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Eckhard Neitzel, Gründer und Vize-Chef der Karbener IG Streuobst, an seinem Lieblingsort: auf der Klein-Kärber Apfelwiese.

Idyll

Lieblingsplatz auf einer Klein-Karbener Apfelwiese

Rasen mähen, Baumpflege, Äpfel pflücken - und dann natürlich der Genuss des eigenen Apfelweins: Der Karbener Eckhard Neitzel ist das gesamte Jahr über auf der Klein-Karbener Apfelwiese anzutreffen. Für seine Liebe hat er sogar einen eigenen Verein gegründet.

E rst die Arbeit, dann das Vergnügen: Kaum ein Sprichwort fasst Eckhard Neitzels Lieblingsplatz wohl so gut zusammen wie diese alte Weisheit. Denn der 63-Jährige fühlt sich nirgends so wohl wie auf der Streuobstwiese am Klein-Karbener Stadtrand, auf der sich ein Apfelbaum an den andern reiht. Im Sommer war er mindestens ein-, öfter zweimal in der Woche hier: "Es gibt einfach immer etwas zu tun", sagt Neitzel. Mal hat er den Rasen gemäht, mal mussten Jungpflanzen angebunden, mal die Schäden nach einem Sommergewitter begutachtet und repariert werden. Dafür kommt Neitzel regelmäßig mit einem kleinen Bollerwagen auf die Wiese - zum Mitbringen von Werkzeugen oder nun, im Herbst, zum Abtransport erster Früchte.

Denn wenn die Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt, dann weiß Neitzel: All die Zeit ist richtig investiert. "Wenn ich einen Saft vom eigenen Obst trinke oder ein selbst gekochtes Gelee frühstücke, dann ist das unbeschreiblich lecker", schwärmt er.

Und: Die vollen Geschmäcker erinnern Neitzel an seine Kindheit. Er ist in Oberursel groß geworden - im Elternhaus mit mehr als 1000 Quadratmetern Garten. "Der Garten war fester Teil meiner Kindheit", erzählt er. "Wir sind öfter auf die Bäume geklettert oder haben das Obst geerntet." Als er 1984 mit der eigenen Familie nach Karben gekommen ist - "der Wohnraum hier war damals noch gut bezahlbar" -, hat er diese Liebe zur Natur mitgebracht. Schnell hat er sich beim BUND engagiert, wo 2013 - während des Kelterfestes - die Idee eines Streuobstvereins aufgekommen ist. So hat Neitzel die Interessengemeinschaft (IG) Streuobst mitgegründet, deren Vize-Vorsitzender er heute ist.

Anker für den Ruhestand

Die IG setzt sich für den Erhalt der Streuobstwiese als wichtige Biotope ein. Jüngst hat Neitzel dafür etwa Karbener Grundschulklassen zu "Streuobsttagen" eingeladen, um das Wissen darüber weiterzugeben (diese Zeitung berichtete), außerdem übernimmt er regelmäßig Dienste in Rapp’s Natur-Erlebnis-Garten.

Neben seinem Ehrenamt hat sich der Wahl-Karbener auch ein besonders langfristig gedachtes Projekt vorgenommen: Denn eine weitere Leidenschaft Neitzels gehört dem Kartieren. "Wir wissen noch nicht abschließend, wie viele Sorten wir hier eigentlich genau haben und wann genau welcher Apfel geerntet werden kann", erzählt er. Dafür pflegt er nun seit einiger Zeit eine eigene Excel-Tabelle. 30 bis 40 der rund 3000 existierenden Baumsorten sind auf der Klein-Karbener Apfelwiese wohl zu finden, schätzt Neitzel. Doch die gesamte Übersicht sei noch lange nicht fertiggestellt. Dafür nimmt Neitzel die rund 100 Bäume auf der Wiese - regelmäßig werden auch neue Pflanzen gesetzt - genau unter die fachkundige Lupe.

Doch wer denkt, dass die Apfelwiese für Neitzel nur Arbeit bedeutet, der irrt. "Gerade sonntags ist es hier wunderbar ruhig", sagt Neitzel über seinen Lieblingsplatz. Allein die Kirchenglocken in der Ferne seien dann zu hören. Für den Techniker ist das eine wahre Oase der Erholung, die mit nur zehn Minuten Fußweg quasi direkt vor seiner Haustür liegt.

Darüber hinaus, ist sich Neitzel sicher, wird ihm die Apfelwiese auch ein Anker sein, wenn er im kommenden Jahr 64 wird und in den Ruhestand geht. Vor einer aufkommenden Langeweile oder gar Leere, wie er sie durchaus bei anderen mit dem Eintritt in die Rente beobachte, hat er keine Angst. Im Gegenteil: Neitzel freut sich, dann noch öfter "seine" Wiese besuchen zu können.

"Vor allem aber freue ich mich auf mehr Zeit mit meinen Enkeln", sagt er mit einem Lächeln. "Sie können hier auf der Wiese toll toben und spielen. Wir werden sicher viele Tage hier verbringen."

Quelle: Wetterauer Zeitung

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