibt Krankheiten, die von Tauben übertragen werden können, das komme jedoch so selten vor, dass es kaum eine Bedeutung habe, sagt Prinzinger. Und überhaupt: In der Regel habe ein Mensch kaum direkten Kontakt zu Tauben.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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