Das Bild täuscht: Die heruntergelassenen Rollläden bedeuten nicht, dass die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge am Spitzacker schon leer wäre. Die verbliebenen Personen sollen in andere Unterkünfte verlegt werden. FOTOS: HOLGER PEGELOW/PRIVAT
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Das Bild täuscht: Die heruntergelassenen Rollläden bedeuten nicht, dass die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge am Spitzacker schon leer wäre. Die verbliebenen Personen sollen in andere Unterkünfte verlegt werden. FOTOS: HOLGER PEGELOW/PRIVAT

Flüchtlingsunterkunft Karben

Flüchtlinge verlassen Güse-Gebäude in Okarben

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen und auch Karben Menschen aufnehmen musste, hat die Stadt viele Plätze geschaffen. Sie kaufte unter anderem das Gebäude des ehemaligen Güse-Verlages. Doch nun hat sich die Lage entspannt, die Flüchtlinge können ausziehen.

A n das Jahr 2015 erinnern sich viele Verantwortliche in der Stadt noch sehr genau. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, stieg täglich. Die Kreise und deren Städte kamen unter Druck, denn sie mussten möglichst viele Wohnplätze für die Menschen aus Syrien und anderen Ländern zur Verfügung stellen. Da Karben im Gegensatz etwa zur Nachbarstadt Bad Vilbel beschlossen hatte, keine Wohncontainer im Stadtgebiet aufzustellen, mussten die Unterkünfte also anders beschafft werden. Da war es der städtischen Wohnungsbaugesellschaft recht, dass der damalige Inhaber des Güse-Verlages der Stadt sein stillgelegtes Verlagsgebäude im Spitzacker anbot.

In Okarben 54 Wohnplätze

Seinerzeit war Otmar Stein Erster Stadtrat in Karben und im Aufsichtsrat der städtischen Wobau. Er schaute sich das Gebäude an und meinte: "Eine gute Lage." Die Wobau kaufte das gesamte Gebäude plus Grundstück. 4441 Quadratmeter beträgt die Gesamtgrundstücksfläche, auf 600 Quadratmeter summieren sich die Flächen für Wohn- und Geschäftsgebäude, hinzukommen 2400 Quadratmeter Lagerflächen.

Das Wohnhaus sei in gutem Zustand, sagte Stein seinerzeit. Mit nur geringen Mitteln sei das Wohn- und Geschäftsgebäude zu einer Flüchtlingsunterkunft umzubauen.

Bei weiterem Bedarf hatte man im Nebengebäude der ehemaligen Druckerei noch für weitere zehn bis 15 Personen Wohnplätze geschaffen. Auch die notwendigen Nebenräume waren vorhanden. Letztlich haben am Spitzacker 54 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung gestanden. Aktuell sind nur rund die Hälfte der Wohnplätze belegt, wie aus einer Antwort der Stadt auf eine Parlamentsanfrage der Freien Wähler hervorging. Auch in anderen Flüchtlingsunterkünften ist momentan viel Platz, seit sich die Zuwanderung deutlich abgeschwächt hat.

Verhandlungen über Firmennutzung

Derzeit wohnen nach Angaben von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) rund 90 Flüchtlinge in den noch fünf Unterkünften der Stadt. "Ohne den Spitzacker können wir 114 Flüchtlingsunterkünfte bereitstellen", teilt er auf Anfrage dieser Zeitung mit.

In Spitzenzeiten hatte man für rund 240 Flüchtlinge in sieben Objekten Unterkünfte bereitgestellt. "Dies zeigt den deutlichen Rückgang, zumal kaum Neuaufnahmen zu verzeichnen sind."

Ohne den Spitzacker? In der Tat plant die Stadt, die in Okarben noch verbliebenen Flüchtlinge - unter ihnen 13 anerkannte Asylbewerber - woanders unterzubringen. Damit würde der Spitzacker in den nächsten Wochen geräumt und stünde für eine andere Nutzung zur Verfügung. Dem Vernehmen nach aber nicht für Wohnzwecke. Denn Otmar Stein steht bereits wegen dieses Gebäudes wieder in Verhandlungen. Dabei geht es dem Vernehmen nach um die Ansiedlung eines Gewerbebetriebes mit rund 50 Angestellten. Ein Gewerbetreibender habe großes Interesse an dem Objekt gezeigt, hieß es am Rande einer Ortsbegehung in Okarben.

Stein teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, nachdem nun die Flüchtlingszahlen stark zurückgegangen sind, habe das Gewerbeobjekt Spitzacker 10 seinen Dienst erfüllt. "Da die Wobau sich nicht unbedingt mit der Vermietung und Unterhaltung von Gewerbeimmobilien beschäftigen will, sondern der Schwerpunkt im Wohnungsbau liegt, haben wir uns um den Verkauf dieses Objektes bemüht, zumal jetzt wieder Rückbau und Sanierungskosten angefallen wären", betont Stein.

Die Wobau will das Objekt nun also veräußern. Man stehe kurz vor Vertragsabschluss für das gesamte Anwesen an ein Unternehmen aus Frankfurt, welches eines seiner Tochterunternehmen mit rund 50 Mitarbeitern nach Karben umsiedeln werde. "Damit hat die Wobau wieder zusätzliche Liquidität für die anstehenden Wohnungsbauvorhaben", teilt Stein abschließend mit.

Als Ende Mai die Freien Wähler (FW) eine Antwort des Magistrats auf ihre Anfrage vom März erhielten, bekamen sie auch eine Liste mit den Zahlen. Denen zufolge gab es am Spitzacker in Okarben 26 freie Plätze für Flüchtlinge, in der Bahnhofstraße 37 waren es drei, im Fasanenhof fünf, und in den beiden Gebäuden in der Max-Planck-Straße acht beziehungsweise zehn freie Wohnplätze. In der Statistik ist auch verzeichnet, dass in den Flüchtlingsunterkünften im Stadtgebiet 35 anerkannte Flüchtlinge leben. Weitere 104 befanden sich in laufenden Asylverfahren. Anlass der Anfrage der FW war übrigens die Übernahme der Flüchtlingsunterkünfte durch den Wetteraukreis. Der Magistrat teilte mit, dass eine Unterkunft aufgegeben worden sei, da kein Bedarf mehr bestanden habe.

Das Haus in der Bahnhofstraße 37 sei Anfang des Jahres durch den Kreis übernommen worden. Von den vier verbleibenden Gemeinschaftsunterkünften soll eine weitere - eben die am Spitzacker - aufgelöst werden. Die dort verbliebenen Personen würden in andere Unterkünfte umziehen. pe

Quelle: Wetterauer Zeitung

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