"In der Pflege ist eine neue Zeit angebrochen"

Karben (aho). In rund fünf Jahren werde sich der Anteil der über 80-Jährigen in Karben nahezu verdoppelt haben, nannte der ehrenamtliche Stadtrat Gerhard Cornelius einen Teil der Herausforderung für die Pflegestation der Stadt. Im Rahmen des CDU-Seniorenforums sprach er, von der Vorsitzenden Claire Knab begrüßt, im Clubraum des Bürgerzentrums über die Zukunft der Altenpflege in der Stadt.

Karben (aho). In rund fünf Jahren werde sich der Anteil der über 80-Jährigen in Karben nahezu verdoppelt haben, nannte der ehrenamtliche Stadtrat Gerhard Cornelius einen Teil der Herausforderung für die Pflegestation der Stadt. Im Rahmen des CDU-Seniorenforums sprach er, von der Vorsitzenden Claire Knab begrüßt, am Mittwochnachmittag im Clubraum des Bürgerzentrums über die Zukunft der Altenpflege in der Stadt.

"Seit dem 1. Januar ist eine neue Zeit angebrochen", freute sich Cornelius. Denn mit diesem Datum sei der städtische Pflegedienst in die Obhut des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) übergegangen. Die entsprechenden Verhandlungen zwischen dem Pflegedienst und dem ASB hatte Cornelius geleitet.

Zur Einordnung dieses Schrittes sah der zuständige Stadtrat jedoch zunächst in die jüngere Vergangenheit zurück, um die wichtigsten Gründe für diesen Schritt zu erklären, und die Vorteile, die sich daraus für die Patienten und die Stadt ergeben.

Eigenbetrieb seit 2003

Bereits im Jahr 2003 habe die Stadt den städtische Pflegedienst in einen Eigenbetrieb umgewandelt, um die Pflege zu verbessern. Ab Herbst 2009 habe sein Vorgänger als Stadtrat und Vorsitzender der Betriebskommission, Jochen Schmitt (SPD), den Betriebsleiter Rolf Ochs auf dessen eigenen Wunsch hin nur mit einer halben Stelle beschäftigt. Auf Cornelius' Anfrage bei der AOK habe sich gezeigt, dass dies nach AOK-Satzung "nicht rechtens" gewesen sei, so der Stadtrat. Die Kasse sah nämlich vor, dass ein Pflegedienstleiter eine volle Stelle besetzen müsse. Das hätte unter Umständen sogar zur Schließung des Pflegedienstes führen können, hob der Stadtrat hervor. Dies zu überprüfen wäre die Aufgabe des bisherigen Ersten Stadtrats gewesen und hätte unter Umständen sogar zur Schließung des Pflegedienstes führen können, kritisierte Cornelius. Dies habe man mit dem Zusammenschluss mit dem ASB nun verhindert.

Zudem habe sich durch dubiose Geschäftspraktiken von Werbefirmen das Defizit des Eigenbetriebs im Jahr 2009 auf insgesamt 91 000 Euro erhöht. Dabei sei die Öffentlichkeitsarbeit in dem Jahr mit 30 000 Euro "der größte Brocken" gewesen. Schon 2008 habe man in der Öffentlichkeitsarbeit mit 11 000 Euro ein höheres Defizit gehabt, als die ursprünglich geplanten rund 2000 Euro.

"Negative Bestandsaufnahme"

Mit Übernahme des Sozialdezernats habe er nach der "sehr negativen Bestandsaufnahme", insbesondere finanzieller Natur, anfangs seiner Tätigkeit selbst angeordnet, keine der Rechnungen an dubiose Werbefirmen zu bezahlen und alle einschlägigen Verträge zu kündigen, so Cornelius.

Das habe dazu geführt, dass von den bestehenden 14 Vertragspartnern sich einer beschwert habe, bei dem man einen Ausgleich zahlen musste, und dass man sich noch mit einer weiteren Firma beschäftige, die aber bislang nicht habe nachweisen können, dass sie ihre Verpflichtungen erfüllt habe. "Ansonsten war Funkstille." Schon durch solche Maßnahmen habe die Stadtregierung das Defizit in diesem Geschäftsjahr auf rund 2000 Euro herunterfahren können.

"Mangelnde Kommunikation"

In all diesen Fragen fand Cornelius: "Das zuständige Dezernat hätte sich angesichts der Diskrepanz zwischen Planung und tatsächlichen Kosten darum kümmern müssen." In diesem Zusammenhang bemängelte er den damals mangelnden Kommunikationsfluss in der Betriebskommission (BK). Es habe einfach zu wenig Gespräche zwischen Schmitt und Pflegedienstleiter Ochs gegeben. Auch der sei mittlerweile behoben, und der Stadtrat lege der BK alle Fakten auf den Tisch.

Bald schon habe man Gespräche mit dem ASB geführt, so der Stadtrat. Auf Cornelius' Bitte hin, machte der ASB eine Bestandsaufnahme des Pflegedienstes, und einen Monat später untersuchte auch der Medizinische Dienst der AOK unangemeldet ebenfalls den Pflegedienst, was im Wesentlichen zu gleichen Ergebnissen geführt habe. "Die Arbeit der Fachkräfte war dabei nicht zu beanstanden, die Patienten wurden einwandfrei gepflegt", so Cornelius. Dennoch habe es Handlungsbedarf gegeben, um die ordnungsgemäße Pflege auch weiterhin sicherzustellen. Dies sei nunmehr gelungen. Der ASB stelle die Räume und einen Teil des Personals, während von der Stadt ein weiterer Teil des Personals komme. Das werde dem ASB in Rechnung gestellt, so dass für die Stadt unter dem Strich keine zusätzlichen Kosten entstünden.

"Eine gute Entscheidung"

Die Übergabe des Pflegedienstes nannte Cornelius eine "gute Entscheidung". "Weil alle Betroffenen, auch nach Meinung des Magistrats, dort besser aufgehoben sind." Zudem biete der ASB eine wesentlich breitere Pflegedienstpalette an, als die Stadt es gekonnt hätte. Dazu gehörten die Tagespflege für noch transportfähige Pflegefälle, die von ihren Partnern betreut werden. Im Herbst hinzukommen soll noch die dann fertiggestellte Sozialstation, in die auch die Tagespflege und die Altenfachberatung verlegt werden sollen.

Für die Pflegebedürftigen ändere sich vorerst nichts, versicherte Cornelius. Auch nicht bei den Pflegebeiträgen. Denn der Sitz des Pflegedienstes bleibe vorerst im Alten Rathaus in der Rathausstraße. Erst wenn der ASB in der RamonvilleStraße das Altenfachzentrum errichtet habe, werde der Pflegedienst dorthin verlegt.

Auch für die Bediensteten des städtischen Pflegedienstes soll sich nur wenig ändern. Denn sie bleiben weiterhin zu gleichen Arbeitsverhältnissen bei der Stadt beschäftigt, Sie erbringen jedoch ihre Arbeitsleistungen künftig beim ASB.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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