Der 39-jährige Markus Marburg hat die Teilnahme an der Corona-Impfstoffstudie bislang gut weggesteckt - vielleicht auch, weil er als Jugendleiter des FC Rendel eine gute Grundfitness mitbringt.
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Der 39-jährige Markus Marburg hat die Teilnahme an der Corona-Impfstoffstudie bislang gut weggesteckt - vielleicht auch, weil er als Jugendleiter des FC Rendel eine gute Grundfitness mitbringt.

Corona-Impfstudie

Karbener ist Corona-Impftestpatient: Kleiner Pieks, große Folgen

Es war ein kleiner Pieks für ihn, aber ein großer Pieks für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Als einer von nur 200 Deutschen hat der Klein-Karbener Familienvater Markus Marburg an der Impfstoffstudie teilgenommen.

W enn Markus Marburg in diesen Tagen seinen Familienurlaub an der Nordsee verbringt, fühlt er sich glücklich, lebendig, fit - »so, als wäre nie etwas gewesen«. Allein der Medienrummel in der Heimat erinnert den Klein-Karbener daran, dass er vor genau drei Wochen an der Impfstoff- Studie zur Entwicklung des Corona-Impfstoffs teilgenommen hat. Sogar beim Segeln klingelt sein Handy, und kurz nach der Rückkehr wartet bereits das nächste Interview.

Karbener ist Corona-Impftestpatient: Anregung durch die Tagesschau

An den Tag, der diesen Rummel indirekt losgetreten hat, erinnert sich der 39-jährige Integrationshelfer genau: Es war Ende April, als die Tagesschau über eine Impfstoffstudie des Pharma-Unternehmens Biontech berichtete. Gesucht wurden dafür gesunde und fitte Menschen - so wie Markus Marburg, seit Jahren aktiv beim FC Rendel. Also habe er sich aktiv um die Teilnahme beworben. Eine erste E-Mail von ihm wurde zunächst jedoch dankend abgelehnt, und so hat der Karbener lediglich seine Daten hinterlassen.

Gut zwei Monate war es still, »und dann ging schließlich alles ganz schnell«, sagt er: Dienstags eine E-Mail des Unternehmens, daraufhin ein Info-Abend, körperliche Voruntersuchung inklusive Blut- und Urintest, EKG und Familienanamnese, donnerstags der Rachenabstrich, um sicherzustellen, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht bereits mit SARS-CoV-19 infiziert war - und am Freitag schließlich die Impfung.

Karbener ist Corona-Impftestpatient: Strikt an Kontaktbeschränkungen gehalten

Heute ist das drei Wochen her, und der zweifache Familienvater fühlt sich weiterhin gut. Die vergangenen Wochen hat er mit den Menschen verbracht, die für ihn die Motivation zur Teilnahme waren: seine Kinder. »Sie haben sonst ein sehr enges Verhältnis zu ihren Großeltern«, erklärt er. »An die Kontaktbeschränkungen haben wir uns aber strikt gehalten, auch wenn das nicht immer einfach war.

Wenn ich irgendetwas dazu beitragen kann, dass diese Situation schneller zu Ende geht, dann möchte ich das machen.« Damit verknüpfte Gefühle und auch Sorgen habe er in der Familie offen besprochen - denn auch wenn Marburg für die Familie an der Studie teilnimmt, so ist er sich auch seiner Verantwortung gerade als Familienvater bewusst, und nicht selten sind Arzneimittelstudien mit nicht unerheblichen Risiken für die Probanden verknüpft.

Meine Frau war nicht uneingeschränkt begeistert«, gibt er zu. Sie habe Sorge vor möglichen Nebenwirkungen gehabt, im Gegensatz zu ihm selbst: »Für mich hat zu keinem Zeitpunkt Zweifel bestanden, dass ich das wenige, was ich tun kann, auch tun will.«

Geholfen habe dabei auch die transparente Kommunikation durch das Unternehmen, das die Studie in Mannheim betreut, sagt Marburg.

Karbener ist Corona-Impftestpatient: Nach Impfung »Pass« erhalten

Das Risiko sei als äußerst gering eingeschätzt worden; zudem habe er beispielsweise einen kleinen »Pass« bekommen, der die Teilnahme an der Studie attestiert. Dieser sei bei einem Notfall gleich welcher Art ein wichtiger Hinweis für Notärzte.

Mit dem Mann seiner Cousine, der Tierarzt ist, habe er die Auswirkungen der mRNA als Wirkmechanismus des potenziellen Impfstoffs auf den Körper diskutiert. Wäre das Risiko höher gewesen, hätte gerade die Verantwortung für seine Kinder wohl dazu geführt, dass er nicht teilnimmt. »Dann wäre das auch gar nicht durch den Familienrat gegangen«, sagt Marburg lachend. Nur eine »Nebenwirkung« hat wohl nicht nur er selbst, sondern auch die gesamte Familie anfangs nicht überblicken können: die des Medienrummels.

Karbener ist Corona-Impftestpatient: Mit Medienrummel nicht gerechnet

Sein Bruder, der bei der »Bild am Sonntag« arbeitet, hatte das Thema im Blatt platziert - und in den Tagen darauf klingelte das Telefon auch von anderen Medienvertretern, von Tageszeitungen bis hin zu Radiosendern. »Damit habe ich nicht gerechnet«, sagt Marburg. Doch auch hier habe er nie gezweifelt mitzumachen: Er müsse sich nicht verstecken, und nach einem Studentenjob im Sportressort der Frankfurter Rundschau kenne er auch die Suche nach Themen, die er gerne unterstütze.

Auch zahlreiche Freunde sind so auf ihn zugekommen - mit überwiegend positiven Rückmeldungen, sagt Marburg. So hätte er die Teilnahme in seinem Bekanntenkreis eigentlich nicht »an die große Glocke« hängen wollen. Durch die Berichterstattung jedoch kamen dann allerhand Karbener, Fußballfreunde und andere Bekannte auf ihn zu. Sie werden ihn nun interessiert durch die nächsten Wochen und Monate begleiten.

Drei weitere Nachuntersuchungen stehen an, in der ersten Januarwoche ist die abschließende Untersuchung geplant - idealerweise nicht mit dem Prädikat »so, als wäre nie etwas gewesen«, sondern »immun gegen SARS-CoV-19«.

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