Jugendlichen brennt vieles unter den Nägeln

Karben (koe). Politikverdrossenheit? Weit gefehlt. Die Jugendlichen der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) wollen ganz genau wissen, was bei ihnen vor Ort passiert. Konkrete Forderungen haben sie an die städtischen Politiker. Um sich Gehör zu verschaffen, haben sie eine Podiumsdiskussion organisiert, bei denen am Freitag die Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl Rede und Antwort stehen mussten. Stadtentwicklung, Freizeit- und Sportangebote sowie die Umwelt lagen den Schülern am Herzen.

Neu ist eine solche Veranstaltung vor einer bevorstehenden Wahl nicht, aber dass Schüler selber die Idee dazu hatten, schon. Innerhalb von zehn Tagen hat Schulsprecher Albrecht Gauterin zusammen mit Freunden sowie der Hilfe von Monika Lenniger, Fachbereichsleiterin für Gesellschaftswissenschaften, und Schulleiter Franz Wild das Ganze auf die Beine gestellt. Klare Regeln haben die Jugendlichen vorgegeben. Feste Themen und begrenzte Redezeiten. Nach rund zwei Minuten gab es erst eine gelbe, dann eine rote Karte. "Wir wollen Antworten und keine langen Reden", bekräftigte Gauterin. Mit einer solchen Veranstaltung wolle man die politische Meinungsbildung an der Schule fördern.

Wie das funktionieren kann, erlebten die Jugendlichen hautnah: Auf dem Podium saßen Karlheinz Hofmann für die Linken, Rainer Knak für die Grünen, Thomas Görlich für die SPD, Bürgermeister Guido Rahn für die CDU, Ernst Decker für die FDP sowie Michael Ottens für die Freien Wähler. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Zwölftklässlern Henrike Heuer und Yannick Schimbera.

Lebhaft wurde die Diskussion schon zu Anfang. Stadtentwicklung war das Thema. Rahn bekräftigte, man wolle das Areal um "Subway" als Innenstadt lebendiger machen und ausbauen. Für seine Aussage "vielleicht kommt nach "Subway" auch noch "Starbucks"", erntete er Lacher. "Das wird doch sowieso nichts", raunten die Schüler aus dem Hintergrund.

Als "Straßendorf ohne Stadtkern" bezeichnete Görlich Karben. Eine Innenstadt sei nicht alles. Deshalb sprach er sich für einen Stadtpark rund um das "Subway"-Gelände aus. "Im Himmel ist jeden Tag Jahrmarkt", konterte Ottens. "Sie haben auch die Vision von einer Freilichtbühne im Ententeich", meinte er an Görlich gewandt. Wie ein solcher Park oder der Innenstadtausbau finanziert werden soll, wollte eine Schülerin wissen. Rahn verwies auf Grundstücke, die der Stadt gehören und die für rund zwei Millionen Euro verkauft werden könnten. Für einen Stadtpark reiche das aber nicht, denn es seien lediglich drei Prozent der Grundstücke in städtischem Eigentum. Der Rest gehöre anderen, die nicht bereit seien, zu verkaufen oder zu verpachten, rechnete Ottens vor.

Welche Grundsätze die Vertreter der Parteien verfolgen, konnten die Schülerinnen und Schüler direkt erkennen. So forderte Knak von den Grünen, die "Innenstadt nicht aus dem Boden zu stampfen" und auch die Entwicklung der Stadtteile und Dörfer voranzutreiben. Frischluftschneisen und Umweltschutz hätten dabei Priorität.

Stadtentwicklung nach Vorstellung der Linken heißt nach Hofmanns Ansicht, mehr Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen und "die Nidda nicht weiter zuzubauen".

Dass die eine Partei der anderen Versagen vorwirft, auch das erlebten die Schüler. In 40 Jahren Regierung habe es die SPD nicht geschafft, eine vernünftige Innenstadt zu etablieren, wetterte Decker. "Shopping ist nicht alles. Nun ist Fachkompetenz gefragt, denn "Subway" ist kein einladender Eingang zur Stadt." Auch Ottens ging verbal auf die SPD los: "Wir brauchen keinen Stadtpark mit S-Bahn-Anschluss."

Doch auch Görlich holte aus: Die Koalition habe es bis heute nicht geschafft, die Nordumgehung zu machen, sagte er zu Frage einer Schülerin nach dieser Straße.

Für Svenja Janke (Jahrgang 13), Nils Boie-Wegener (Jahrgang 13) und Eva Hüttenrauch (Klasse 13) ist diese Diskussion richtungsweisend. "Als Erstwähler wollen wir wissen, was los ist", sagte Hüttenrauch. Die Bundespolitik sei weit weg und hier könne man direkt sagen, was einen interessiert, ergänzte Janke. So könne man gezielt eine Wahlentscheidung treffen, meinte Boie-Wegener.

Was sie am 27. März ankreuzen werden, wissen einige bereits genau, andere überlegen noch. Vielleicht hat ja die ein oder andere Aussage zu den Themen der Jugendlichen dazu geführt, noch einmal nachzudenken. Bei der Kommunalwahl mitzuentscheiden, scheint für die meisten Jugendlichen der KSS aber selbstverständlich. "Das geht uns alle an", meinte ein Schüler nach der Diskussion.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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