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iPhone-Hehlerei auf dem Parkplatz des Arbeitgebers

Gießen/Karben (koe). Das Verlangen nach einem iPhone war wohl zu groß und so konnten einige Mitarbeiter einer Karbener Firma nicht widerstehen. Sie kauften bei ihrem Arbeitskollegen gestohlene iPhones.

Davon hatte der Gießener gleich 50 Stück in seinem Auto. Wegen gewerblicher Hehlerei ist der gebürtige Kasache gestern vor dem Gießener Amtsgericht zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt worden. Außerdem muss er eine Geldstrafe an zwei Gießener Vereine zahlen.

Der vorsitzende Richter blieb einige Monate unter dem Strafmaß, das der Oberstaatsanwalt forderte. Der Angeklagte zeigte sich geständig, bereute seine Tat und meinte, er habe "bei der ganzen Sache einfach nicht nachgedacht". So ganz wollte das der Oberstaatsanwalt nicht glauben, denn immerhin verdiente der Angeklagte mit dem Verkauf der Handys in kurzer Zeit (zwischen März und Mai 2010) rund 3000 Euro. Er veräußerte außerdem zwei Laptops und weitere Handys der Firmen Nokia und Samsung.

Die Ware bekam der Gießener vom Onkel seiner Ehefrau. Dieser hatte die iPhones bei seinem Arbeitgeber in der Nähe von Aschaffenburg entwendet. Er verkaufte dem Angeklagten fünf original verschweißte Pakete mit je zehn iPhones auf Kommission, tauschte sich mit dem Angeklagten vor dessen Wohnung im Anneröder Weg und vor der Wohnung des Onkels in Leidersbach (Unterfranken) aus. Dem Angeklagten habe der Onkel gesagt, dass die Telefone vom Laster gefallen seien.

Der Beschuldigte habe also gewusst, dass es sich um "heiße Ware" handelt, argumentierte der Richter. Nach Aussage des Gießeners habe er das auch den Kollegen gesagt, an die er die iPhones verkauft hat. Einer hat sogar gleich 20 erworben, um diese in Polen weiter zu veräußern.

Zwischen 250 und 300 Euro nahm der Angeklagte für jedes iPhone, weniger als die Hälfte des offiziellen Ladenpreises. Die Quittung für seine Tat folgte: Da er die Ware auf dem Parkplatz seines Arbeitgebers verkaufte, bekam er sofort die Kündigung. Doch er konnte die Finger wohl nicht von dem Geschäft mit den Handys lassen. An einer Gießener Tankstelle wurde ihm nach eigenen Angaben erneut fünf iPhones von einem Unbekannten angeboten: "Dass einem auf diese Weise etwas angeboten wird, kennt man sonst nur vom Urlaub in Italien", sagte der Richter. 950 Euro hat der Angeklagte bezahlt, habe aber später gesehen, es handele sich um Fälschungen. Verkauft hat er sie trotzdem.

Durch die Arbeitskollegen sei die Kriminalpolizei schließlich auf den Angeklagten aufmerksam geworden. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Gießen entdeckten die Beamten im Wandtresor auch drei falsche 100-Euro-Scheine. Diese hat der Angeklagte angeblich beim Besuch eines chinesischen Basars in Tschechien (dort besitzt er ein Grundstück mit zwei Wohnwagen und einer Blockhütte) als Wechselgeld erhalten und erst in Gießen festgestellt, dass diese falsch seien: "Sie lagen zweieinhalb Jahre im Tresor", sagte er vor Gericht. Das Verfahren dahingehend ist bereits eingestellt worden.

Die Laptops verkaufte der Angeklagte auf einem Flohmarkt in Lollar an unbekannte Personen. Er sagte, er handele nicht gewerbsmäßig oder dauerhaft auf Flohmärkten. Das sei eine "einmalige Sache gewesen".

Sein Verteidiger wollte, dass eine "Kronzeugenregelung" zum Tragen kommt. Denn der Name des Onkels war den Ermittlern bis zur Aussage des Angeklagten bei der Kripo nicht bekannt. Dieser wurde mittlerweile vor einem Aschaffenburger Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Der Richter sprach zum Schluss von einer guten Sozialprognose des Angeklagten. Denn bereits einen Tag nach seiner Kündigung durch die Karbener Firma bekam er eine neue Stelle bei einem Unternehmen in Heuchelheim bei Gießen. Außerdem ist er nicht vorbestraft. Die 3000 Euro, die er durch die Hehlerei "verdient" hat, muss er in Raten zurückzahlen. 1500 Euro gehen an den Verein "Palliativ Pro" in Gießen, 1500 Euro kommen dem Förderverein der Gießener Sophie-Scholl-Schule zugute.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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