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Stadtradeln startet in nächste Runde

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Auf geht’s! Vorweg fährt bei der Auftakttour in Karben Natur- und Städteführer Eckhardt Riescher. © Jürgen W. Niehoff

Stadtradeln für ein gutes Klima ist auch in Karben zu einem festen Begriff geworden. Denn in diesem Jahr ist es bereits das sechste Mal, dass sich die Stadt an dem bundesweiten Projekt beteiligt.

Stadtradeln ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Dabei ist es egal, ob der Teilnehmer an dem Stadtradeln bereits jeden Tag Fahrrad fährt oder ob er eher selten mit dem Rad unterwegs ist. Jeder Kilometer zählt - erst recht, wenn der Betreffende ihn ansonsten mit dem Auto zurückgelegt. Seit 2008 lädt das Klimabündnis, das größte Städtebündnis Europas, das sich zu einem umfassenden und gerechten Klimaschutz verpflichtet, zum Stadtradeln ein.

Dabei treten Kommunalpolitiker und Bürger gemeinsam in die Pedale und radeln mit anderen Kommunen an jeweils 21 zusammenhängenden Tagen zwischen Mai und September für mehr Förderung des Radfahrens, Klimaschutz und Lebensqualität um die Wette. Im vergangenen Jahr haben sich an dieser Veranstaltung über 800 000 Menschen aus 2262 Teilnehmerkommunen beteiligt und dabei rund 160 Millionen Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt. In diesem Jahr soll die Teilnehmerzahl die Millionengrenze überspringen, denn mittlerweile beteiligen sich auch Radfahrer in den USA und Brasilien an dem Wettbewerb.

In Karben haben sich im vergangenen Jahr 2172 Bürger an dem Stadtradeln beteiligt und dabei 188 955 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt. Innerhalb Hessens hat Karben damit immerhin den vierten Rang unter den teilnehmenden Kommunen (in der Kategorie 20 bis 40 000 Einwohner) erreicht. Dabei wurden rechnerisch etwa 30 Tonnen CO2 vermieden, was umgerechnet in etwa 162 000 gefahrenen Auto-Kilometern entspricht.

Umgebung neu kennenlernen

Am vergangenen Samstag läutete Bürgermeister Guido Rahn (CDU) nun den Start für das dreiwöchige Stadtradeln 2022 in Karben ein - und er war ob des strahlenden Sonnenscheins an diesem Nachmittag guten Mutes, dass der Rekord vom letzten Jahr in diesem Jahr überboten wird. »Wenn man das Programm für die nächsten drei Wochen ansieht, dann ist es eigentlich gar kein Wettbewerb, sondern viel eher eine Touristenattraktion, bei der die Teilnehmer die Umgebung um Karben mit ganz anderen Augen zu sehen bekommen«, versprach Rahn zur Eröffnung.

Und in der Tat waren unter den Teilnehmern am ersten Tag, darunter auch ein Parlamentarier, mehrere Radler, die von den Touren der letzten Jahre begeistert berichteten. »Wir haben Karben erst durch diese Fahrradtouren richtig kennengelernt«, schwärmt die Eheleute Claudia und Frank Schmutzler. »Die Führer haben uns bei diesen Fahrten auf Dinge hingewiesen, die wir zuvor stets übersehen haben. Auch Informationen haben wir bei den Touren erhalten, die uns als alte Karbener trotzdem neu waren«. Im vergangenen Jahr hat das Ehepaar so rund 980 Kilometer in den drei Wochen abgeradelt.

Und auch Barry Massey ist von den Touren sehr angetan: »Man trifft neue Leute und kommt mit ihnen ins Gespräch und man kann so wirklich dauerhafte Bekanntschaft schließen«. Deshalb hat er sich in diesem Jahr gleich bei sechs Touren angemeldet. Mit dabei sind, wie Rahn verkündet, natürlich auch in diesem Jahr wieder die Karbener Kitas, die sich ebenso rege wie die Schülerinnen und Schüler der Karbener Schulen am Stadtradeln beteiligen werden.

Brutplatz für den Eisvogel

Es bedarf einer umfangreichen Vorbereitung. Und die hat die Rathaus-Mitarbeiterin Sabine Kalkofen nun hinter sich. »Seit Februar laufen die Planungen und die Gespräche für das diesjährige Programm. Vereine müssen zum Mitmachen motiviert und Tourguides gefunden werden«, berichtet Kalkofen. Und das alles nebenbei, denn ihr eigentlicher Aufgabenbereich sind die Renaturierung der Nidda und der Naturschutz. Bei Eckhardt Riescher, einem erfahren Natur- und Kulturführer sowie Städteführer, musste sie nicht lange nachfragen. Er war sofort bereit, die Führung der ersten Tour entlang der Nidda zu übernehmen.

Und kaum hatte der Bürgermeister die Teilnehmer begrüßt und ihm das Wort erteilt, da schwärmte er bereits von der einmaligen Schönheit der Wetterau und was es entlang der Nidda alles zu sehen und zu berichten gebe. »Wenn sie beispielsweise am Niddaufer einen einsamen Erdhügel sehen, dann wurde der nicht bei den Renaturierungsarbeiten vor kurzem vergessen, sondern er ist als Brutstätte für den Eisvogel oder sonstige Bodenbrüter gedacht«. Alles Weitere wollte er dann jedoch vor Ort erklären. Und schon saßen alle auf ihren Fahrrädern - die meisten davon wahrscheinlich wegen des schon fortgeschrittenen Alters ihrer Besitzer übrigens auf E-Bikes - und radelten davon.

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