Die Frau des offenen Wortes verabschiedet sich

Karben (aho). Am gestrigen Freitag erklang in der Aula für Christel Klepp, der Schulleiterin der Selzerbachschule, der letzte Schulgong. Zuvor jedoch hatten sich das Kollegium und viele Weggefährten ihrer fast 30-jährigen Lehrertätigkeit - davon 21 als Leiterin der Selzerbachschule - herzlich von ihr verabschiedet. "Für Frau Klepp stehen die Kinder im Vordergrund", porträtierte Konrektorin Petra Matthes-Ahäuser ihre Vorgesetzte in einer herzlichen Ansprache.

Schulamtsdirektorin Magdalene Haas bedankte sich ebenso für Klepps Engagement im Kreis und ließ kurz die Karriere der sich in die Altersteilzeit verabschiedende Rektorin Revue passieren. Schon früh sei den Prüfern der damaligen Lehramtsanwärterin vor über 30 Jahren aufgefallen: "Die Lehrende nimmt die Schüler gefangen, und sie fühlen sich gefordert. Das Verhalten der Lehrenden trug zum Gelingen bei." So zitierte Haas aus den Personalakten. Den 1. Februar nannte sie für die Selzerbachschule einen Einschnitt: Denn dann werde Christel Klepp in in Altersteilzeit gehen. Die Zahl der Gäste an diesem Morgen sei ein guter Beleg für die Wertschätzung und Anerkennung für die scheidende Rektorin, betonte Haas.

Erster Stadtrat Gerd Hermanns dankte Klepp im Namen der Stadt und lobte die langjährige gute Zusammenarbeit. Er überreichte ihr im Namen des Magistrats ein Geschenkpaket. Auch den Eltern gegenüber sei Klepp eine verlässliche Partnerin gewesen, lobte die Schulelternbeirätin Silke Zeifang. "Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht." Insbesondere beim Gebäudeanbau für die Schülerbetreuung. Sie habe auch die Kompetenz und den sozialen Umgang der Schüler gefördert, lobte Zeifang.

Die Kolleginnen der Selzerbachschule schätzten Klepp als Frau des offenen Wortes und lobten vor allem das Herz, das sie vor allem für die Kinder, stets aber auch für die Lehrerinnen anderen Beschäftigten der Schule gehabt habe.

Die Schulleiterinnen der übrigen Karbener Grundschulen kamen aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls nicht dazu, das Stück, das sie der scheidenden Kollegin gern gesungen hätten, vorzutragen. Aber das werde man im kleineren Kreis sicher nachholen, war zu hören. Auch der Leiter der Kurt-Schumacher-Schule, Franz Wild, war gekommen, um Klepp die besten Grüße mit auf den Weg zu geben. Die "Kirchenmäuse" sangen ihr unter Leitung von Gerhard Radken ein fröhliches "Dass Du jetzt in Rente gehst, ist ja kaum zu glauben".

Im Rückblick auf ihre Zeit in der Selzerbachschule mochte Klepp kein Ereignis als "besonders prägend" herausstellen. "Das kann ich gar nicht sagen, es war dauernd etwas los, wie ein Fluss, und wir mussten uns ständig auf etwas Neues einstellen." Die Kindheit der Schüler habe sich verändert. "Dabei ist die Zeit wie im Flug vergangen, weil wir uns immer wieder darauf einstellen mussten." Durch neue technische Medien und das veränderte Familienleben gingen die Schüler auch mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in die Schulen.

Die Zeit, die sie an der als Leiterin der Selzerbachschule gearbeitet habe, lasse sich auch anhand der Schüler ablesen. "Manche Eltern von heute habe ich selbst noch unterrichtet." Sogar eine heutige Kollegin sei eine frühere Schülerin gewesen. Die hatten eine andere Kindheit als die heutigen Grundschülerinnen und -schüler. Sie gingen raus und spielten, das Fernsehen sei nicht so dominant, während die Kinder heute sogar Terminkalender hätten.

"Eltern trauen sich fast nicht mehr, ihre Kinder im Dunkeln gehen zu lassen. Früher sind sie durch den Wald gestreift." Die Kleinen hätten ein größeres Kommunikationsbedürfnis, dem die Schule ebenfalls Rechnung tragen müsse. So habe sich die Aufgabe der heutigen Pädagogen von Lehrenden zu Erziehenden gewandelt. Zumal auch von außen der Schule mehr Aufgaben zugeteilt worden seien.

Immer auch eine Team-Arbeiterin

Klepp gestaltete nicht nur die gesamte Schulentwicklung der vergangenen 30 Jahre mit, sondern gab der Schule sogar den heutigen Namen. "Das war ich nicht allein", wehrt sie lächelnd ab. Sie sei immer auch eine Team-Arbeiterin gewesen. "Wir haben die Eltern befragt und uns mit der Stadt abgestimmt." So übernahm die damalige Grundschule Klein-Karben nach längerer Namenssuche den Flurnamen "Selzerbach".

Bei aller Teamarbeit ("Ich kann ja auch nicht alles wissen, und es gibt Fachleute, deren Rat man einholen kann.") müsse jedoch einer die Übersicht behalten und die Leitung haben. "Die habe ich mir auch nicht nehmen lassen", sagt sie. Dass sie dennoch keine einsamen Entscheidungen getroffen hat, zeigte sich gerade im Chorgesang des Selzerbach-Lehrerinnenkollegiums, die der scheidenden Vorgesetzten ein selbstgetextes Lied auf die Melodie "Aux Champs Élysées" darbrachten.

Zukünftig wolle sie mit Spanisch noch eine weitere Sprache lernen und zusammen mit ihrem Mann noch einige Reisen unternehmen. Eine Kurztrip wird - geschenkt von den Schulleiter-Kolleginnen - wohl in den Schwarzwald führen. Klepp, die früher Gesang studiert hat, möchte wieder Gesangsstunden nehmen, um sich auch auf diesem Gebiet weiter zu betätigen.

Dass Klepp nicht in allzu großen "Ruhestand" verfällt, dafür könnten die Kindergärten sorgen, mit denen die Selzerbachschule schon länger zusammenarbeitet: "Die haben mich schon gefragt, ob ich ehrenamtlich bei ihnen lesen oder singen könnte." Denn fest steht für sie: "Ich mache auf jeden Fall was mit Kindern." Aber auch einführende "Computerkurse auf Grundschuldniveau" für ältere Menschen zu geben, könne sie sich vorstellen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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